Usedomer Literaturpreise 2026: Auszeichnungen für Autor und Übersetzerduo
Die Usedomer Literaturtage haben in diesem Jahr eine besondere internationale Ausrichtung gezeigt, die sich sowohl auf den deutschen als auch auf den polnischen Teil der Insel erstreckte. Diese grenzüberschreitende Perspektive spiegelt sich eindrucksvoll in den diesjährigen Preisverleihungen wider, die am Samstag in Swinemünde und Heringsdorf stattfanden.
Erstmalige Ehrung für literarische Übersetzung
In einem historischen Moment für die Usedomer Literaturtage wurde erstmals ein eigenständiger Übersetzerpreis vergeben. Die Auszeichnung ging am Samstagnachmittag im polnischen Swinoujscie (Swinemünde) an das Übersetzerduo Lisa Palmes und Lothar Quinkenstein. Die beiden wurden für ihre meisterhafte Neuübersetzung des polnischen Romans „Die Puppe“ von Bolesław Prus geehrt, wie die Veranstalter mitteilten.
Der ursprünglich 1890 erschienene Klassiker der polnischen Literatur erhielt durch die Arbeit von Palmes und Quinkenstein eine zeitgemäße sprachliche Neugestaltung. Der Usedomer Übersetzerpreis ist mit einem Preisgeld von 3.000 Euro dotiert und unterstreicht die wachsende Bedeutung literarischer Übersetzungsarbeit im kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Polen.
Literaturpreis für Clemens J. Setz
Bereits am Vormittag wurde im Heringsdorfer Ortsteil Ahlbeck der mit 5.000 Euro dotierte Usedomer Literaturpreis verliehen. Die Auszeichnung ging an den österreichischen Schriftsteller Clemens J. Setz für sein Werk „Der Trost der runden Dinge“. Die Jury unter dem Vorsitz der Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk würdigte in ihrer Begründung die besondere literarische Qualität des Werkes.
Die Jury hob hervor, dass Setz in seinem Buch eine meisterhafte Prosa entwickelt habe, die Elemente der Groteske, des Unheimlichen und von Science-Fiction auf einzigartige Weise miteinander verbindet, ohne dabei auf humorvolle Passagen zu verzichten. Der Preis beinhaltet neben dem Preisgeld auch einen einmonatigen Arbeitsaufenthalt im Seetelhotel Ahlbecker Hof auf Usedom, der dem Autor Raum für neue kreative Projekte bieten soll.
Hintergrund der Preisträger
Clemens J. Setz, der in Graz aufgewachsen ist und heute in Wien lebt, nutzte die Literaturtage auch für eine Lesung aus seinem preisgekrönten Werk. Während der gesamten Veranstaltungswoche hatten zahlreiche weitere Autorinnen und Autoren ihre Bücher vorgestellt und damit das literarische Programm der Usedomer Literaturtage bereichert.
Eine geplante Sonderlesung der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel musste auf den 10. September verschoben werden. Die Veranstaltung wird dann in Peenemünde stattfinden, wo Merkel aus ihrer Autobiografie „Freiheit“ lesen wird.
Die diesjährigen Usedomer Literaturtage und die parallel stattfindenden Preisverleihungen markieren einen wichtigen Schritt in der Internationalisierung des Literaturfestivals. Durch die Einbeziehung des polnischen Teils der Insel und die erstmalige Vergabe eines Übersetzerpreises wird der kulturelle Dialog zwischen Deutschland und Polen auf literarischer Ebene nachhaltig gestärkt.



