Man sieht ihn immer wieder. Neben der Straßenbahn, an Ampeln, vor Kitas oder einfach im Vorbeifahren: ein rotes Kostüm auf einer schweren Maschine. Er winkt, nickt, fährt weiter. Und hinterlässt Menschen, die ihm nachschauen – oft mit einem Grinsen im Gesicht. In Schwerin kennt man ihn längst als „El Moe“.
Hinter der Figur steckt ein Familienvater
Hinter der Figur steckt Sascha. 40 Jahre alt, Familienvater, Intensivpfleger in der Helios Klinik Leezen. Ein Mann, der täglich mit Ernst, Druck und Grenzsituationen zu tun hat – und der sich bewusst einen Ausgleich geschaffen hat, der kaum gegensätzlicher sein könnte. „Wenn man dann fährt und dir überall grinsende Gesichter entgegenkommen – das macht schon was mit einem“, sagt er.
Wie aus einer spontanen Idee „El Moe“ entstand
Die Idee entsteht im vergangenen Frühjahr. Saschas Tochter fährt auf dem Motorrad mit, bekommt einen bunten Überzug – als Spaß. Die Reaktionen lassen nicht lange auf sich warten. „Die Leute haben das total gefeiert. Lichthupe, Hupe, Daumen hoch.“ Sascha macht mit. Kauft sich selbst ein Kostüm, ohne große Erwartungen. Dass es ausgerechnet Elmo aus der Kinderfernsehserie Sesamstraße wird, ist Zufall. „Das war der günstigste Überzug“, sagt er lachend. Aus einer Spielerei wird innerhalb weniger Monate ein fester Bestandteil im Schweriner Straßenbild.
Wenn ein kurzer Stopp zum Erlebnis wird
Wenn „El Moe“ anhält, dauert es nicht lange, bis sich Menschen um ihn versammeln. In der Weststadt bleiben zwei Frauen stehen, lachen, zögern kurz und fragen dann doch nach einem Foto. Sascha hebt die Hand, formt ein Peace-Zeichen. Ein paar Worte, ein Klick, ein Moment, der bleibt, bevor er weiterfährt. Wenig später, ein paar Straßen weiter, erkennen ihn Kinder schon von Weitem. Sie laufen los, bleiben dicht vor ihm stehen, reden durcheinander, voller Aufregung. Jeder will erzählen, wo er ihn schon gesehen hat. „Du bist bei uns vorbeigefahren!“ – „Und gestern auch!“ – „Bei unserer Schule!“ Sascha lässt sie erzählen, nickt, antwortet ruhig. Er nimmt sich die Zeit, die sie sich nehmen. „Wenn die sich so freuen, dass sie es gar nicht halten können, das ist schon besonders.“
Vom Motorradfahrer zur Social-Media-Erfolgsgeschichte
Was als spontane Idee beginnt, wächst Stück für Stück weiter. Zu Ostern ist Sascha als Hase unterwegs, an Weihnachten als Weihnachtsmann. Er fährt zu Kitas, besucht Pflegeeinrichtungen, oft dicht getaktet, ein Termin folgt auf den nächsten. Viele Anfragen kommen über soziale Medien, einzelne Videos erreichen hunderttausende Aufrufe. Auch im Alltag seiner Tochter ist das ungewöhnliche Hobby längst angekommen. In der Schule wird sie auf ihren Vater angesprochen, erzählt selbst voller Stolz von ihm. „Da ist sie gleich ein Stück größer“, sagt Sascha.
Weitere Kostüme und Unterstützung der Familie
Mit der Zeit kommen neben Elmo auch weitere Kostüme dazu: Minions, Weihnachtsmann, Figuren aus „Tom & Jerry“. Ein Fundus, der wächst, ohne dass daraus ein festes Konzept wird. Sein Alltag bleibt dabei fordernd. Schichtdienst auf der Intensivstation, Familie, wenig planbare Zeit. Die Fahrten entstehen dazwischen. „Man muss das ausbalancieren“, sagt er. Im Hintergrund hält seine Frau vieles zusammen. Sie koordiniert Termine, behält den Überblick. „Ich habe es nicht so mit Zeiten. Meine Frau ist der wandelnde Kalender – und ich bin ihr sehr dankbar für diese Unterstützung. Und dass sie mir hilft, andere Kinder zum Strahlen zu bringen.“



