Hollywood-Legende Kim Novak wehrt sich gegen Besetzung in Biopic
Die 93-jährige Schauspielerin Kim Novak, bekannt aus Alfred Hitchcocks Meisterwerk "Vertigo", hat sich vehement gegen die geplante Besetzung von Sydney Sweeney in einem Biopic über ihr Leben ausgesprochen. Das Filmprojekt mit dem Titel "Scandalous" soll die Beziehung zwischen Novak und dem Entertainer Sammy Davis Jr. in den späten 1950er und frühen 1960er Jahren behandeln.
"Sie wäre komplett die Falsche"
In einem Interview mit der britischen "Times" äußerte Novak deutliche Kritik an der Wahl der 26-jährigen Sydney Sweeney für die Hauptrolle. "Sie wäre komplett die Falsche, um mich darzustellen", erklärte die Hollywood-Ikone. Novak befürchtet, dass bei einer Besetzung mit Sweeney vor allem der sexuelle Aspekt ihrer Beziehung zu Davis im Vordergrund stehen würde.
"Wie sollte es nicht um Sex gehen? Sydney Sweeney sieht einfach immer sexy aus", so die ältere Schauspielerin. Dabei betonte Novak, dass es in ihrer Beziehung zu Davis um wesentlich mehr gegangen sei: "Wir hatten so viel gemein." Der gemeinsame Trotz habe sie verbunden, wie Davis selbst einmal erklärte.
Historische Komplexität der Beziehung
Die Beziehung zwischen der weißen Hollywood-Schauspielerin und dem schwarzen Entertainer fand in einer Zeit statt, als interrassische Beziehungen in den USA massiv tabuisiert waren. Nur vier Prozent der Bevölkerung hielten damals Ehen zwischen Schwarzen und Weißen für akzeptabel, in einigen Bundesstaaten waren solche Verbindungen sogar strafbar.
- Novak und Davis verbrachten seit Ende der 1950er Jahre regelmäßig Zeit miteinander
- Die Schauspielerin lud Davis sogar zu Weihnachten zu ihrer Familie nach Chicago ein
- Die Beziehung wurde nie öffentlich definiert, was auch am Rassismus der Zeit lag
- Die Presse beobachtete das Verhältnis argwöhnisch
- Studiobosse fürchteten um die Popularität ihrer Stars
Novaks Engagement gegen falsche Darstellungen
Kim Novak hat sich im Laufe ihrer Karriere immer wieder zu Wort gemeldet, wenn sie historische Ereignisse falsch dargestellt sah. Erst Anfang September präsentierte sie bei den Filmfestspielen von Venedig die Dokumentation "Kim Novak's Vertigo", in der sie ihre Sicht auf den Entstehungsprozess des Hitchcock-Klassikers darlegte. Bei dieser Gelegenheit wurde sie auch für ihr Lebenswerk geehrt.
Die Schauspielerin, die nach "Vertigo" noch in weiteren Produktionen mitwirkte und zeitweise selbst produzierte, um stärkere Frauenbilder zu fördern, zog sich Mitte der 1960er Jahre weitgehend aus dem Kinobetrieb zurück. Dennoch bleibt sie eine wichtige Zeitzeugin des klassischen US-Studiosystems.
Sweeneys umstrittene Vergangenheit
Ein weiterer Grund für Novaks Ablehnung könnte in Sweeneys jüngerer Vergangenheit liegen. Die jüngere Schauspielerin stand lange Zeit in der Kritik, weil sie sich nur sehr spät und zurückhaltend von einer als rassistisch interpretierbaren Werbekampagne des Hosenherstellers American Eagle distanzierte.
Die Kampagne mit dem Slogan "Sydney Sweeney has great Jeans" (was phonetisch an "genes" = Gene erinnerte) wurde von Trump-Anhängern vereinnahmt, die in der weißen, blonden Darstellerin eine Verbündete sahen. Novak scheint diese Distanzierung als "wirklich ein bisschen zu wenig" zu empfinden, wenn es darum geht, eine der prominentesten interrassischen Beziehungen der Hollywood-Geschichte darzustellen.
Produktion ohne Konsultation
Interessanterweise hat Sydney Sweeney, die das Projekt nicht nur spielen, sondern auch produzieren will, bislang offenbar nicht mit Kim Novak gesprochen. Dies könnte die ablehnende Haltung der älteren Schauspielerin zusätzlich verstärkt haben.
Das Biopic "Scandalous" verspricht, ein schwieriges Kapitel der amerikanischen Gesellschaftsgeschichte aufzuarbeiten - eine Aufgabe, die nach Ansicht der direkt Betroffenen mit der falschen Besetzung scheitern könnte.



