Die AfD zeigt sich auf ihrem Parteitag in Erfurt weit entfernt von dem „gärigen Haufen“, den Alexander Gauland einst beschrieb. Stattdessen präsentiert sie sich professionalisiert und diszipliniert. Diskutiert wurde wenig, es gab kaum offene Kämpfe oder inhaltliche Auseinandersetzungen. Vereinzelte Zwischenrufe wurden direkt abmoderiert. Die Partei wirkt wie ein gut geölter Apparat, der sich auf Regierungsverantwortung vorbereitet.
Durchwählen von Posten statt inhaltlicher Debatten
Der Ablauf des ersten Tages glich eher einem Durchwählen von vorher festgelegten Posten. Die einzige echte Kampfkandidatur des Tages um den Schatzmeisterposten ging nach drei Abstimmungsrunden an Hannes Gnauck. Gnauck ist Mitaufbauer der parteieigenen Kaderschmiede Akademie Schwarz-Rot-Gold, einer Bildungseinrichtung, die gezielt auf Regierungsverantwortung vorbereitet. Sein Sieg ist vor allem ein Triumph für Alice Weidel und ihre Verbündeten, die ihr Machtnetzwerk zementieren konnten.
Widersprüchliche Signale an die Union
Die Professionalisierung bleibt jedoch widersprüchlich. Kaum hatte Co-Parteichef Tino Chrupalla die Partei zur Übernahme von Regierungsverantwortung bereit erklärt, zog Weidel in ihrer Rede über die CDU her. Diese mache Politik gegen die Interessen des Landes. Die AfD gibt sich immer wieder offen für eine Koalition mit der Union, die dies jedoch ablehnt. Solche Sprüche machen eine Annäherung nicht wahrscheinlicher.
„Eine Partei, die sich zunehmend auf eine Führungsfigur zuspitzt und lernt, sich selbst zu disziplinieren, stolpert nicht mehr über sich selbst“, kommentiert Aino Akay, Volontärin der FUNKE-Zentralredaktion. Der „gärige Haufen“, der sich regelmäßig selbst zerlegt hatte, war auf paradoxe Weise ungefährlicher – er lieferte immer neue Gründe, ihn nicht ernst zu nehmen. Die AfD, die sich am Wochenende in Erfurt gezeigt hat, zeigt Potenzial, genau diese Selbstbremse zu verlieren.
Gefahr durch wachsende Disziplin
Die zunehmende Disziplin und Professionalisierung der AfD macht es schwerer, sie aus der Verantwortung zu halten. Während die Partei früher durch interne Querelen von selbst an Glaubwürdigkeit verlor, könnte sie nun geschlossener auftreten und so mehr politischen Einfluss gewinnen. Der Kommentar von Aino Akay warnt eindringlich vor dieser Entwicklung.



