Mario Adorf mit 95 Jahren verstorben: Ein Rückblick auf seine prägenden Filmrollen
Der deutsche Schauspieler Mario Adorf ist im Alter von 95 Jahren verstorben. In seiner langen Karriere verkörperte er mehr als 200 verschiedene Charaktere in Kino- und Fernsehfilmen sowie in Serienproduktionen. Von Kleinganoven über Wildwest-Schurken bis hin zu Patriarchen und Holocaust-Überlebenden zeigte Adorf eine beeindruckende Bandbreite seiner schauspielerischen Fähigkeiten.
Die wichtigsten Stationen einer außergewöhnlichen Karriere
Mario Adorf hinterlässt ein umfangreiches filmisches Erbe, das von Klassikern wie „Der Tod trägt schwarzes Leder“ (1974), „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ (1975), „Die Blechtrommel“ (1979), „Lola“ (1981) und „Der Schattenmann“ (1996) geprägt ist. Seine Rollenvielfalt machte ihn zu einer der prägendsten Figuren des deutschen Films.
Durchbruch mit kontroverser Rolle
Seinen Durchbruch erlebte Adorf 1957 mit Robert Siodmaks Drama „Nachts, wenn der Teufel kam“. Als 26-Jähriger spielte er Bruno Lüdke, einen Mann mit geistiger Behinderung, den die Nationalsozialisten für eine Mordserie an Frauen verantwortlich machen. Später bedauerte Adorf diese Rolle, nachdem bekannt wurde, dass Lüdke unschuldig war und von den Nazis instrumentalisiert worden war. „Ich habe einem Menschen, der wirklich gelebt hat, eine monströse Geschichte gegeben, die überhaupt nicht stimmt“, sagte er 2020 der „Zeit“.
Legendärer Schurke in Winnetou
In „Winnetou 1. Teil“ (1963) verkörperte Adorf den Bösewicht Santer, der Winnetous Schwester erschießt. Der Film wurde ein Riesenerfolg und prägte Generationen von Zuschauern. Adorf erinnerte sich in einem Interview: „Immer wieder treffe ich Leute, die sagen: 'Dass du die Nscho-tschi erschossen hast, das habe ich dir lange Jahre nicht verziehen.'“ Interessanterweise traf er seine Filmpartnerin Marie Versini während der Dreharbeiten nie persönlich.
Vergessenes Juwel: Deadlock
Zu den weniger bekannten, aber bedeutenden Werken gehört Roland Klicks „Deadlock“ (1970), ein deutscher Neo-Western, der als Vorläufer zu Quentin Tarantinos Filmen gilt. Adorf spielt Minen-Aufseher Charles Dump, der in einer verlassenen Minenkolonie um einen Koffer voller Geld kämpft. Der düstere Film zeigt Adorf in einer intensiven Verfolgungsjagd durch die Wüste und gilt als vergessenes Meisterwerk.
Actionreiche internationale Produktionen
Adorf bewies seine Vielseitigkeit auch in internationalen Produktionen wie dem italienischen Gangsterfilm „Der Mafia-Boss - Sie töten wie Schakale“ (1972). In einer spektakulären Szene klammert er sich an den Kühler eines Lieferwagens und boxt den Fahrer durch die Windschutzscheibe. Seine Sprachkenntnisse in Italienisch, Englisch und Französisch ermöglichten ihm diese internationalen Engagements.
Zusammenarbeit mit Billy Wilder
1978 holte Starregisseur Billy Wilder Adorf für eine Nebenrolle in „Fedora“ vor die Kamera. Das Melodram nimmt die Traumfabrik Hollywood aufs Korn. Adorf spielt den Manager eines Hotels auf einer griechischen Insel. Jahre zuvor hatte er ein Engagement bei Wilders Komödie „Eins, Zwei, Drei“ abgelehnt, was er später als jugendliche Arroganz bezeichnete.
Kultstatus mit Kir Royal
In Helmut Dietls Kultserie „Kir Royal“ (1986) verkörperte Adorf in nur einer Folge den rheinischen Kleberfabrikanten Heinrich Haffenloher. Sein Satz „Ich scheiß' dich sowas von zu mit meinem Geld, dass du keine ruhige Minute mehr hast“ wurde legendär. Die Episode zeigt Adorf als großspurigen, geltungssüchtigen Macho, der unbedingt in der Münchner Schickeria ankommen will.
Rückkehr in die Münchner Gesellschaft
1997 kehrte Adorf mit „Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“ in die Münchner Schickeria zurück. Als Promiwirt eines Edelitalieners agierte er neben einem Star-Ensemble mit Hannelore Hoger, Joachim Król, Götz George und Veronica Ferres. Seine Begeisterung für die schöne Schauspielerin Schneewittchen (Ferres) bringt ihn in Schwierigkeiten, als seine Krawatte einer Kerze zu nahe kommt.
Mario Adorfs filmisches Vermächtnis umfasst nicht nur Mainstream-Produktionen, sondern auch experimentelle und internationale Werke. Seine Fähigkeit, komplexe Charaktere mit Tiefe und Authentizität darzustellen, macht ihn zu einer unvergesslichen Figur der deutschen Filmgeschichte.



