Niedersächsin kämpft um Anerkennung nach Corona-Impfung: ME/CFS als Impfschaden?
Der Alltag von Elisabeth Schneider aus Hameln ist seit einer Corona-Impfung ein ständiger Kraftakt. Die 37-Jährige leidet an schweren Erschöpfungssymptomen, die sie auf die Impfung zurückführt – doch die Anerkennung als Impfschaden wurde bisher verweigert. Ihr Kampf um Würdigung ihres Leidens spiegelt eine komplexe Debatte um Impfnebenwirkungen wider.
Von Aktivität zu extremer Erschöpfung: Ein Leben im Umbruch
Früher war Elisabeth Schneiders Leben geprägt von Arbeit, Freunden und Sport. Heute muss sie jeden Schritt sorgfältig planen, da selbst ein Arzttermin oder ein längeres Gespräch sie für Tage zurückwerfen kann. „Mein Leben besteht im Moment vor allem daraus, meine Kräfte einzuteilen“, erklärt die Niedersächsin. Nach der zweiten Dosis des Moderna-Impfstoffs im Sommer 2021 entwickelten sich bei ihr anhaltende Beschwerden, darunter extreme Erschöpfung, Konzentrationsstörungen und Belastungsintoleranz.
In medizinischen Befunden wird eine deutliche Verschlechterung ihres Zustands nach der Impfung dokumentiert. Eine Spezialsprechstunde des Universitätsklinikums Gießen und Marburg beschreibt unerwünschte Nebenwirkungen im Kontext der Covid-19-Impfung. Bei Schneider wurde die Multisystemerkrankung ME/CFS diagnostiziert, eine schwere, chronische Erkrankung, die zu massiver Erschöpfung nach geringen Belastungen führen kann.
Der Kampf um Anerkennung: Nur wenige Anträge werden bewilligt
Elisabeth Schneider beantragte die Anerkennung eines Impfschadens beim Niedersächsischen Landesamt für Soziales, doch ihr Antrag wurde abgelehnt. Derzeit befindet sie sich im Klageverfahren. Laut Behördenangaben wurden seit Beginn der Impfkampagne bis Ende 2025 nur etwa zehn Prozent der Anträge auf Entschädigung für Corona-Impfschäden bewilligt. Die geltend gemachten Gesundheitsschädigungen sind sehr individuell, was eine statistische Auswertung erschwert.
Schneider engagierte sich politisch und erreichte Gespräche mit der niedersächsischen Landesregierung nach einem Brief an den ehemaligen Ministerpräsidenten Stephan Weil. Inzwischen wurden zwei Spezialambulanzen für Betroffene eingerichtet, doch wirksame Therapien fehlen weiterhin. „Ich wünsche mir, dass das Thema ernst genommen wird und Betroffene nicht allein gelassen werden“, betont sie.
ME/CFS: Eine unterschätzte Erkrankung mit weitreichenden Folgen
ME/CFS ist eine neuroimmunologische Multisystemerkrankung, die nach Virusinfektionen wie Covid-19 auftreten kann. Bereits vor der Pandemie litten schätzungsweise 300.000 Menschen in Deutschland daran, viele sind dauerhaft arbeitsunfähig oder bettlägerig. Schneider verbringt einen großen Teil des Tages im Liegen und ist im Alltag auf Hilfe angewiesen. „Ich war früher sehr aktiv. Jetzt kann ich oft nicht einmal länger aufrecht sitzen“, berichtet sie.
International zeigen Gerichtsentscheidungen unterschiedliche Bewertungen: In Österreich wurde Ende 2025 erstmals ein chronisches Fatigue-Syndrom als Folge einer Corona-Impfung anerkannt. Für Schneider geht es jedoch nicht primär um Geld, sondern um Anerkennung. „Ich möchte einfach wieder ein Stück normales Leben zurückbekommen“, sagt sie. Trotz ihrer Erfahrungen betont sie, dass Impfungen grundsätzlich sinnvoll sind, fordert aber eine bessere Überwachung von Nebenwirkungen und individuelle Risiko-Nutzen-Analysen.
Ihr Alltag bleibt ein täglicher Kraftakt, während sie auf Gerechtigkeit und medizinische Unterstützung hofft.



