Traditionelles Frühlingsfest in Eisenach: Der Winter wird feierlich vertrieben
Bei feucht-kaltem Frühlingswetter haben in Eisenach tausende Menschen die kalte Jahreszeit symbolisch ausgetrieben. Das traditionelle Fest Sommergewinn lockte trotz Regenschauern etwa 15.000 Besucher an, die das bunte Spektakel verfolgten. Rund 1.200 aktive Teilnehmer gestalteten den farbenfrohen Festumzug durch die historische Stadt.
Monatelange Vorbereitungen für das Spektakel
Die Vorbereitungen für das große Ereignis begannen bereits Monate im Voraus. Freiwillige Helfer fertigten etwa 500.000 Blüten aus Krepppapier an, die den Umzug in ein frühlingshaftes Meer verwandelten. Insgesamt zogen 45 Laufgruppen, 33 prächtig geschmückte Festwagen und 10 Musikkapellen durch die Straßen Eisenachs.
Während des Umzugs gab es eine kurze Unterbrechung, weil eine Person aus dem Publikum medizinisch versorgt werden musste. Eine Sprecherin der Stadt bestätigte den Vorfall, konnte jedoch keine weiteren Details nennen. Im Vergleich zum Vorjahr, als etwa 20.000 Gäste kamen, war die Besucherzahl diesmal etwas geringer.
Altes Brauchtum mit symbolischer Bedeutung
Der Sommergewinn zählt zu den ältesten und größten Frühlingsfesten in ganz Deutschland und steht auf der deutschen Liste des immateriellen Kulturerbes. Seine Ursprünge reichen vermutlich bis ins 13. Jahrhundert zurück, während der organisierte Umzug seit 1897 stattfindet.
Zum festen Programm gehören neben dem Umzug das traditionelle Streitgespräch zwischen Frau Sunna und dem greisen Herrn Winter, bei dem die Sonnengöttin symbolisch über den Winter siegt. Anschließend wird der Winter in Form einer Strohpuppe feierlich verbrannt – ein Brauch, der den endgültigen Abschied von der kalten Jahreszeit markiert.
Abschied nach 25 Jahren als Herr Winter
In diesem Jahr war der Abschied besonders emotional: Roberto Fink trat nach genau 25 Jahren zum letzten Mal als langbärtiger Herr Winter auf. Der Darsteller des traditionellen „Bösewichts“ begründete seinen Rückzug mit den Worten: „Weil es jetzt am schönsten ist.“ Die Stadtverwaltung würdigte sein langjähriges Engagement für das Fest.
Die drei Symbole des Sommergewinns – Hahn, Ei und Brezel – haben tiefe symbolische Bedeutung. Der Hahn verkündet das Licht, das Ei steht für Fruchtbarkeit und die Brezel symbolisiert den immerwährenden Kreislauf der Jahreszeiten. Der traditionelle Ausruf „Gut Ei und Kikeriki!“ begleitet das Fest seit Generationen.
Das Frühlingsfest ist zeitlich fest auf drei Wochen vor Ostern terminiert und bildet damit einen wichtigen Fixpunkt im kulturellen Kalender der Region. Trotz des regnerischen Wetters bewiesen die zahlreichen Besucher, dass die Tradition des Winterverbrennens in Eisenach lebendig bleibt und weiterhin Menschen begeistert.



