Abschied von einem Jahrhundert-Schauspieler: Mario Adorf mit 95 Jahren verstorben
Die deutsche Filmwelt trauert um einen ihrer größten Künstler: Mario Adorf, der als einer der renommiertesten Schauspieler des Landes galt, ist am 8. April im Alter von 95 Jahren verstorben. Wie BILD exklusiv erfuhr, ging der Jahrhundert-Lebenskünstler friedlich von uns.
Ein Realist mit ansteckender Lebenslust
Adorf, der schon zu Lebzeiten schmunzelnd unsterblich wirkte, war bekannt für seine bodenständige Philosophie. „Ich war nie wirklich ehrgeizig. Man muss lernen, das Glück zu packen“, resümierte er einmal seine beeindruckende Karriere. Ihm fehlte der egoistische, kämpfende Ehrgeiz: „Meine Wurschtigkeit war stärker.“
Der Schauspieler glaubte fest an das Diesseits. Für ihn gab es keinen Himmel und kein Jenseits: „Ich bin dann einfach weg. Das Diesseits ist für mich das Einzige, was zählt.“ Diese Unfähigkeit zu glauben war vielleicht der Schlüssel zu seiner ansteckenden Lebenslust, die Generationen von Zuschauern begeisterte.
Vom Waisenhaus zur Schauspiellegende
Mario Adorfs Leben begann am 8. September 1930 in Zürich als uneheliches Kind des italienischen Arztes Matteo Menniti und der Röntgenassistentin Alice Adorf. Seinen Vater sah er nur einmal. Seine Mutter wurde nach der Geburt aus der Schweiz ausgewiesen und zog mit dem kleinen Mario in ihre alte Heimat Mayen in der Eifel.
Als er drei Jahre alt war, gab ihn seine Mutter in ein Waisenhaus, weil sie sich nicht mehr um ihn kümmern konnte. Erst als das Heim im Zweiten Weltkrieg geschlossen wurde, kehrte Adorf zu seiner Mutter zurück. Schon mit vier Jahren stand er zum ersten Mal auf der Bühne und durfte den siebten Zwerg bei Schneewittchen spielen.
Der künstlerische Durchbruch
Mit 25 Jahren erfüllte sich ein Lebenstraum: Ein fester Schauspiel-Vertrag bei den Münchner Kammerspielen brachte ihm 350 Mark im Monat. Der Durchbruch gelang ihm mit 27 Jahren im Krimi „Nachts, wenn der Teufel kam“.
Berüchtigt wurde Adorf 1963 als Karl-May-Bösewicht Santer, der Winnetous Schwester Nscho-tschi (gespielt von Marie Versini) erschoss. Legendär machte ihn die Rolle des Vaters Matzerath in der Verfilmung von Günter Grass' „Die Blechtrommel“ aus dem Jahr 1979, für die Regisseur Volker Schlöndorff einen Oscar erhielt.
Fernseherfolge und Privatleben
Die TV-Mehrteiler „Der große Bellheim“ (1992), „Der Schattenmann“ (1995) und „Die Affäre Semmeling“ (2002) katapultierten Adorf in die Königsklasse der deutschen Schauspieler. Geliebt wurde er auch als Italo-Wirt in „Rossini“ neben seinem Freund Götz George und als reicher Schickeria-Fabrikant in „Kir Royal“ (1986).
Privat war Adorf seit 1985 mit seiner Frau Monique Faye verheiratet. Davor war er mit der Schauspielerin Lis Verhoeven liiert, aus dieser Beziehung stammt Tochter Stella Adorf (62), die ebenfalls Schauspielerin wurde. Als Glücksbringer trug er verborgen um den Hals einen kleinen echten Goldbrocken.
Philosoph des lächelnden Lebens
Adorf, der Philosophie studiert hatte, liebte lateinische Weisheiten, seinen Lieblingssong „Goodbye, Johnny“ von Hans Albers, den FC Bayern München, sein Sonnen-Idyll St. Tropez und seine französische Lebensliebe Monique. Neben ihr hinterlässt er eine Tochter und einen Enkelsohn.
Der Schauspieler sah den Tod wie den Gang in eine tiefe Nacht: „Das Leben ist gelebt. Die Musik hat hier gespielt und sie wird hier aufhören.“ Als Philosoph seines lächelnden Lebens sagte er einmal: „Der bitterste Gedanke beim Wegsein ist, dass die Welt ohne einen weitergeht und dass am Samstag dein Verein FC Bayern wieder Fußball spielt.“
Mario Adorfs Filme sind seine Bibliothek, seine Bücher sein Vermächtnis. Sein Leben ist sein Denkmal – ein Jahrhundertkünstler, der uns mit seiner einzigartigen Präsenz und Lebensweisheit für immer in Erinnerung bleiben wird.



