Gedenken an Buchenwald-Befreiung: Kontroversen und persönliche Erinnerungen
Das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar wurde vor 81 Jahren befreit. Die diesjährige Gedenkveranstaltung stand im Vorfeld unter besonderer Spannung, verlief dann aber größtenteils still und würdevoll. Trotz angekündigter Proteste aus dem propalästinensischen Lager blieben größere Störungen aus. Hauptredner Hape Kerkeling berichtete in bewegenden Worten über das Schicksal seines in Buchenwald inhaftierten Großvaters.
Persönliche Geschichte und mahnende Worte
Der Entertainer Hape Kerkeling erzählte die Geschichte seines Großvaters Hermann, der 1942 nach der Verteilung von Flugblättern gegen Hitler in Buchenwald inhaftiert wurde. „Hier in Buchenwald wurde er gefoltert, gedemütigt und wurde Zeuge unzähliger Morde. Dass er diesen Wahnsinn überlebt hat, ist ein Wunder“, sagte Kerkeling. Sein Großvater sei ein Mann der Tat gewesen, der nicht wegsehen wollte, als die Dunkelheit über Deutschland hereinbrach.
Kerkeling mahnte eindringlich, die Erinnerungskultur aufrechtzuerhalten: „Immer lauter und dreister werden die Stimmen, die nach einem Ende der Erinnerungskultur rufen! Ein Schlussstrich unter die Erinnerung wäre der Schlussstrich unter unsere Demokratie.“ Artikel eins des Grundgesetzes sei eine in Stein gemeißelte Antwort auf Buchenwald.
Kritik am Kulturstaatsminister
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) stand im Mittelpunkt von Kontroversen. Zwei Buchenwald-Verbände hatten sich vor der Veranstaltung gegen seinen Auftritt ausgesprochen und ihm mangelndes Verständnis für KZ-Überlebende vorgeworfen. Während seiner Rede kam es zu Zwischenrufen und linken Parolen. Mehrere Teilnehmer sangen das Buchenwald-Lied, das 1938 von Häftlingen geschrieben wurde.
Die Präsidentin des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos (IKBD), Lena Sarah Carlebach, kritisierte Weimer direkt: „Wenn Buchhandlungen ohne weitere Erklärung diskreditiert werden, dann gerät etwas ins Wanken“, sagte sie unter starkem Applaus. Hintergrund ist die Absage des Deutschen Buchhandlungspreises, nachdem Weimer drei linke Läden von der Preisträgerliste hatte streichen lassen.
Weimer selbst wollte auf Nachfrage nicht weiter auf die Zwischenrufe eingehen: „Es war ein Tag der Würde, und es ist ein Tag der Erinnerung an die Befreiung“, sagte er.
Ausgebliebene Proteste und Gedenkstättenregeln
Linksradikale und propalästinensische Aktivisten der Gruppe „Kufiyas in Buchenwald“ hatten zum Jahrestag zu einem Protest vor der Gedenkstätte aufgerufen. Hintergrund war, dass vergangenes Jahr einer Frau mit Palästinensertuch (Kufiya) der Zutritt zur Gedenkfeier verwehrt wurde. Das Verwaltungsgericht Weimar untersagte jedoch die Kundgebung direkt an dem Gelände.
Stattdessen demonstrierten mehrere Aktivisten nach eigenen Angaben bereits am Samstag auf dem Gedenkstättengelände und verbreiteten ein Video davon. Ein Sprecher der Gedenkstättenstiftung sagte: „Sie haben genau das getan, weswegen ihnen untersagt wurde aufs Gelände zu kommen - nämlich Buchenwald mit Gaza verglichen.“
Bei der eigentlichen Gedenkfeier gab es keine Zwischenfälle. Lediglich am Bahnhof versammelten sich laut Polizei etwas über ein Dutzend Menschen aus dem propalästinensischen Lager. Außerdem gab es eine proisraelische Demonstration in der Stadt.
Die Rolle der Überlebenden
Seit mindestens Mitte der 1990er Jahre hatte immer ein Überlebender beim offiziellen Gedenken das Wort ergriffen. In diesem Jahr war das nicht möglich, da Einschränkungen des Flugverkehrs aus Israel die Anreise erschwerten. Dennoch spielten die Geschichten von Überlebenden eine zentrale Rolle.
Zwei ehemalige Insassen waren vor Ort, meldeten sich aber nicht zu Wort: der 98-jährige Alojzy Maciak aus Polen und der 99-jährige Andrej Moiseenko aus Belarus.
Historischer Hintergrund
Die Nazis hielten in Buchenwald zwischen 1937 und 1945 mehr als eine Viertelmillion Menschen gefangen. Etwa 56.000 von ihnen starben während der Haft an den katastrophalen Bedingungen im Lager oder wurden von der SS getötet. Am 11. April 1945 hatten US-Truppen das Lager erreicht.
Teile des Lagers wurden ab August 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht als Speziallager genutzt. Dort inhaftierte sie lokale Funktionsträger der NSDAP, aber auch Jugendliche, Denunzierte und teils willkürlich Festgenommene, die keinerlei Verantwortung für den Nationalsozialismus trugen.
Das Gedenken in Buchenwald bleibt somit nicht nur Erinnerung an die NS-Verbrechen, sondern auch Mahnung für die Gegenwart und Verpflichtung für die Zukunft.



