66 Vorschläge zur Rettung des Gesundheitssystems: Experten bewerten den Heilplan
Berlin – Mit großer Spannung blicken 75 Millionen gesetzlich Versicherte auf die anstehende Spar-Reform im deutschen Gesundheitswesen. Ein Expertengremium hat 66 konkrete Vorschläge vorgelegt, um die Krankenkassen vor dem finanziellen Kollaps zu bewahren. Denn ohne tiefgreifende Eingriffe drohen kräftige Beitragserhöhungen für alle Versicherten. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) steht nun unter erheblichem Druck, aus diesen Ideen ein wirksames Sparpaket zu schnüren.
Experten sehen Potenzial für Verbesserungen
Intensivmediziner Professor Christian Karagiannidis von der Universität Witten äußert sich vorsichtig optimistisch: „Ich erwarte nicht, dass sich die Versorgung der Versicherten mit diesen Vorschlägen verschlechtern würde.“ Im Gegenteil – bestimmte Maßnahmen könnten die medizinische Versorgung sogar verbessern. „Verpflichtende Zweitmeinungen vor Operationen würden überflüssige Eingriffe verhindern und damit sowohl Patienten schützen als auch Kosten sparen“, so Karagiannidis.
Ökonomen loben ausgewogenen Ansatz
Gesundheitsökonom Professor Günter Neubauer vom IfG-Institut fordert die schnelle Umsetzung eines zentralen Vorschlags: „Die Übernahme der Krankenkassen-Beiträge von Grundsicherungsempfängern durch den Staat könnte auf einen Schlag einen Großteil des Milliarden-Defizits decken.“ Sein Kollege Professor Andreas Beivers von der Fresenius Hochschule bewertet die Vorschläge als strukturell ausgewogen: „45 Prozent des Sparvolumens betreffen die Einnahmenseite, weitere 45 Prozent die Ausgabenseite. Nur 10 Prozent der Maßnahmen würden direkt die Versicherten betreffen, beispielsweise durch moderate Erhöhungen bei Zuzahlungen für Medikamente.“
Warnungen vor unfairen Belastungen
DAK-Chef Andreas Storm mahnt zur Vorsicht: „Die Kosten und Belastungen der geplanten Reform müssen fair auf alle Bereiche des Gesundheitssystems verteilt werden.“ Er plädiert für eine „Konzertierte Aktion Gesundheit“, bei der alle Beteiligten gemeinsam nach Lösungen suchen. Deutliche Kritik kommt hingegen von Vertretern der Ärzteschaft und Patientenschützern.
Ärzte und Patientenschützer schlagen Alarm
Kassenärzte-Chef Professor Andreas Gassen warnt vor drastischen Konsequenzen, sollte die Regierung vor allem bei den Ärzten sparen wollen: „Ärzte werden dann weniger Termine anbieten, die Wartezeiten werden länger. Einige Kollegen könnten sogar komplett auf Privatpatienten umstellen.“ Eugen Brysch von der Stiftung Patientenschutz bezeichnet die Vorschläge als „verstaubt“ und wenig innovativ. Zudem prophezeit er politischen Zündstoff: „Vorprogrammiert ist schon jetzt der Streit in der schwarz-roten Koalition. Bei den zwölf Milliarden Euro für die Gesundheitskosten der Bürgergeldbezieher wird sich Bundestagspräsidentin Bärbel Bas sicher querstellen.“
Die Diskussion um die 66 Spar-Vorschläge zeigt deutlich: Während Gesundheitsökonomen in den Plänen eine Chance für die Stabilisierung des Systems sehen, fürchten Praktiker vor Ort konkrete Verschlechterungen für Patienten und Ärzte. Gesundheitsministerin Warken muss nun einen schwierigen Spagat zwischen finanzieller Konsolidierung und erhaltener Versorgungsqualität meistern.



