Schwarze Romantik: 'Das Drama' mit Pattinson und Zendaya dekonstruiert Liebesideale
Schwarze Romantik: 'Das Drama' dekonstruiert Liebesideale

Schwarze Romantik: 'Das Drama' mit Pattinson und Zendaya dekonstruiert Liebesideale

Was genau ist eine schwarze, romantische Dramödie? Der norwegische Regisseur Kristoffer Borgli eröffnet mit seinem neuen Film „Das Drama“ ein faszinierendes Subgenre, das traditionelle Liebeskonzepte radikal hinterfragt. In den Hauptrollen glänzen Robert Pattinson als Museumskurator Charlie und Zendaya als Buchhändlerin Emma – ein Brautpaar, das sich wenige Tage vor der geplanten Hochzeit mit den Abgründen der Vergangenheit konfrontiert sieht.

Ein scheinbar harmloses Spiel mit verheerenden Folgen

Die Vorbereitungen für die Traumhochzeit laufen auf Hochtouren: Der Hochzeitstanz wird mit einer humorlosen Choreografin einstudiert, das Menü in kleiner Runde mit dem befreundeten Paar Rachel (Alana Haim) und Mike (Mamoudou Athie) verkostet. In dieser entspannten Atmosphäre schlägt Rachel ein scheinbar harmloses Spiel vor: Jeder soll die schlimmste Tat beichten, die er jemals begangen hat.

Mike erzählt von einem Urlaub, in dem er seine damalige Freundin als Schutzschild gegen einen bissigen Straßenköter vorgeschoben habe. Rachel gesteht, als Kind einen geistig behinderten Nachbarsjungen in einem Wohnwagen allein im Wald eingeschlossen zu haben. Doch das Geheimnis der Braut Emma stellt diese Jugendsünden vollkommen in den Schatten und bringt das gesamte Beziehungsgefüge ins Wanken.

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Das schockierende Geheimnis der Braut

Anders als in der raffinierten PR-Kampagne zum Film, die das Geheimnis mit kühnen Schnitten verschwieg und nur die Reaktionen der Freunde zeigte, wird die Enthüllung im Film bereits nach einer Viertelstunde gelüftet: Im Alter von fünfzehn Jahren hatte Emma ein schockierendes Verbrechen geplant und in letzter Sekunde nicht ausgeführt.

Rachel geht sofort auf Distanz zu ihrer langjährigen Freundin. Der Bräutigam Charlie reagiert zunächst moderat, lässt sich am Morgen danach die Hintergründe erläutern – bleibt jedoch zutiefst verunsichert. In ihm blitzen Angstfantasien ebenso auf wie die Sehnsucht nach psychologischen Erklärungsmustern für die fast begangene Tat. Vor allem aber verliert Emma mit diesem Makel aus der Vergangenheit im Denken und Fühlen ihres Partners den Status der perfekten Lebensgefährtin, die er zu heiraten gehofft hatte.

Zwei Stars befreien sich von ihren Image-Schubladen

Mit Zendaya und Robert Pattinson hat Regisseur Borgli zwei Stars gewonnen, die sich mit klugen Rollenentscheidungen aus den Schubladen ihres Mainstream-Images befreit haben. Zendaya, einst als Disney-Kinderstar bekannt, und Pattinson, der durch die Twilight-Reihe zum Vampir-Mädchenschwarm wurde, bringen ihre eigenen Erfahrungen mit Sein und Schein im Hollywood-Betrieb in die Rollen ein.

Vollkommen uneitel spielt Pattinson den verzweifelnden Bräutigam mit einer linkischen Unbeholfenheit, während Zendaya Stärke und Verletzlichkeit ihrer Figur gleichermaßen glaubwürdig verkörpert. Beide arbeiten mit offenem Visier und schaffen eine ambivalente Performance, die perfekt zu Borglis Konzept passt.

Eine genussvolle Destabilisierung romantischer Konzepte

„Das Drama“ analysiert ebenso mitreißend wie humorvoll die emotionalen und moralischen Erwartungen einer modernen Paarbeziehung. Der Film strebt gezielt nicht nach Perfektion, sondern lässt den sich überschlagenden Gefühlen seiner Figuren freien Lauf. Romantische Liebeskonzepte werden munter mit existenziellen Fragen beworfen, ohne dass der Film einfache Antworten bieten möchte.

Emma, die sich in ihrem Leben stets als Außenseiterin gefühlt hat und in einen Freundeskreis einheiratet, sieht durch die Enthüllung ihre gesamte Zukunft auf dem Spiel stehen. Dennoch treibt das Paar die zum Teil recht absurden Vorbereitungen für die Traumhochzeit weiter – und reitet sich immer tiefer ins emotionale Chaos hinein.

Mit 106 Minuten Laufzeit schafft Borgli eine intensive Charakterstudie, die traditionelle Genre-Grenzen zwischen Romantik, Drama und schwarzer Komödie geschickt verwischt. „Das Drama“ ist nicht nur ein Film über ein Brautpaar in der Krise, sondern eine grundsätzliche Reflexion darüber, was wir von unseren Partnern erwarten – und was passiert, wenn diese Erwartungen durch unerwartete Wahrheiten erschüttert werden.

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