Der würzige Frühlingsbote ist zurück: Bärlauch-Saison in vollem Gange
Die goldene Zeit für Sammler hat begonnen. In den Wäldern duftet es intensiv nach Knoblauch – ein sicheres Zeichen, dass der Bärlauch wieder sprießt. Dieser aromatische Frühlingsbote lockt Jahr für Jahr begeisterte Sammler in die Natur, doch gute Standorte werden oft wie Geheimnisse gehütet.
Eine Expertin mit Leidenschaft für Wildpflanzen
Katja Burmeister, Kräuterexpertin aus dem kleinen Dorf Runow zwischen Crivitz und Goldberg, ist eine wahre Bärlauch-Enthusiastin. „Ich bin wahnsinnig viel draußen“, erzählt sie, „und kenne etliche Wälder in meiner Region, aber leider keine Stelle, wo Bärlauch wächst.“ Trotzdem lässt sie sich die gesunden Blätter nicht entgehen und deckt sich stattdessen im Bioladen oder auf Regionalmärkten ein.
Die gesunde Kraft des Bärlauchs
Bärlauch ist weit mehr als nur ein würziges Wildgemüse. „Er ist ein richtiger Durchputzer“, schwärmt Burmeister. „Bärlauch gehört für mich einfach neben Brennnessel, Löwenzahn und Birkenblättern zur Frühjahrskur dazu.“ Die Pflanze bietet zahlreiche gesundheitliche Vorteile:
- Hoher Vitamin-C-Gehalt
- Wertvolle Schwefelverbindungen
- Anregung von Galle und Leber
- Blutdrucksenkende Wirkung
- Antibakterielle Eigenschaften
- Mögliche Senkung des Cholesterinspiegels
Das Geheimrezept: Bärlauch-Pesto
Katja Burmeister verrät ihr geliebtes Pesto-Rezept, das sich einfach zubereiten lässt und zwei Wochen im Kühlschrank hält:
- 125 Milliliter Olivenöl
- 125 Gramm Bärlauch
- 30 Gramm geriebener Parmesan
- Salz und Pfeffer nach Geschmack
- 50 Gramm angeröstete Pinienkerne (alternativ Sonnenblumenkerne)
„Alles in den Mixer geben und dann rauf damit auf Nudeln oder Brot. Lecker!“, schwärmt die Expertin. Ein angenehmer Nebeneffekt: Im Vergleich zu Knoblauch hinterlässt Bärlauch oft weniger Mundgeruch.
Wichtige Tipps für Sammler
Wer selbst auf Bärlauch-Jagd gehen möchte, sollte einige wichtige Regeln beachten. Die beste Erntezeit sind März und April, bevor die Pflanze blüht. Dann sind die Blätter am zartesten und aromatischsten. „Bärlauch lässt sich übrigens auch einfrieren“, verrät Burmeister einen praktischen Tipp.
Besondere Vorsicht ist bei der Bestimmung geboten, denn Bärlauchblätter können leicht mit giftigen Pflanzen verwechselt werden:
- Maiglöckchen
- Herbstzeitlose
- Gefleckter Aronstab
„Gut erkennen lässt sich Bärlauch am Geruch“, erklärt die Expertin. „Reibt man mit den Fingern am Blatt, riecht es nach Knoblauch. Allerdings sollte man sich auch die Blätter genauer anschauen, die einzeln aus dem Boden wachsen und unten einen dünnen Stiel haben.“
Rechtliche Rahmenbedingungen
Das Sammeln von Bärlauch unterliegt klaren Regeln. Erlaubt ist nur die Entnahme kleiner Mengen für den persönlichen Bedarf – vergleichbar mit einem „Handsträußchen“. In Naturschutzgebieten ist das Sammeln komplett verboten. Auch sollte man stets etwa zwei Drittel der Pflanze stehen lassen, damit sie genügend Nährstoffe für das nächste Jahr sammeln kann.
In einigen Regionen, wie etwa in Leipziger Parks und Wäldern, kommt es regelmäßig zu illegalen Massenernten, bei denen kiloweise Bärlauch gestohlen wird. Die Polizei kontrolliert solche Gebiete intensiv – zu Fuß, mit dem Fahrrad und sogar zu Pferd.
Eine regionale Besonderheit
Als Hochburg der Bärlauch-Liebhaber in Mecklenburg-Vorpommern gilt die historische Stadt Putbus auf der Insel Rügen. Dort finden jährlich die Putbusser Bärlauchtage statt – ein Fest für alle Fans des würzigen Wildgemüses.
Alternativen zum Bärlauch
Für alle, die sich nicht an Bärlauch herantrauen, hat Katja Burmeister einen weiteren Frühlings-Tipp: Löwenzahn. „Ich knuspere zehn bis zwanzig Stängel davon am Tag“, erzählt sie. „Manchmal mit Blüten, meistens nur die Stängel. Löwenzahn enthält Bitterstoffe pur – das ist das Beste für die Verdauung, für Leber und Galle.“
Kräuterwissen live erleben
Appetit auf mehr Kräuterwissen? Katja Burmeister lädt am 10. April um 17.30 Uhr zum Kräuterkurs „Die grüne Frühjahrskur“ in die Naturschutzstation Schwerin ein. Auf ihrem Holunderhof in Runow bei Crivitz bietet sie regelmäßig spannende Kräuterseminare an, und in Barnin und Warsow starten im Mai und Juni ihre beliebten Kräuterwanderungen.



