Proberaum-Not in München: Fat Cat schließt und hinterlässt ein kulturelles Vakuum
Proberaum-Not in München: Fat Cat schließt, Musiker verzweifelt

Proberaum-Not in München: Fat Cat schließt und hinterlässt ein kulturelles Vakuum

In München spitzt sich die Lage für Musiker und Kulturschaffende dramatisch zu. Mit der bevorstehenden Schließung des Fat Cat im Alten Gasteig fällt ein zentraler Ort für über 200 Proberäume, Ateliers und Büros weg. Diese Zwischennutzung endet aufgrund von Sanierungsarbeiten Ende September, was viele Künstler in existenzielle Nöte stürzt. Die Stadt steht vor der Herausforderung, bezahlbare und dauerhafte Alternativen zu schaffen, doch bisher fehlen konkrete Pläne.

Ein Desaster für die Münchner Musikszene

Die Musikerin Caro Kelley, die seit fast zwei Jahren hauptberuflich im Fat Cat arbeitet, bezeichnet das Ende als „ein Desaster“. Ihr 22 Quadratmeter großer Raum, den sie für 295 Euro monatlich gemietet und mit Pastellfarben, einem Klavier und einer geblümten Couch persönlich gestaltet hat, muss aufgegeben werden. „Das hier ist der beste Raum, den ich je hatte – und jetzt verschwindet er“, klagt die 34-Jährige. Sie fühlt sich von der Stadtpolitik im Stich gelassen und kritisiert, dass es zu wenige Proberäume in München gibt. Kelley muss ihren Unterricht künftig bei Schülern zu Hause abhalten oder abgeben, was ihre berufliche Existenz gefährdet.

Ihr Appell an die Verantwortlichen ist deutlich: „Sie wollen Kultur, aber bitte leise, billig und auf eigene Kosten.“ Sie schlägt vor, leer stehende Gebäude wie Kaufhäuser oder Bürokomplexe für kulturelle Zwecke umzunutzen, ähnlich dem Konzept des Fat Cat. „Wenn wir wollen, dass Kunst überlebt, dann brauchen wir Räume, um sie zu schaffen“, betont Kelley. Diese Forderung spiegelt die allgemeine Frustration in der Szene wider, die unter akutem Platzmangel leidet.

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Private Initiativen als Lichtblick

Während die Stadt mit temporären Lösungen kämpft, zeigen private Projekte wie der Rockpalast in Giesing, dass es anders geht. Seit 2009 bietet diese Einrichtung in einer schallisolierten Tiefgarage Proberäume ab sieben Euro pro Stunde an. Betreiber Martin Schmid und Werner Pfanz, selbst ehemalige Musiker, verzichten bewusst auf städtische Förderung, um ihre Unabhängigkeit zu wahren. Hier proben nicht nur Rockbands, sondern auch Opernsänger, Sambagruppen und Chöre in einer fast familiären Atmosphäre.

Bassist Alex von der Balkan-Rock-Band „Life On Wheels“ erzählt von seinen Erfahrungen: „Ich habe mal im Krematorium eines Krankenhauses musiziert“. Solche Geschichten sind in München keine Seltenheit, da das Angebot an Proberäumen knapp und oft teuer oder in schlechtem Zustand ist. Der Rockpalast wird derzeit erweitert, um der hohen Nachfrage gerecht zu werden, doch solche Initiativen allein können den Bedarf nicht decken.

Strukturelle Probleme und politische Herausforderungen

Jacob Döring von der Feierwerk Fachstelle Pop weist auf langjährige Missstände hin. Seit über 40 Jahren engagiert sich der Verein für Proberäume, doch „viel verändert hat sich seitdem jedoch nicht“. Zwar gibt es in Einrichtungen wie der Südpolstation in Neuperlach Räume, und ein städtischer Mietzuschuss wurde eingeführt. Allerdings ist dieser nur alle drei Jahre beantragbar und setzt Professionalitätsnachweise voraus, was junge Bands oft überfordert.

Ein weiteres Problem ist die Ungleichbehandlung von Popkultur und Hochkultur. Döring erklärt: „Ein Streichquartett findet vermutlich leichter einen Raum als eine Punkrockband.“ Leer stehende Schulen oder Bürogebäude werden als Alternativen diskutiert, scheitern aber oft am logistischen Aufwand. Um nachhaltige Abhilfe zu schaffen, fordern Experten wie Feierwerk und der Rockpalast, dass die Stadt ganze Gebäude dauerhaft zur Verfügung stellt. Andernfalls droht die Privatisierung, die bezahlbare Proberäume gefährden könnte.

Die Proberaum-Krise in München offenbart tiefgreifende Defizite in der Kulturpolitik. Während Musiker wie Caro Kelley um ihre Existenzgrundlage kämpfen, bleibt unklar, ob die Stadt rechtzeitig langfristige Lösungen findet. Die Schließung des Fat Cat markiert einen Wendepunkt, der die Dringlichkeit des Themas unterstreicht und zum Handeln auffordert.

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