Brandenburger Stadttheater: OB Keip will Intendanz zügig klären - Austausch mit Anna Loos
Die Diskussion um die Zukunft des Brandenburger Stadttheaters hat durch die Äußerungen der Schauspielerin Anna Loos neuen Schwung erhalten. Der erst seit wenigen Tagen amtierende Oberbürgermeister Daniel Keip (SPD) hat nun klare Pläne: Die Intendanz des Theaters soll möglichst noch im ersten Halbjahr ausgeschrieben werden. „Das ist mein persönliches Ziel, weil ich auch da nicht denke, dass wir noch lange zuwarten sollen“, erklärte der 39-jährige SPD-Politiker gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.
Austausch mit Tochter der Stadt
Keip steht in intensivem Austausch mit Schauspielerin Anna Loos, die in Brandenburg an der Havel aufwuchs und sich bereits Ende des vergangenen Jahres für die Intendanz beworben hatte. „Es kann ja unserer Stadt gar nichts Besseres passieren, dass eben auch eine Tochter unserer Stadt sich darum kümmern und dafür einsetzen will“, betonte der Oberbürgermeister. Loos hatte zuvor erklärt, sie wolle Verantwortung für die Zukunft des Theaters übernehmen und es wieder zu einem kulturellen Leuchtturm der Stadt machen.
Profil des Theaters muss erst geklärt werden
Bevor die Intendanz ausgeschrieben werden kann, muss sich laut Keip jedoch der Aufsichtsrat des Theaters, der im April zusammentritt, auf eine künftige Ausrichtung des Hauses verständigen. „Wir müssen für unser Theater mehr Besucherinnen und Besucher finden und wir müssen die Brandenburgerinnen und Brandenburger wieder motivieren, in ihr Theater zu gehen“, so der Oberbürgermeister. Das Theater kämpft seit längerem mit geringen Ticketverkäufen und einem zu knappen Programm.
Finanzielle Herausforderungen und Wasserschaden
Der Aufbau eines festen Schauspiel-Ensembles, wie von Anna Loos angestrebt, hält Keip für nicht finanzierbar. „Aus einem reinen kommunalen, aus einem reinen Landeshaushalt werden wir es so nicht finanzieren können“, erklärte er. Stadt und Land könnten die Kosten auf Dauer nicht stemmen. Das ehemalige Dreispartenhaus verfügt derzeit nur noch über die Brandenburger Symphoniker als festes Ensemble.
Zusätzlich belastet ein großer Wasserschaden das Haus: Seit Dezember ist das Große Haus des Theaters geschlossen, die Reparaturkosten werden auf mindestens sechsstellige Summen geschätzt. Dem Theater stehen jährlich etwa zehn Millionen Euro aus verschiedenen Töpfen zur Verfügung, wobei das Land Brandenburg als wichtigster Geldgeber für 2026 eine Förderung von rund 5,5 Millionen Euro vorgesehen hat.
Kritik und offener Bewerbungsprozess
Die Pläne von Anna Loos hatten in der Stadt nicht nur Zustimmung, sondern auch heftige Kritik hervorgerufen. Keip betonte jedoch, dass der Bewerbungsprozess offen sein werde: „Wenn dann Anna Loos sich bewirbt, dann werden wir natürlich diese Bewerbung auch berücksichtigen, so wie alle anderen auch. Und dann werden wir schauen, wer passt am besten zu dem von uns ausgeschriebenen Profil.“
Der SPD-Politiker wurde am Wochenende feierlich in das Oberbürgermeisteramt der rund 75.000 Einwohner zählenden Stadt eingeführt. Er folgt auf Steffen Scheller von der CDU und steht nun vor der Herausforderung, das kulturelle Erbe der Stadt zu bewahren und gleichzeitig neue Wege für das Stadttheater zu finden.



