Wuthering Heights: Ein filmisches Meisterwerk zwischen Lust und Leid
Pünktlich zum Valentinstag kommt eine der tragischsten Liebesgeschichten der Literatur erneut auf die Leinwand. Die neue Verfilmung von Wuthering Heights unter der Regie von Emerald Fennell präsentiert sich als melodramatisches Kunstwerk, das mit seiner radikalen Interpretation und opulenten Inszenierung Maßstäbe setzen könnte.
Eine radikale Neuinterpretation
Emerald Fennell, bekannt für ihre provokativen Werke wie Promising Young Woman und Saltburn, wagt sich an Emily Brontës Klassiker von 1847. Ihre Version von Wuthering Heights entwickelt eine überzeugende These: Die Beziehung zwischen Cathy und Heathcliff basiert auf einer tief verwurzelten sadomasochistischen Veranlagung. Diese Idee zieht sich konsequent durch alle Figurenkonstellationen und verleiht der Geschichte eine zeitgemäße, emotionale Tiefe.
Margot Robbie verkörpert Cathy als komplexe Figur, die zwischen gesellschaftlichen Konventionen und verbotener Leidenschaft zerrissen ist. Jacob Elordi als Heathcliff zeigt den herkunftslosen Findling als unbeholfenen, doch intensiv leidenschaftlichen Mann. Ihre Chemie auf der Leinwand ist elektrisierend und schmerzhaft zugleich.
Visuelle Opulenz und emotionale Intensität
Die Inszenierung überzeugt auf allen Ebenen:
- Das Bühnenbild erinnert an Victor Flemings Farbenspektakel Vom Winde verweht von 1939
- Kostüme in intensiven Farben wie knallrotem Abendhimmel, grünen, pinken und roten Inneneinrichtungen
- Ein düster-melancholischer Original-Soundtrack von Charli XCX
- Opernhaft-theatralische Bilder, die zwischen Schönheit und Grausamkeit oszillieren
Jeder Blick, jeder Fleck, jeder Satz sitzt in dieser sorgfältig komponierten Welt. Selbst die Natur der Sturmhöhe erscheint gezähmt und gerahmt – ein bewusstes Stilmittel, das die Konstruiertheit dieser Liebe unterstreicht.
Sadomasochismus als durchgängiges Motiv
Fennell entwickelt das sadomasochistische Thema konsequent weiter:
- Die Beziehung zwischen Heathcliff und Isabella wird zur expliziten Kink-Beziehung
- Cathys Verhältnis zu ihrem alkoholkranken Vater ist von gegenseitiger Beschämung geprägt
- Sogar die Angestellten leben ihre Affäre mit SM-Elementen aus
- Korsette werden bis zum Atemstillstand geschnürt, Handinnenflächen blutig gestochen
Diese radikale Interpretation mag traditionelle Puristen schockieren, verleiht der Geschichte aber eine unerwartete Aktualität und psychologische Tiefe.
Ein Film, der Grenzen überschreitet
Ist Wuthering Heights nun ein gefühlvoller Porno im Stil von Fifty Shades of Grey? Selbstreflexiver Camp wie Barbie? Oder ein ernstzunehmendes Meisterwerk, das dem Melodram zu neuer Blüte verhelfen könnte, ähnlich wie La La Land dem Musicalfilm?
Die Antwort liegt in der unwiderstehlichen Intensität dieser Inszenierung. Wenn Cathy und Heathcliff beim Sex ihr „Ich liebe dich“ wie ein Mantra wiederholen, mag das zunächst übertrieben wirken. Doch genau dieses Zuviel erzeugt einen berauschenden Bann, der aus einer leeren Floskel eine beschwörende Formel macht.
Der Film läuft ab dem 12. Februar in den deutschen Kinos und verspricht nicht nur Literaturverfilmungs-Fans, sondern allen Kinoliebhabern ein intensives, emotional forderndes Erlebnis. In einer gefühlsarmen Gegenwart könnte diese opulente, leidenschaftliche Inszenierung tatsächlich eine Renaissance des Melodrams einläuten.



