Wenige Tage vor dem Bundesparteitag der AfD in Erfurt hat die Partei Jork Herrmann als neuen Parteisprecher benannt. Das bestätigte die AfD dem SPIEGEL. Zuvor hatte das „Handelsblatt“ über die Personalie berichtet. Herrmann war zuletzt Redaktionsleiter des Informationsdienstes iwd, der zum Institut der deutschen Wirtschaft (IW) gehört.
Pikanter Lebenslauf: Vom IW zur AfD
Auf LinkedIn gibt Herrmann an, bis Ende 2025 Teil der Chefredaktion der IW Medien GmbH gewesen zu sein, die zum IW gehört. Zuvor leitete er dort die Abteilung Wirtschaft und Bildung sowie vier Jahre lang das Team Öffentlichkeitsarbeit. Der gelernte Fachjournalist für Politik und Wirtschaft wurde an der Kölner Journalistenschule ausgebildet und studierte Volkswirtschaftslehre an der Universität zu Köln. Seit 2007 ist er selbstständig tätig und arbeitete unter anderem für das Magazin „Focus“, die „Financial Times Deutschland“, RTL Interactive und die Lufthansa-Pressestelle.
Der Leiter des IW-Hauptstadtbüros, Knut Bergmann, betonte gegenüber dem „Handelsblatt“, Herrmann sei „niemals verantwortlich für Ergebnisse oder Publikationen der IW-Wissenschaft gewesen“. IW-Direktor Michael Hüther hatte sich wiederholt gegen die AfD ausgesprochen und etwa im SPIEGEL-Interview gesagt: „Eine Koalition mit der AfD verbietet sich wegen politischer Grundüberzeugungen, etwa zur Rolle der Nato.“ Auch BDI-Präsident Peter Leibinger bezeichnete einen möglichen AfD-Ministerpräsidenten als „fatal für das Land“.
Herrmanns Name taucht in AfD-bezogenen IW-Pressemitteilungen auf
Recherchen des „Handelsblatt“ zufolge findet sich Herrmanns Name auffällig oft in IW-Pressemitteilungen, die sich mit der AfD und ihren Wählern befassen. So wird er als „verantwortlich für den Inhalt“ für Beiträge wie „AfD – auch eine Partei der Besserverdiener“ (2016), „AfD-Wähler – Sie fühlen sich ausgeliefert“ (2017) und „AfD-Anhänger neigen zu Extremen“ (2017) genannt.
Die AfD hatte den Posten des Parteisprechers lange nicht besetzen können, weil sich niemand Passendes fand. Der Vorgänger Christian Lüth musste die Partei verlassen, nachdem Aufnahmen bekannt wurden, in denen er im Zusammenhang mit Migranten vom „Erschießen“ und „Vergasen“ sprach. Inzwischen wird Lüth jedoch wieder bei Parteiveranstaltungen gesichtet, zuletzt beim Landesparteitag der AfD Bayern in Passau.
Bundesparteitag in Erfurt: Vorstandsneuwahl und erwartete Proteste
Beim 17. Bundesparteitag der AfD in Erfurt soll am Samstag auch der Bundesvorstand neu gewählt werden. Die Partei rechnet mit rund 50.000 Gegendemonstranten. Der neue Parteisprecher Herrmann wird in dieser Funktion die Kommunikation der Partei nach außen gestalten.



