Doppeldiagnose bei Kindern: Bei Diabetes Typ 1 auch auf Zöliakie achten
Die Diagnose Typ-1-Diabetes beim Kind stellt Familien vor große Herausforderungen. Der Umgang mit Blutzuckermessgerät und Insulin wird zum neuen Alltag. Doch damit ist es möglicherweise nicht getan: Menschen mit Typ-1-Diabetes haben ein deutlich erhöhtes Risiko, zusätzlich an Zöliakie zu erkranken. Diese Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise gesunde Zellen angreift, tritt bei Diabetes-Patienten drei- bis sechsmal häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung.
Was ist Zöliakie und warum ist die Kombination mit Diabetes problematisch?
Bei Zöliakie reagiert das Immunsystem auf das Klebereiweiß Gluten, das in Getreidesorten wie Weizen, Roggen oder Dinkel enthalten ist. Der Körper bildet Antikörper, die die Schleimhaut des Dünndarms schädigen. Diese Schädigung kann besonders für Menschen mit Diabetes gefährlich werden, erklärt Prof. Andreas Neu, Kinderdiabetologe am Universitätsklinikum Tübingen. Durch die angegriffene Darmschleimhaut kann der Körper Kohlenhydrate und andere Nährstoffe schlechter aufnehmen, was Unterzuckerungen und Mangelerscheinungen begünstigt.
Zwei wichtige Tipps für Eltern von Kindern mit Diabetes
Eltern fragen sich oft, wie sie eine mögliche Zöliakie bei ihrem Kind erkennen können. Hier sind zwei entscheidende Schritte:
- Aktiv in der Arztpraxis nachfragen: Leitlinien sehen vor, Kinder und Jugendliche mit neu diagnostiziertem Typ-1-Diabetes auf Zöliakie zu untersuchen. In der Praxis wird dies jedoch noch nicht überall umgesetzt. Eltern sollten daher das Thema gezielt ansprechen, wenn es nicht ohnehin zur Sprache kommt. Die Diagnose erfolgt meist durch eine Blutuntersuchung, manchmal ergänzt durch eine Gewebeentnahme aus dem Dünndarm.
- Anzeichen kennen und ernst nehmen: Die Symptome einer Zöliakie bei Typ-1-Diabetikern sind oft unspezifisch oder mild. Typische Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall treten nicht immer auf. Eltern sollten aufmerksam werden, wenn das Kind ständig müde ist, die Leistungen einbrechen oder das Gewicht sich unerklärlich verändert. Diese Anzeichen sollten unbedingt medizinisch abgeklärt werden.
Wie geht es nach der Zöliakie-Diagnose weiter?
Steht die Diagnose Zöliakie fest, ist eine konsequente glutenfreie Ernährung lebenslang notwendig. Diese Ernährungsumstellung erfordert besondere Aufmerksamkeit bei Menschen mit Diabetes. Glutenfreie Produkte können sich anders auf den Blutzucker auswirken, warnt Prof. Andreas Neu. Betroffene müssen ihre Kohlenhydratberechnung und Insulindosis entsprechend anpassen, wenn Brot, Kekse und andere Lebensmittel durch glutenfreie Alternativen ersetzt werden.
Die Organisation DiabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe betont, dass Typ-1-Diabetes häufig mit anderen Autoimmunerkrankungen einhergeht. Eine frühzeitige Erkennung von Zöliakie kann helfen, Komplikationen zu vermeiden und die Lebensqualität der betroffenen Kinder deutlich zu verbessern. Eltern sollten daher wachsam bleiben und bei Verdacht nicht zögern, ärztlichen Rat einzuholen.



