Neue Gesichter für das politische Singspiel auf dem Nockherberg
Mit der neuen Bundesregierung nach der Bundestagswahl 2025 stehen auch im traditionellen Singspiel auf dem Münchner Nockherberg Veränderungen an. Die Paulaner-Brauerei als Veranstalterin hat nun die meisten Besetzungen für die kommende Aufführung bekannt gegeben, wobei eine Rolle noch im Geheimnis gehüllt bleibt. Die Autoren Stefan Betz und Richard Oehmann stehen vor der Herausforderung, mehrere neue politische Figuren in ihr satirisches Programm zu integrieren.
Rückkehrer und Neubesetzungen auf der Bühne
Ein markantes Comeback feiert Schauspieler Wowo Habdank, der bereits von 2014 bis 2018 den damaligen Grünen-Vorsitzenden Anton Hofreiter verkörperte. In dieser Saison kehrt er jedoch in der Rolle des CSU-Innenministers Alexander Dobrindt auf die Bühne zurück. „Ich musste schon eine Weile suchen, um da ein paar Eigenheiten zu finden“, gesteht Habdank. Im Vergleich zu Hofreiters ungehobelter Art beschreibt er Dobrindt als „sehr gehobelt“ mit einer speziellen Sprachbehandlung, die sogar humorvolle und elegante Züge aufweise.
Ebenfalls neu besetzt wird die Rolle der SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas, die von Nikola Norgauer übernommen wird. Norgauer, die in den vergangenen drei Jahren Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz darstellte, schätzt an Bas deren „direkte, ehrliche und kumpelhafte Art zu reden“. „Ihre Mimik ist sehr reduziert, dafür passiert in der Sprache viel“, analysiert die Schauspielerin, die Bas persönlich noch nicht kennengelernt hat, sich aber sehr wünscht, dass die Politikerin zur Aufführung kommt.
Geheimnisvolle Rolle und vertraute Gesichter
Besondere Spannung herrscht um die noch nicht offiziell benannte Rolle, die Schauspieler Thomas Limpinsel übernehmen wird. Fünf Jahre lang verkörperte er den Grünen-Politiker Robert Habeck, den er nach eigenen Angaben sehr vermisst. Über seine neue Figur darf er nicht sprechen, verrät aber, dass sie sich recht weit von Habeck entfernt bewegt. Auf die Frage, ob es sich um den SPD-Politiker Lars Klingbeil handeln könnte, antwortet er nur mit einem verschmitzten „Lars das!“ und einem Lachen.
Zu den vertrauten Gesichtern auf der Nockherberg-Bühne gehören weiterhin:
- Judith Toth als CSU-Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber
- Stefan Murr als Hubert Aiwanger
- Thomas Unger als bayerischer Ministerpräsident Markus Söder
- Sina Reiß als Grünen-Politikerin Katharina Schulze, die nach einer Pause im letzten Jahr ihr Comeback feiert
Reiß beobachtet bei Schulze leichte Veränderungen: „Katharina Schulze ist immer noch eine Frau, die ihre Ziele stark im Blick hat. Und dafür geht sie vielleicht auch mal einen Weg, den sie dafür gar nicht so vorgesehen hatte“.
Bundeskanzler Merz und abwesende Politiker
David Zimmerschied, der bereits Erfahrung mit der Darstellung von Friedrich Merz gesammelt hat, feiert in dieser Saison Premiere als amtierender Bundeskanzler. „Ich hab genug zu tun“, kommentiert Zimmerschied knapp seine erweiterte Rolle. Seiner Einschätzung nach hat sich Merz seit der Wahl zum Kanzler nicht wesentlich verändert: „Ich erlebe ihn immer noch so fahrig und schwammig wie vor der Macht“. Dennoch falle es ihm von Jahr zu Jahr leichter, den Politiker zu spielen, nicht zuletzt wegen einer gewissen Schrulligkeit, die er an Merz sympathisch findet.
Nicht mehr vertreten sein werden in dieser Saison neben Robert Habeck auch Christian Lindner (FDP) und Olaf Scholz (SPD). Überraschenderweise steht auch Dorothee Bär trotz ihrer neuen Funktion als Forschungsministerin nicht mehr auf der Bühne.
Die Schauspieler betonen die Einzigartigkeit der Situation, wenn sie den Politikern live auf der Bühne den Spiegel vorhalten, während diese im Publikum sitzen. Nikola Norgauer verspricht: „Das ist nicht nur für uns großartig, sondern auch für die Politiker“. Die Vorfreude auf die neuen Rollen und die Wiederbegegnung mit dem Nockherberg-Publikum ist bei allen Beteiligten deutlich spürbar.



