Wilma-Pflegedienst: Neuanfang nach Insolvenz mit internationalen Auszubildenden
Der Neubrandenburger Pflegedienst Wilma hat im vergangenen September Insolvenz anmelden müssen. In einem exklusiven Interview mit dem Nordkurier spricht Geschäftsführerin Lisa Cziborra nun über die Hintergründe, den aktuellen Stand und die Zukunftsperspektiven des Unternehmens.
Juristische Aufarbeitung der Vergangenheit
"Wir haben Unregelmäßigkeiten in der Vergangenheit gefunden, die wir derzeit im Rahmen des Sanierungsverfahrens aufarbeiten", erklärt Cziborra. Es gebe laufende juristische Verfahren, an denen mehrere Parteien beteiligt seien. Die genauen Umstände könnten erst nach Abschluss dieser Verfahren vollständig geklärt werden.
Die Geschäftsführerin betont, dass sich das Unternehmen trotz der laufenden Ermittlungen auf die Zukunft konzentriere. "Anwälte, Steuerberater, der Insolvenzverwalter mit seinem Team und auch die Staatsanwaltschaft schauen auf bestimmte Entwicklungen und Vorgänge in der Vergangenheit", so Cziborra, während der laufende Geschäftsbetrieb möglichst wenig beeinflusst werden solle.
Vertrauen durch Transparenz
Erstaunlicherweise habe das Unternehmen während der Krise weder von Klienten noch von Mitarbeitern eine Kündigung erhalten. "Ich kenne alle 160 Mitarbeiter persönlich, auch die mehr als 40 vietnamesischen und indischen Auszubildenden, die wir haben", betont Cziborra, die seit 2017 im Unternehmen tätig ist.
Um Ängste in der Belegschaft abzubauen, wurde ein unternehmensinterner Kummerkasten eingerichtet. "Nur mit Ehrlichkeit und Transparenz erreicht man, dass diese Ängste abgebaut werden", erklärt die Geschäftsführerin. Die Mitarbeiter würden regelmäßig über den aktuellen Stand informiert und könnten Fragen stellen.
Optimistische Zukunftsaussichten
Cziborra zeigt sich zuversichtlich, dass das Unternehmen bis zum 31. August die Insolvenz überwinden kann. "Derzeit wird der Insolvenzplan vorbereitet. Und nicht nur der Insolvenzverwalter und seine Kollegen, auch die Betriebswirte und wir als Geschäftsführung schauen auf die Zahlen zum laufenden Geschäft. Da ist alles schwarz, und zwar solide schwarz", so ihre Einschätzung.
Die Probleme seien nicht im operativen Geschäft entstanden, sondern durch zusätzliche Zahlungsforderungen, die auf das Unternehmen zugekommen seien.
Expansion in der Palliativversorgung
Ein wichtiger Zukunftsbereich für Wilma ist die allgemeine ambulante Palliativversorgung (AAPV), mit der das Unternehmen im Januar begonnen hat. "Wir begleiten in diesem Bereich Patienten beim Sterbeprozess. Das passiert ambulant, also zum Beispiel in der Häuslichkeit oder in ambulanten Wohnformen", erklärt Cziborra.
Durch einen bundesland-einheitlichen Vertrag mit den Kostenträgern könne man nun endlich kalkulieren, welche Kosten entstehen und wie sie refinanziert werden können.
Internationale Fachkräftegewinnung
In einer Branche, die für Fachkräftemangel bekannt ist, setzt Wilma gezielt auf internationale Auszubildende. "Ohne ausländischen Zuzug ist das Personalproblem in der Pflege nicht zu lösen", betont Cziborra. Das Unternehmen arbeite seit Jahren mit Agenturen in Vietnam und Indien zusammen, um Nachwuchskräfte zu gewinnen.
Das Ausbildungskonzept umfasst ein reines Ausbildungsteam mit einer Koordinatorin an der Spitze und Praxisanleitern. "Es hat sich vielleicht herumgesprochen, dass jeder, der hier die Ausbildung durchläuft, gut gerüstet ist für die Arbeit in der Pflege", so die Geschäftsführerin.
Netzwerk statt Alleingang
Anders als ihr Vorgänger, der sehr prominent als Vertreter der Pflegebranche auftrat, setzt Cziborra auf Kooperation. "Ich bin ein absoluter Netzwerkfreund, und wir können nur davon profitieren, wenn wir alle miteinander kommunizieren", erklärt sie. Das Unternehmen wolle sich weiterhin für Pflegethemen einsetzen, aber dies müsse nicht unbedingt prominent geschehen.
Für die kommenden Monate gilt die volle Konzentration dem Unternehmen Wilma und dem Weg aus der Insolvenz. Mit einem soliden Geschäftsbetrieb, innovativen Versorgungskonzepten und internationalen Fachkräften sieht die Geschäftsführung optimistisch in die Zukunft.



