Pflegeheimbetreiber in finanzieller Schieflage: Mehrere Bundesländer betroffen
Der Pflegeheimbetreiber Ambiente Care steht offenbar vor erheblichen finanziellen Herausforderungen, die zu Betriebsstörungen in mehreren seiner Einrichtungen in Deutschland geführt haben. Besonders dramatisch waren die Auswirkungen in einem Pflegeheim in Laatzen bei Hannover, wo die Heimaufsicht am Mittwoch kurzfristig den Betrieb untersagte und die Bewohner verlegen ließ.
Betriebsuntersagung in Laatzen führt zu Verlegungen
In Laatzen hatte die Regionsverwaltung die Schließung des Pflegeheims verfügt, nachdem am Mittwochmorgen lediglich drei Pflegekräfte sowie einige Reinigungs- und Küchenmitarbeiter zum Frühdienst erschienen waren. Laut offiziellen Angaben bestand die konkrete Gefahr, dass ab 16.00 Uhr überhaupt kein Personal mehr im Haus sein würde. Die Heimbewohner wurden daraufhin im Laufe des Tages auf insgesamt 18 verschiedene Pflegeeinrichtungen verteilt. Für ihre weitere Unterbringung sind sie nun wieder selbst verantwortlich.
Ambiente Care gab an, dass 59 Bewohnerinnen und Bewohner verlegt wurden, ein Prozess, der bis 21.30 Uhr dauerte. Das Unternehmen kritisierte, dass ihm die Möglichkeit verwehrt worden sei, alle verfügbaren Optionen zur Vermeidung dieser Verlegungen auszuschöpfen. Bereits in der Vorwoche hatte die Heimaufsicht Hinweise erhalten, wonach das Februargehalt bisher nicht ausgezahlt worden sei und Lieferfirmen sich weigerten, Verbrauchsmaterialien zu liefern. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits zwölf Bewohner vorsorglich verlegt worden.
Probleme auch in Nordrhein-Westfalen
Im nordrhein-westfälischen Unna bei Dortmund ist die Situation ebenfalls angespannt. Die Heimaufsicht teilte mit, dass die Pflege am Ambiente-Standort bis Dienstagvormittag gesichert sei, da sich genug Mitarbeiter gefunden hätten, die zur Arbeit kämen. Allerdings hätten Angestellte bisher nur einen Teil ihres Februargehaltes erhalten. In den vergangenen Tagen habe sich die Lage weiter zugespitzt, wie eine Sprecherin des Kreises schilderte. Angehörigen wird geraten, sich Alternativen zu suchen. Ein Teil der 42 Bewohner ist bereits ausgezogen, über die Osterfeiertage sollen weitere folgen.
Am Standort in Velbert läuft der Betrieb derzeit noch. Die Heimaufsicht habe noch nicht eingreifen müssen, sagte ein Sprecher des zuständigen Kreises Mettmann. In Gröbenzell bei München wurde der einzige bayerische Standort des Unternehmens zum Mittwoch geschlossen. Das Landratsamt Fürstenfeldbruck teilte mit, dass der Träger die Einrichtung zum 01.04.2026 schließen wollte und die letzte Bewohnerin bereits ausgezogen sei.
Unternehmen dementiert Insolvenzgerüchte
Das Münchener Unternehmen Ambiente Care dementierte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur ausdrücklich Gerüchte über eine Insolvenz. Die Arbeitsverhältnisse der Angestellten seien nicht gekündigt worden. Auch beim zuständigen Gericht in München ergab eine Suche nach einem Insolvenzantrag zunächst keinen Treffer. Unabhängig von der Situation in Laatzen stehe das Unternehmen im Austausch mit den Heimaufsichten seiner weiteren Häuser, um die Versorgung sicherzustellen.
Keine Probleme in Sachsen und Brandenburg
In anderen Bundesländern scheint die Lage stabiler zu sein. Die Seniorenresidenz von Ambiente Care in Neuenhagen in Brandenburg ist nach Angaben der Leiterin nicht von einer Schließung betroffen. „Neuenhagen bleibt eine Pflegeeinrichtung“, betonte Einrichtungsleiterin Birgit Heinze. „Wir versuchen, unsere Pflegeeinrichtung aufrechtzuerhalten.“ In Sachsen sei der Heimaufsicht ebenfalls nichts über geplante Schließungen oder Probleme der beiden Einrichtungen in Dresden bekannt.
Die finanzielle Schieflage des Pflegeheimbetreibers wirft Fragen nach der Stabilität der Pflegeversorgung in mehreren Regionen Deutschlands auf und zeigt die prekäre Situation, in der sich viele Pflegeeinrichtungen befinden können.



