Heilkräuter aus der Lüneburger Heide: Waldkräuterey bewahrt altes Wissen für Naturarzneien
Heilkräuter aus der Lüneburger Heide: Naturarzneien aus der Waldkräuterey

Altes Kräuterwissen in der Lüneburger Heide: Von der Natur zur Apotheke

Inmitten der malerischen Landschaft der Lüneburger Heide, versteckt in einer Holzhütte am Lopausee bei Amelinghausen, wird traditionelles Pflanzenwissen lebendig gehalten. Die Waldkräuterey unter der Leitung von Marion Putensen bietet intensive Seminare, in denen Teilnehmer lernen, wie man aus regionalen Heilkräutern wirksame Arzneien und schonende Naturkosmetik herstellt. „Das ist fantastisch, alles allergiefrei, ohne künstliche Duftstoffe und umweltschonend“, betont Putensen, die als zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin ihr umfangreiches Wissen weitergibt.

Vom Weihnachtsbaum zur pflegenden Salbe: Kreative Verwertung natürlicher Ressourcen

Ein besonderes Highlight der Kurse ist die innovative Nutzung von Tannenmaterialien. Putensen hat einen kompletten Weihnachtsbaum zerlegt und verwertet Nadeln, Rinde und Harz für verschiedene Anwendungen. „Tanne eignet sich hervorragend für alle Hautprobleme, sie wirkt antientzündlich und extrem pflegend“, erklärt die Expertin. Daraus entstehen Produkte wie ein Lippenpflegestift mit zerstoßenen Tannennadeln und Olivenöl – nicht nur wirksam, sondern auch preiswert.

Praktische Workshops: Vom Immunbooster bis zum natürlichen Deodorant

In den zweitägigen Seminaren, die unter dem Motto „Wiesenapotheke mit Salbenküche“ stehen, werden verschiedene Naturprodukte hergestellt. Die Teilnehmer mixen unter Anleitung einen Immunsystembooster aus Hagebutte, Vogelbeeren und Apfelessig, kreieren Erkältungsbalsam mit Eukalyptus und Salbei sowie Schmerzsalbe mit Cajeput und Weihrauchharz. Weitere Projekte umfassen eine Handwaschpaste mit Rosskastanie und Efeu, Badeperlen mit Tannenbaumpulver und Peelingherzen aus Heiderde und Zucker.

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Ein praktisches Beispiel ist das Salbei-Deodorant, das aus einem Sud von Wasser, Natron und Salbei hergestellt wird und effektiv gegen Schwitzen wirkt. „Im Hochsommer kann man einfach ein paar Blätter Salbei ins Getränk mischen“, verrät Putensen als zusätzlichen Tipp.

Teilnehmer nutzen das Wissen beruflich und privat

Die zwölf Teilnehmer des aktuellen Jahreskurses – zehn Frauen und zwei Männer – treffen sich monatlich für intensive Wochenenden, bevor im Sommer die Abschlussprüfung ansteht. Viele von ihnen setzen das erworbene Wissen bereits praktisch um. Torsten aus der Nähe von Uelzen ist begeistert: „Ich finde das faszinierend, weil das alles altes Wissen ist. Der Körper kann die Heilkräuter viel besser aufnehmen als künstlich hergestellte Produkte.“

Petra Röding aus Plau am See in Mecklenburg-Vorpommern nutzt die Naturkosmetik bereits in ihrer Tätigkeit als Fußpflegerin. „Meine Kunden sind daran sehr interessiert“, berichtet sie und setzt Ringelblumensalbe für Füße sowie Rosenwasser nach Massagen ein.

Gegen den Trend: Natürlichkeit versus Kosmetik-Hype

Putensen beobachtet mit Sorge, wie der aktuelle Beauty-Drang über soziale Medien wie TikTok bereits junge Mädchen erreicht. „Viele Mädchen sind für die Naturkosmetik gar nicht mehr empfänglich, sie ist für sie viel zu neutral“, stellt sie fest. In einer Welt, die mit künstlichen Duftstoffen überfrachtet sei, werde natürlicher Geruch oft als merkwürdig empfunden. Dennoch hält sie an der Überzeugung fest: „Eigentlich brauchen wir nur drei Salben: Bei Wunden, für schmerzende Knochen und gegen trockene Haut.“

Die Waldkräuterey in Amelinghausen steht somit nicht nur für die Bewahrung traditionellen Wissens, sondern auch für einen bewussten Umgang mit natürlichen Ressourcen und eine Rückbesinnung auf einfache, wirksame Heilmittel aus der Region.

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