Kostenlose Lungenkrebs-Früherkennung startet bundesweit
Lungenkrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland, wird jedoch oft erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert. Ein neues Screening-Programm soll diese gefährliche Lücke schließen. Ab April 2026 haben starke Raucherinnen und Raucher erstmals Anspruch auf eine jährliche, kostenlose Früherkennungsuntersuchung mittels Niedrigdosis-Computertomographie (CT). Diese wegweisende Leistung der gesetzlichen Krankenkassen basiert auf einem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) und einer entsprechenden Verordnung des Bundesumweltministeriums.
Pilotprojekte in Berlin und Brandenburg bereits gestartet
Während die flächendeckende Umsetzung bundesweit noch etwas Zeit benötigen wird, laufen in der Hauptstadtregion bereits erste Pilotprojekte. An der Berliner Charité können Interessierte seit Mitte März Termine für die Lungenkrebs-Früherkennung buchen. „Innerhalb einer Woche haben wir bereits die ersten 30 Teilnehmer untersucht“, berichtet Charité-Radiologe Jens Vogel-Claussen. Über eine spezielle Webseite können potenzielle Kandidaten prüfen, ob sie für die Untersuchung infrage kommen, und direkt Termine vereinbaren.
Am Berliner Lungenkrebszentrum im Helios Klinikum Emil von Behring startet das Screening im April, wie die Sprecherin der Berliner Krankenhausgesellschaft (BKG) mitteilte. Weitere Kliniken, darunter Vivantes, planen das Angebot an mindestens drei Standorten sowie innerhalb ihrer Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) umzusetzen. Die erforderlichen Genehmigungen werden derzeit bearbeitet, um einen zeitnahen Start zu ermöglichen.
Arztpraxen benötigen noch Vorbereitungszeit
In den niedergelassenen Arztpraxen wird das Screening laut Kassenärztlicher Vereinigung Berlin nicht pünktlich zum 1. April verfügbar sein. Hausärzte können Patienten jedoch an radiologische Praxen überweisen. „Auch wenn der Start bundesweit etwas mehr Zeit benötigt, sind wir in Berlin gut vorbereitet“, erklärt Sprecherin Kathrin Weiß. „Wir werden gemeinsam mit den Radiologinnen und Radiologen alles daransetzen, das Angebot so bald wie möglich umzusetzen.“
In Brandenburg zeigen ebenfalls mehrere Praxen Interesse an der neuen Leistung, wie die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg mitteilt. Eine genaue Anzahl kann derzeit noch nicht genannt werden. Sobald administrative und qualitätssichernde Prüfprozesse abgeschlossen sind, soll das Angebot schrittweise aufgebaut werden. Sandra Blumenthal-Beier, Co-Vorsitzende des Hausärzteverbands Berlin und Brandenburg, betont, dass Schulungsangebote für Hausärzte im Berliner Raum erst seit wenigen Wochen verfügbar sind, sich aber bereits mehrere Qualifizierungsmöglichkeiten etabliert haben.
Zielgruppe: Starke Raucher zwischen 50 und 75 Jahren
Das neue Früherkennungsprogramm richtet sich speziell an aktive und ehemalige Raucherinnen und Raucher im Alter von 50 bis 75 Jahren. Es umfasst ausschließlich Zigarettenkonsum, nicht jedoch andere Tabakprodukte. Die Teilnahmevoraussetzungen sind klar definiert: Betroffene müssen mindestens 25 Jahre ohne längere Unterbrechung geraucht haben und mindestens 15 Packungsjahre vorweisen können. Packungsjahre berechnen sich durch Multiplikation der täglich gerauchten Zigarettenpackungen mit der Anzahl der Raucherjahre.
Diese gezielte Ansprache einer Hochrisikogruppe soll dazu beitragen, Lungenkrebs möglichst früh zu erkennen und damit die Überlebenschancen deutlich zu verbessern. Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) erkranken jährlich rund 56.500 Menschen in Deutschland an Lungenkrebs. Bei Männern ist Lungenkrebs mit etwa 28.000 Todesfällen pro Jahr die häufigste Krebs-Todesursache, bei Frauen mit 17.000 Verstorbenen die zweithäufigste. Das neue Screening-Programm könnte daher einen entscheidenden Beitrag zur Reduzierung dieser tragischen Zahlen leisten.



