Apotheken-Streiktag in der Uckermark: Notversorgung läuft, aber Kunden müssen umdenken
Apotheken-Streik in Uckermark: Notdienst aktiv, Kunden betroffen

Apotheken-Streiktag in der Uckermark: Am Montag musste das Fieber warten

Laura Thimm steht mit ihrem Baby vor der verschlossenen Adler-Apotheke in Templin. Kurz danach öffnete sich die Klappe für den Notdienst – ein Symbolbild für den bundesweiten Streiktag der Apotheken, der auch die Uckermark erfasste. Mütter mit ihren kranken Kindern trafen vor geschlossenen Apotheken aufeinander und mussten umdisponieren, zeigten dabei aber erstaunlich viel Verständnis für die Protestaktion.

Verärgerung und Gelassenheit vor verschlossenen Türen

„Das können die doch nicht ausgerechnet heute machen!“ Ein Vater steht am Montagvormittag vor der Delphin-Apotheke am Templiner Marktplatz und ist sichtlich verärgert. Seine Frau, die mit den beiden Kindern neben ihm steht, bleibt deutlich entspannter. „Wir wollten ein Fieberthermometer kaufen und vielleicht auch Fieberzäpfchen für den Kleinen“, erklärt sie. Da sie als Urlauber in der Region sind, planten sie ohnehin einen Ausflug – nun vielleicht nach Fürstenberg oder Angermünde, wo Apotheken als Notdienst ausgewiesen waren.

Absperrbänder am Schaufenster der Delphin-Apotheke in Templin markierten den Streiktag. Auch in Prenzlau standen viele Kunden vor verschlossenen Türen. In den Schaufenstern hingen rot-weiße Absperrbänder und Protestplakate, mit denen sich die Apotheken der bundesweiten Aktion der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände anschlossen. In Berlin und anderen Städten fanden zentrale Kundgebungen und Demonstrationen statt.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Kritik an jahrelanger Sparpolitik und unfairem Wettbewerb

Die Templiner Sonnenapotheke erklärte ihren Kunden in einer Schaufensterbotschaft die Gründe für den Streik: „Die jahrelange Sparpolitik der vergangenen Bundesregierungen, das seit 13 Jahren eingefrorene Honorar bei ständig steigenden Betriebskosten hat zu einer immensen finanziellen Schieflage der Apotheken geführt.“ Die Folge sei ein kontinuierlicher Rückgang der Apothekenzahl, da viele aus finanziellen Gründen schließen müssten.

Zusätzlich würden die Apotheken vor Ort durch Online-Konkurrenz bedroht, die unter ungleichen Wettbewerbsbedingungen agiere. „Wir kämpfen für eine gerechtere Entlohnung, welche unseren Beruf auch für Nachwuchskräfte wieder attraktiv macht, um die wohnortnahe Patientenversorgung zu sichern“, heißt es in der Erklärung weiter.

Notversorgung durch die Hintertür

Für diese Forderungen gab es an diesem Vormittag in Templin erstaunlich viel Verständnis. An der Adler-Apotheke am Marktplatz trafen zwei Mütter mit ihren Kindern ein, die gerade von der Kinderärztin kamen. Von ihr hatten sie den Hinweis erhalten, dass hier eine Notversorgung gewährleistet sei. Und tatsächlich: Eine Klappe neben der Tür ging auf, und eine Apothekerin fragte nach ihren Wünschen.

Zuerst war Laura Thimm aus Petersdorf an der Reihe, die Kortison für ihr Baby abholen wollte, das sie am Bauch vor sich trug. Bei dem Kind bestand der Verdacht auf Bronchitis. Das Medikament gab es zwar nicht sofort, ließ sich aber für den nächsten Tag bestellen. „Es ist gut, dass die Apotheken für ihre Forderungen einstehen“, kommentierte Thimm die Situation gelassen.

Die andere Mutter, Sophie Wokan aus Ahrensdorf, bekam aus der Klappe den Hustensaft für ihr Kind gereicht. „In den Dörfern gibt es ja keine Apotheken mehr“, sagte sie nachdenklich. Besonders für ältere Menschen stelle dies ein ernsthaftes Problem dar. Die Urlauberfamilie war zwischenzeitlich auch hier, hatte sich aber bereits auf den Weg gemacht. Ihr Fieberthermometer würden sie woanders besorgen müssen – und dafür eine beträchtliche Strecke fahren.

Der Apotheken-Streiktag in der Uckermark zeigte deutlich die Spannung zwischen notwendigem Protest und unmittelbaren Versorgungsbedürfnissen. Während die Notdienste grundlegende Hilfe leisteten, mussten viele Patienten umplanen und längere Wege in Kauf nehmen. Das Verständnis für die Anliegen der Apotheker war dennoch spürbar – ein Zeichen dafür, wie sehr die Bevölkerung die Bedeutung der lokalen Apothekenversorgung schätzt.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration