Türkei verweigert queeren Kreuzfahrt-Touristen das Anlanden
Türkei verbietet queeren Kreuzfahrern das Anlegen

Die türkischen Behörden haben dem amerikanischen Kreuzfahrtschiff „Scarlet Lady“ mit knapp 2000 Passagieren die Einfahrt in ihre Häfen verweigert. Das Schiff wird von Atlantis Events gechartert, einem auf LGBTQ+-Reisen spezialisierten Unternehmen. Als Begründung führten die Behörden „moralische Standards“ und „familiäre Werte“ an, wie CNN und USA Today berichten.

Route musste geändert werden

Ursprünglich sollte die „Scarlet Lady“ am 7. Juli im Hafen von Kuşadası anlegen und anschließend zwei Tage in Istanbul bleiben. Nach der Anordnung der türkischen Behörden wurde die Route geändert: Stattdessen werden nun Alexandria in Ägypten und Heraklion auf Kreta angesteuert, wie das Unternehmen auf seiner Website mitteilte.

Rich Campbell, CEO von Atlantis Events, zeigte sich gegenüber USA Today verblüfft: „Es ist uns unbegreiflich, dass es den türkischen Behörden als Begründung ausreicht, dass es sich bei den Reisenden um eine queere Gruppe handelt.“ Die Reise sei bereits vor einem Jahr angekündigt worden, und Atlantis Events habe Istanbul in den vergangenen 25 Jahren bereits 13-mal angesteuert. Alle Versuche, die Behörden umzustimmen, auch unter Mitwirkung der amerikanischen Botschaft, seien gescheitert.

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Behörde veröffentlicht Stellungnahme auf X

Die Behörden der Küstenprovinz Aydin, zu der auch der Hafen von Kuşadası gehört, veröffentlichten auf X eine Stellungnahme. Darin hieß es, die „Veranstaltung“ habe „auf Social-Media-Plattformen für große Unruhe gesorgt, da das Kreuzfahrtschiff von Gruppen gemietet wurde, die für Verhaltensweisen bekannt sind, die nicht mit der Struktur unserer Gesellschaft und unseren moralischen Werten vereinbar sind.“ Der Besuch der Provinz durch eine solche Gruppe komme „keinesfalls infrage“.

Die Entscheidung reiht sich ein in eine zunehmende LGBTQ+-Feindlichkeit in der Türkei. Präsident Recep Tayyip Erdoğan und Vertreter seiner Regierung äußern sich immer wieder offen gegen die queere Gemeinschaft. Ende Juni verboten die Behörden eine Pride-Parade in Istanbul, sperrten die Innenstadt vorsorglich ab und schränkten den öffentlichen Nahverkehr ein. Als Begründung wurden Sicherheitsbedenken vorgeschoben. Aktivisten, die dennoch zu Demonstrationen zusammenkamen, wurden umgehend von Zivilpolizisten unterbunden.

Atlantis Events: Spezialist für queere Kreuzfahrten

Atlantis Events chartert komplette Kreuzfahrtschiffe und plant die Reiserouten sowie das Rahmenprogramm. Die „Scarlet Lady“ gehört Virgin Voyages, einem Unternehmen des britischen Milliardärs Richard Branson. Der Vorfall gilt als bislang einmalig: Noch nie hatte ein türkischer Hafen einem Kreuzfahrtschiff mit LGBTQ+-Passagieren die Einfahrt verweigert.

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