Digitale Gesundheitsanwendungen: Hohe Abbruchquote bei Apps auf Rezept
Digitale Gesundheitsanwendungen, kurz DiGAs oder umgangssprachlich "Apps auf Rezept", können bei psychischen Erkrankungen verschrieben werden und Betroffenen bei der Minderung ihrer Symptome unterstützen. Ein grundlegendes und weit verbreitetes Problem ist jedoch, dass viele Patientinnen und Patienten diese Programme nicht konsequent nutzen und frühzeitig abbrechen.
Abbruch bedeutet nicht Therapieunwilligkeit
"Viele Nutzer brechen die Programme vorzeitig ab", bestätigt Enno Maaß, psychologischer Psychotherapeut und Vorsitzender der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung. Wichtig sei dabei zu verstehen, dass dies kein Zeichen von Therapieunwilligkeit oder mangelnder Fähigkeit sei. Nicht jeder Patient komme mit jedem digitalen Programm gleichermaßen zurecht, was verschiedene individuelle Gründe haben könne.
Solange die grundsätzliche Motivation für eine Therapie erhalten bleibe und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten bestehe, sei es sogar in Ordnung, eine DiGA zeitweise zu pausieren. "Bloß nicht daraus ableiten, dass man nicht therapiewillig oder fähig wäre", betont Maaß nachdrücklich. Der Experte empfiehlt an solchen Punkten innezuhalten und zu reflektieren, warum die Anwendung persönlich nicht weiterhilft.
Professionelle Begleitung und soziale Unterstützung
Der psychologische Psychotherapeut Lasse Sander rät grundsätzlich dazu, DiGAs in ärztlicher oder therapeutischer Begleitung zu nutzen. Wer Schwierigkeiten habe, sich dauerhaft zu motivieren, könne sich mit Freunden, Sozialarbeitern oder Personen aus dem eigenen Umfeld austauschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Dadurch entstehe eine Art soziale Kontrolle, die motiviere und beim Dranbleiben unterstütze.
Sander, der am Institut für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg forscht, betont zudem, dass DiGAs wissenschaftlich fundiert seien und auch bei hoher Krankheitslast einen spürbaren Nutzen bringen könnten. Psychisch belastete Personen könnten sie gezielt einsetzen, um Symptome zu reduzieren und ihre Situation aktiv zu verbessern.
Wann professionelle Hilfe notwendig wird
In manchen Fällen bestehe bereits eine stärkere Behandlungsbedürftigkeit, die über den Rahmen einer digitalen Gesundheitsanwendung hinausgehe. Dann sollte unbedingt professionelle Unterstützung hinzugezogen werden. Die Experten weisen darauf hin, dass DiGAs eine Ergänzung, aber kein Ersatz für notwendige persönliche Therapien sein können.
Die digitale Transformation im Gesundheitswesen schreitet voran, doch die menschliche Komponente bleibt unverzichtbar. Die richtige Balance zwischen technologischen Hilfsmitteln und persönlicher Betreuung ist entscheidend für den Therapieerfolg bei psychischen Erkrankungen.



