Biathlon-Olympiasieger Michael Rösch spricht offen über Depressionen und Suizidgedanken
Michael Rösch: Vom Olympiasieg in die Depression (25.02.2026)

Biathlon-Olympiasieger Michael Rösch spricht erstmals öffentlich über Depressionen

Der deutsche Biathlon-Olympiasieger Michael Rösch hat sich erstmals öffentlich zu seinen langjährigen Depressionen und Suizidgedanken geäußert. In einem eigens konzipierten Podcast mit dem Titel "Naksch - vom Olympiasieg in die Depression" spricht der ehemalige Spitzensportler offen über die Schattenseiten des Erfolgs und seine persönlichen Kämpfe.

Vom Triumph zur inneren Krise

Nach seinem Olympiasieg im Jahr 2006 galt Michael Rösch als eine der größten Hoffnungen des deutschen Biathlonsports. Doch die folgenden Jahre brachten sowohl sportliche als auch private Rückschläge, die schließlich zu schweren Depressionen führten. "Ich dachte, Gewinnen wäre das Schwerste. Heute weiß ich: Stark zu bleiben, wenn innerlich alles zerbricht, ist die größte Herausforderung", schrieb Rösch auf seinem Instagram-Kanal.

Der Sportler beschreibt eine tiefe Diskrepanz zwischen öffentlichem Erfolg und privatem Leid: "Der Olympiasieg war öffentlich. Der schwerste Kampf fand im Stillen statt. Mental war ich zeitweise tot." Nach seinem Triumph folgten sportliche Enttäuschungen, der Verlust seines Weltcup-Platzes 2010 und der Wechsel zur belgischen Nationalmannschaft, wo Verletzungen und Krankheiten weitere Erfolge verhinderten.

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Sechs Jahre Schweigen und der Weg zur Hilfe

Rösch gesteht, dass er psychische Probleme lange als Schwäche und persönliches Versagen betrachtete. "Wer Hilfe sucht, galt als nicht belastbar", erklärte er der Deutschen Presse-Agentur. Erst sechs Jahre nach den ersten Suizidgedanken suchte er 2019, nach seinem Karriereende, erstmals eine Notfallambulanz auf und begann therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Der nach außen hin gesund wirkende Athlet war "innerlich gebrochen" und durchlebte eine "lebensbedrohliche Situation". Heute betont Rösch: "Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Mut. Depression ist keine Schwäche. Es ist eine Krankheit."

Podcast als Plattform der Aufklärung

Mit seinem Podcast möchte der ehemalige Olympiasieger anderen Betroffenen Mut machen und auf die Existenz psychischer Probleme im Leistungssport aufmerksam machen. "Dieser Schritt hat mich viel Überwindung gekostet – aber ich möchte zeigen, dass niemand mit seinen Kämpfen allein ist", so Rösch.

In Gesprächen mit seinem Freund Christian Akber-Sade thematisiert er nicht nur seine eigene Geschichte, sondern auch die Tabuisierung mentaler Gesundheit im Sport. Rösch hofft, durch seine Offenheit einen Beitrag zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen zu leisten und Betroffene zu ermutigen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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