Salus-Chef gesteht gravierende Fehler im Umgang mit Magdeburger Todesfahrer
Im parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Landtags in Magdeburg zum Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt hat Salus-Aufsichtsratschef Wolfgang Beck eingeräumt, dass im Gesundheitsunternehmen mehrere schwerwiegende Fehler im Umgang mit dem späteren Todesfahrer unterlaufen sind. Beck betonte, dass diese Versäumnisse bereits während des Einstellungsprozesses begannen und sich durch mangelnde Überprüfungen fortsetzten.
Lücken in der Personalakte und fachliche Zweifel
Die Personalakte des Arztes wies erhebliche Unvollständigkeiten auf, wie in vorherigen Sitzungen des Ausschusses deutlich wurde. Kollegen äußerten zudem wiederholt Zweifel an seinen fachlichen Qualifikationen, was dazu führte, dass er für bestimmte Aufgaben nicht eingesetzt wurde. Beck räumte ein, dass aufgrund dieser Bedenken eine frühere und vertiefte Prüfung notwendig gewesen wäre.
Warnungen blieben unbeachtet
Ein besorgniserregender Vorfall ereignete sich wenige Monate vor dem Anschlag, als ein Kollege per E-Mail Vorgesetzte auf die verstörende Verfassung des Arztes hinwies. In einem Dienstgespräch hatte der Mann geäußert, sich in einem wirklichen Krieg zu befinden, dessen Ausgang nur sterben oder umbringen sein könne. Beck gestand, dass Führungskräfte künftig sensibler auf solche Äußerungen reagieren müssen.
Problematisches Verhalten in sozialen Medien
Zeugenaussagen offenbarten, dass der Arzt, Taleb al-Abdulmohsen, in saudi-arabischen Kreisen durch aggressive Social-Media-Posts und eine feindselige Art auffiel. Er kritisierte den Islam und Muslime scharf, was zu Konflikten führte. Ein Mitarbeiter einer Menschenrechtsorganisation beschrieb ihn als angriffslustig, was dazu führte, dass viele ihn mieden. Trotz seiner Hilfsangebote für Frauen, die Saudi-Arabien verlassen wollten, waren seine Beziehungen oft von Launenhaftigkeit geprägt.
Hintergrund des Anschlags und laufende Ermittlungen
Am 20. Dezember 2024 fuhr al-Abdulmohsen mit einem Mietwagen über den Magdeburger Weihnachtsmarkt, wobei sechs Menschen starben und über 300 schwer verletzt wurden. Derzeit läuft am Landgericht Magdeburg der Prozess gegen den Saudi-Araber, der als Psychiater im Maßregelvollzug in Bernburg für Salus arbeitete. Der Untersuchungsausschuss hat bisher etwa 140 Zeugen befragt und wird in den kommenden Wochen die letzten Anhörungen durchführen, bevor ein Abschlussbericht erstellt wird.
Fokus auf Sicherheitslücken und Zuständigkeiten
Unter der Leitung von Karin Tschernich-Weiske (CDU) untersucht der Ausschuss nicht nur das Arbeitsumfeld des Täters, sondern auch das Sicherheitskonzept für den Weihnachtsmarkt, die Arbeit der Polizei sowie ungeklärte Zuständigkeiten zwischen Stadt und Sicherheitsbehörden. Kritisch hinterfragt wird, warum vorhandene Warnungen und Hinweise folgenlos blieben. Der Täter nutzte einen breiten Gehweg zwischen einer Fußgängerampel und einer Betonblocksperre für seine Tat, was auf strukturelle Mängel hindeutet.



