Grimme-Preis-Serie „Tschappel“: Coming-of-Age-Comedy aus Oberschwaben überzeugt
„Tschappel“: Grimme-Preis-Serie aus Oberschwaben

Grimme-Preis-Serie „Tschappel“: Coming-of-Age-Comedy aus Oberschwaben überzeugt

Die ZDF-Serie „Tschappel“ wird in diesem Jahr mit einem Grimme-Preis ausgezeichnet. Die Verleihung findet am Freitag, den 24. April 2026, in Marl in Nordrhein-Westfalen statt. Die Jury lobt die Produktion als „leicht, aber nicht seicht“ und bezeichnet sie als eine Art Gen-Z-Heimatfilm im Serienformat – mit viel Dialekt und Witz.

Eine preiswürdige Coming-of-Age-Geschichte vom Dorf

Die Grimme-Preis-Jury betont, dass den Autoren Marius Beck und Marc Philip Ginolas etwas im deutschen Fernsehen selten Gesehenes gelungen sei. Die beiden jungen Autoren, beide um die 30 Jahre alt, erzählen in „Tschappel“ acht skurrile Episoden aus dem fiktiven oberschwäbischen Dorf Hintervorderbach, „ohne das Leben dort zu überhöhen, zu verkitschen oder sich darüber lustig zu machen“.

Die Jury beschreibt die Serie als „beste Fernsehunterhaltung mit Witz und Verstand – komisch, aber nicht klamaukig, warmherzig, aber nicht rührselig“. Damit schließe die Produktion eine Lücke im deutschen TV-Angebot, das oft von Großstadtgeschichten dominiert werde und kaum das Leben in ländlichen Regionen widerspiegele.

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Die Handlung: Vom Dorf in die weite Welt?

Im Mittelpunkt der Serie steht Carlo Brenner, gespielt von Jeremias Meyer, den man aus Serien wie „Der Greif“ oder „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ kennt. Carlo ist ein echter „Tschappel“ – ein oberschwäbisches Wort für einen Tollpatsch. Nach dem Abitur will er eigentlich von Schwaben nach Australien, um dort Work and Travel zu machen, genau wie sein Schwarm Pia Schneider, dargestellt von Mina-Giselle Rüffer.

Doch dann fährt er den Oldtimer seines Vaters zu Schrott und muss den Schaden am alten Mercedes in der Gastwirtschaft seiner Eltern abarbeiten. Seine besten Freunde sind der Bauernsohn Niklas „BlaBla“ Härle, gespielt von Sebastian Jakob Doppelbauer, und der angehende Fußballtrainer Aydin Alkan, dargestellt von David Ali Rashed. Weitere Figuren sind Carlos Eltern Sabine und Rainer, verkörpert von Bärbel Stolz und Bernd Gnann, sowie die lebensfrohe Tante Gabi, gespielt von Nina Gnädig.

Authentizität ohne Klischees

„Tschappel“ gelingt es, alltägliche Situationen mit universellen Lebensthemen zu verbinden und soziale Dynamiken zu zeigen, wie sie in vielen Teilen Deutschlands typisch sind. Dabei wird das ländliche Leben weder lächerlich gemacht noch romantisch verklärt – ein häufiger Kritikpunkt an anderen Produktionen, die das Land entweder als idyllische Urlaubsgegend darstellen oder lediglich als Hintergrund für Krimis nutzen.

In den acht Folgen kommt es zu zahlreichen Verwicklungen, darunter Alkoholexzesse, Ärger mit der Polizei, eine Hausbesetzung und sogar der Todesfall eines Stammtrinkers im Restaurant „Gasthaus zum Bären“. Die Folgentitel sind dabei ebenso originell wie anspielungsreich, etwa „Mehr Schwein als Sein“, „Der Gott des Geschnetzels“ oder „Der BlaBla-Mein-Dorf-Komplex“.

Drehort und Zukunft der Serie

Gedreht wurde die Serie in Zußdorf, einem Ortsteil der Gemeinde Wilhelmsdorf im Kreis Ravensburg. Interessanterweise stammt Autor Marius Beck selbst aus dieser Region, was der Authentizität der Geschichte zusätzlich zugutekommt. Die Produktion hat bereits jetzt das Zeug zur Kultserie, und eine zweite Staffel ist bereits in Planung. Die Dreharbeiten sollen noch in diesem Sommer beginnen.

„Tschappel“ zeigt, dass Coming-of-Age-Geschichten nicht nur in Großstädten spielen müssen, um relevant und unterhaltsam zu sein. Mit ihrem Mix aus Humor, Herz und regionalem Flair trifft die Serie den Nerv der Zeit und verdient den Grimme-Preis zu Recht.

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