Terminfrust in Arztpraxen: Patienten warten immer länger auf Facharzttermine
Es ist ein alltägliches Drama in deutschen Arztpraxen: Der Versuch, einen zeitnahen Termin zu erhalten, endet für viele Patienten in Frust und Empörung. Das Prozedere wiederholt sich täglich hunderttausendfach und erfordert eine enorme Portion Geduld und Leidensfähigkeit. Mittlerweile ist die Situation so angespannt, dass potenzielle Patienten telefonisch oft gar nicht mehr durchkommen – Personalmangel und Überbelastung lassen das Telefon einfach durchklingeln. In vielen Fällen bleibt nur der persönliche Gang zur Praxis, um am Tresen um einen Termin zu bitten oder zu feilschen, sofern die gesundheitliche Verfassung dies überhaupt zulässt.
Wartezeiten haben sich seit 2019 deutlich verlängert
Das im Jahr 2019 beschlossene Terminservice- und Versorgungsverbesserungsgesetz (TSVG) sollte gesetzlich Versicherten eigentlich schneller zu Arztterminen verhelfen. Das Ziel lautete damals, dass sie „genauso schnell Arzttermine bekommen wie Privatversicherte“. Doch die Realität sieht anders aus: Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken hat sich die durchschnittliche Wartezeit auf Facharzttermine für gesetzlich Versicherte sogar verlängert. Mussten Patienten im Jahr 2019 noch durchschnittlich 33 Tage warten, ist diese Zahl im Jahr 2024 auf 42 Tage hochgeschnellt.
Die damals eingeführten Maßnahmen – wie die Erhöhung der Mindestsprechstundenzeiten für Kassenärzte von 20 auf 25 Stunden pro Woche, erhöhte Vergütungen und der Ausbau der Rufnummer 116117 zu einer rund um die Uhr erreichbaren Terminservicestelle – haben das Problem nicht gelöst. Termine gab es nicht schneller, und Privatversicherte werden bei der Terminvergabe weiterhin bevorzugt, wie die Linke in einem aktuellen Antrag kritisiert.
Linke fordert radikale Änderungen: Einheitliche Gebührenordnung und Vier-Wochen-Frist
In einem Antrag, der am Freitag im Bundestag beraten wird, drängt die Linke auf umfassende Reformen. Sie fordert die Bundesregierung auf, einen Gesetzentwurf vorzulegen, der unter anderem regelt, dass bei der Terminvergabe der Versicherungsstatus (gesetzlich oder privat versichert) grundsätzlich nicht mehr abgefragt werden darf. Verstöße gegen diese Regelung müssten konsequent sanktioniert werden.
Weitere zentrale Forderungen der Linken sind:
- Einführung einer einheitlichen Gebührenordnung für die Behandlung von privat und gesetzlich Versicherten, sobald dies möglich ist. Dadurch sollen Anreize für die bevorzugte Terminvergabe an Privatversicherte und die unterschiedliche Versorgungsqualität minimiert werden.
- Terminvergabe innerhalb von vier Wochen oder kürzer bei medizinischer Notwendigkeit, wenn Kassenärzte eine Überweisung zur fachärztlichen Weiterbehandlung ausstellen. Diese Verpflichtung soll durch die Kassenärztliche Vereinigung initiiert werden.
- Verpflichtung für Kassenärzte, ihre freien Termine für gesetzlich Versicherte tagesaktuell auf einer nicht kommerziellen Plattform einzustellen, die beispielsweise vom Bundesministerium für Gesundheit eingerichtet wird.
Diese Regelungen sollen engmaschig überprüft werden, um ihre Wirksamkeit sicherzustellen. Die Linke betont, dass nur durch solche strukturellen Änderungen der anhaltende Terminfrust in deutschen Arztpraxen nachhaltig gemindert werden kann.



