Mit dem Taxi zum Arzt: Warum der 23. März für Patienten in MV entscheidend wird
Rostock • Für zahlreiche Menschen in Mecklenburg-Vorpommern, die auf Krankentransporte angewiesen sind, könnte der 1. April 2026 zu einem kritischen Datum werden. Viele Taxiunternehmen des Landes, die für sogenannte unqualifizierte Krankentransporte zuständig sind, planen dann, ihre Fahrten einzustellen. Der Grund: ein seit Langem schwelender Vergütungskonflikt zwischen dem Landesverband des Taxi- und Mietwagengewerbes MV (LVTM) und den Krankenkassen.
Verhandlungen am 23. und 24. März als letzte Chance
Nach monatelanger Funkstille haben sich die Vertreter des Taxiverbands sowie der Kranken- und Ersatzkassen am 12. März zu erneuten Sondierungsgesprächen getroffen. Laut dem Verband Deutscher Ersatzkassen (vdek) gab es dabei eine „Annäherung“. Beide Seiten zeigen sich zuversichtlich, dass in den angekündigten Verhandlungen am 23. und 24. März eine Einigung erzielt werden kann. Bis nach diesen Gesprächen wollen die Beteiligten keine weiteren Auskünfte an die Presse geben.
Die aktuelle Situation ist für viele Patientinnen und Patienten in Mecklenburg-Vorpommern besorgniserregend. Unklare Vergütungsstrukturen gefährden die zuverlässige Versorgung mit Krankentransporten. Es stellt sich die Frage, ob diese Fahrten für die Taxiunternehmen nur ein zusätzliches Einkommen oder ein grundlegender Bestandteil ihres Geschäftsmodells darstellen.
DAK geht Sonderweg mit Einzelverträgen
Während die meisten Krankenkassen an landesweiten Kollektivverträgen festhalten, hat die DAK-Gesundheit einen eigenen Weg eingeschlagen. Die Kasse ist bereits vor zwei Jahren aus den kollektiven Vereinbarungen ausgestiegen und setzt seither auf direkte Einzelverträge mit Transportunternehmen. In Rostock führten gescheiterte Vergütungsverhandlungen zwischen der DAK und einzelnen Betrieben Anfang des Jahres dazu, dass acht Transportunternehmen die Zusammenarbeit medienwirksam aufkündigten.
DAK-Sprecher Stefan Poetig betont jedoch, dass die Versorgung sichergestellt sei: „Unsere Versicherten werden weiterhin von ihrem Wohnort zu ihren Behandlungsorten gefahren und wieder zurück.“ Laut DAK bestehen aktuell rund 350 ungekündigte Einzelverträge direkt mit Taxi- und Mietwagenunternehmen in Mecklenburg-Vorpommern, die eine flächendeckende Krankenbeförderung gewährleisten sollen.
Kritik an Einzelverträgen und wirtschaftlichen Druck
Der Vorsitzende des LVTM, Guido Sembach, warnt hingegen vor den Risiken von Einzelverträgen. Er befürchtet, dass dabei Preise unterhalb der Wirtschaftlichkeitsgrenze verhandelt werden könnten, da einzelne Betriebe in Verhandlungen weniger Gewicht haben als ein gesamter Verband.
Colin Schwebke von Taxi Rostock konkretisiert die Kritik: „Die DAK versucht, Unternehmen zu Fahrten unterhalb der Kostendeckung zu bewegen.“ Er verweist auf genehmigte regionale Taxi-Tarife, die sich an Mindestaufwendungen orientieren. „2,50 Euro auf den laufenden Kilometer sind die absolute Untergrenze, aktuell sind es 1,55 Euro, die die DAK zahlen will.“
Dabei stellen Krankenfahrten für viele Taxiunternehmen oft die verlässlichste Einnahmequelle dar. Ronald Millich, Inhaber einer Ambulanz, die sowohl qualifizierte als auch unqualifizierte Transporte anbietet, erklärt die wirtschaftliche Lage: „Man kann das nicht mehr kalkulieren bei den unqualifizierten Transporten. Die Steigerungen tragen die Krankenkassen nicht mit, dabei explodieren die Kosten an allen Ecken und Enden.“
Hohe Spritpreise und fehlende Subventionen
Die steigenden Spritpreise setzen Taxiunternehmen und Krankentransporte zusätzlich unter Druck. Für manche Betriebe ist es aktuell günstiger, einfach gar nicht zu fahren. Colin Schwebke rechnet vor: „Nehmen wir einen schlechten Krankenkassenvertrag aus dem Westen mit 2,25 Euro und rechnen die Differenz zu dem, was wir bekommen haben (1,75 Euro/1,55 Euro), dann komme ich bei unseren Unternehmen auf eine Differenz von 300.000 Euro im Jahr 2025.“ Und jetzt seien auch noch einmal die Spritkosten gestiegen.
Ein weiteres Problem: Taxiunternehmen erhalten im Gegensatz zu Teilen des öffentlichen Personennahverkehrs keine Subventionen. Zudem gibt es offenbar immer noch ein Ost-West-Gefälle in der Vergütung für Krankentransporte.
Die kommenden Verhandlungstage am 23. und 24. März werden daher entscheidend sein, ob die Krankentransporte in Mecklenburg-Vorpommern auch nach dem 1. April 2026 zuverlässig gewährleistet bleiben können. Für viele betroffene Patienten hängt viel davon ab, dass eine faire und wirtschaftlich tragfähige Lösung gefunden wird.



