Höcke: Westdeutsche keine echten Deutschen – Ostdeutsche noch „Deutsch sprechende Deutsche“
Höcke: Westdeutsche keine echten Deutschen

Der rechtsextreme Thüringer AfD-Chef Björn Höcke hat in einem Podcast der Schweizer „Weltwoche“ erneut für Aufsehen gesorgt. In dem Gespräch mit Moderator Roger Köppel stellte der in Westdeutschland geborene und aufgewachsene Politiker die These auf, dass Westdeutsche keine richtigen Deutschen mehr seien. Vielmehr seien sie durch die amerikanische Kultur „usurpiert“ worden, also gewaltsam von den USA in Besitz genommen. Die Westdeutschen bezeichnete Höcke als „Deutsch sprechende Amerikaner“ mit einer Ersatzidentität. Im Gegensatz dazu seien die Ostdeutschen noch „Deutsch sprechende Deutsche“, so die radikale Behauptung des AfD-Politikers.

Höckes antisemitische Verschwörungserzählungen

Neben dieser eigenwilligen Definition des Deutschseins wiederholte Höcke auch seine bekannte Erzählung vom „Ende Deutschlands“. Das Land sei so stark wie nie zuvor bedroht – durch Zuwanderung und angebliche Eliten, die bewusst an der Abschaffung Deutschlands arbeiteten. Im Kern handelt es sich dabei um die antisemitische Verschwörungstheorie vom „Großen Austausch“, wonach geheime Machteliten gegen das Volk agieren. Höcke beteuerte zwar, kein „Anti-Amerikaner“ zu sein, doch seine Aussagen lassen daran zweifeln.

Kritik an der deutschen Erinnerungskultur

Der Rechtsextremist nutzte das Interview auch, um die Aufarbeitung der NS-Verbrechen und die deutsche Erinnerungskultur zu attackieren. Er forderte, die deutsche Geschichte dürfe nicht als „Verbrecheralbum“ betrachtet werden. Kritische Nachfragen zu seinen rechtsextremen Positionen oder zu seiner Vorstrafe wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen blieben aus. Höcke war gerichtlich verurteilt worden, weil er wiederholt die verbotene SA-Losung „Alles für Deutschland“ verwendet hatte. Stattdessen lobte Moderator Köppel ihn als „die größte Reizfigur der deutschen Politik“.

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Höckes politischer Werdegang

Der 54-jährige Höcke stammt aus Westfalen und arbeitete bis 2014 als Lehrer in Hessen, bevor er den AfD-Landesverband in Thüringen übernahm. Dieser Landesverband wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft. Erst vor wenigen Wochen hatte Höcke mit einem Gespräch beim Podcaster Ben Berndt für Kontroversen gesorgt, bei dem er seine radikalen Ansichten ohne kritische Nachfragen vortragen konnte. Berndt rühmt sich dafür, unverstellt zu fragen und nichts zu schneiden, gab aber an, zwei juristisch bedenkliche Passagen aus dem Gespräch entfernt zu haben.

Das Interview mit der „Weltwoche“ zeigt erneut, wie Höcke immer wieder Plattformen nutzt, um seine extremen Positionen zu verbreiten, ohne mit kritischen Fragen konfrontiert zu werden. Die AfD selbst hat sich bislang nicht zu den Äußerungen ihres Thüringer Landeschefs geäußert.

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