Apotheker in Niedersachsen gehen für höhere Vergütungen auf die Straße
In Hannover und anderen Teilen Niedersachsens bleiben an diesem Montag zahlreiche Apotheken geschlossen. Grund dafür ist ein bundesweiter Aktionstag, bei dem Apothekerinnen und Apotheker für eine dringend benötigte Erhöhung ihrer Honorare demonstrieren. Auf dem Opernplatz in Hannover versammeln sich Fachkräfte aus dem gesamten Bundesland, um auf ihre prekäre wirtschaftliche Situation aufmerksam zu machen.
Stagnierende Honorare bei explodierenden Kosten
Die zentrale Forderung der Demonstranten betrifft das seit mehr als einem Jahrzehnt unveränderte Apothekenhonorar. Mathias Grau, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Landesapothekerverbands, betont: „Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag die Erhöhung des Apothekenhonorars versprochen.“ Laut Verbandsangaben wurde die Vergütung zuletzt im Jahr 2013 angepasst, während die Betriebskosten im gleichen Zeitraum um beeindruckende 65 Prozent gestiegen sind.
Dramatischer Rückgang der Apothekenzahl
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten haben bereits deutliche Spuren hinterlassen. Der Apothekenkammer Niedersachsen zufolge mussten seit 2009 insgesamt 474 Apotheken im Bundesland schließen. Dies entspricht einem Rückgang von fast 23 Prozent. Zum Stichtag 30. September 2025 existierten nur noch 1.639 öffentliche Apotheken in Niedersachsen – der niedrigste Stand seit 45 Jahren.
Attraktivitätsverlust für Nachwuchs
Die schwierige wirtschaftliche Lage wirkt sich auch auf die Berufsperspektiven aus:
- Die Übernahme bestehender Apotheken wird zunehmend unattraktiv
- Neugründungen sind für junge Apothekerinnen und Apotheker kaum noch rentabel
- Viele Regionen drohen, ihre lokale Apothekenversorgung zu verlieren
Krankenkassen fordern differenzierte Lösung
Der GKV Spitzenverband der Kranken- und Pflegekassen unterstützt grundsätzlich eine Vergütungsreform, schlägt jedoch einen anderen Ansatz vor. Anstelle pauschaler Erhöhungen plädieren die Kassen für eine differenzierte Vergütung:
- Absatzstarke Apotheken in Großstadtlagen sollen geringere Fixbeträge erhalten
- Apotheken in ländlichen Regionen mit geringerem Umsatz benötigen höhere Vergütungen
- Eine bessere Verteilung der Mittel soll die flächendeckende Versorgung sichern
Die aktuelle Demonstration unterstreicht die Dringlichkeit einer Lösung. Während die Apotheker auf die Einhaltung politischer Versprechen drängen, entwickelt sich die Diskussion um eine nachhaltige Finanzierung des Apothekensystems zu einer zentralen gesundheitspolitischen Herausforderung für Niedersachsen und ganz Deutschland.



