Rostocker Arzt warnt vor Dialyse-Ausfällen: „Wir stellen uns darauf ein, nicht zu dialysieren“
Rostocker Arzt warnt vor Dialyse-Ausfällen im April

Rostocker Arzt warnt vor lebensbedrohlicher Situation für Dialysepatienten

In Rostock und der umliegenden Region drohen ab dem 1. April erhebliche Ausfälle und massive Verzögerungen bei den lebensnotwendigen Krankenfahrten für Dialysepatienten. Dr. Heinrich Prophet, der nicht nur Präsident der Rostocker Bürgerschaft ist, sondern auch mehrere Dialysezentren in Rostock und Ribnitz-Damgarten leitet, bewertet die aktuelle Entwicklung als „existenziell bedrohliche Situation“ und sogar als „lebensbedrohlich“ für die betroffenen Patienten.

Gescheiterte Verhandlungen führen zu Arbeitsniederlegungen

Hintergrund der kritischen Lage sind die vollständig gescheiterten Vergütungsverhandlungen zwischen dem Landestaxiverband Mecklenburg-Vorpommern und den gesetzlichen Krankenkassen. Als direkte Konsequenz haben regionale Fahrdienste für die ersten April-Tage umfangreiche Arbeitsniederlegungen angekündigt. Dr. Prophet äußert die konkrete Sorge, dass „am 1. und 2. April voraussichtlich etwa 120 Patientinnen und Patienten ihre Dialyse nicht erreichen werden“. Die Dialyse ist eine lebenserhaltende Behandlung, die regelmäßig und pünktlich erfolgen muss.

Qualität der Versorgung steht auf dem Spiel

Bislang werden die Patienten von spezialisierten Krankenfahrdiensten zuverlässig abgeholt – oft auch aus dem ländlichen Umland Rostocks. Diese Unternehmen sind laut Prophet „auf die Bedürfnisse älterer und gesundheitlich eingeschränkter Menschen eingestellt“ und übernehmen bei Bedarf auch Hilfestellungen bis in das Behandlungszimmer. Der Arzt kritisiert scharf, dass die Krankenkassen nun auf Dumpingunternehmen oder Niedrigstpreise setzen könnten. „Ich kann die Leute doch nicht für einen Apfel und ein Ei ihre Arbeit machen lassen“, so seine deutlichen Worte zur wirtschaftlichen Situation der Fahrer.

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Persönliche Dilemmata der Fahrdienst-Anbieter

Während die Krankenkassen an die Vernunft der Anbieter appellieren, sehen sich viele Taxiunternehmer mit einem schwerwiegenden persönlichen Konflikt konfrontiert. Ein nicht namentlich genannter Unternehmer schildert: „Ich meine, ich fahre meine Patienten teilweise seit Jahren. Es fühlt sich natürlich so an, als ob ich sie im Stich lasse.“ Gleichzeitig stehen viele vor der Wahl, entweder die neuen, wirtschaftlich unattraktiven Verträge der Kassen zu unterschreiben oder ihre Existenzgrundlage zu gefährden.

Krankenkassen und Ärzte in festgefahrenen Positionen

Nach Darstellung von Dr. Prophet haben er und zahlreiche andere Mediziner sowie Therapeuten seit Monaten versucht, bei den Krankenkassen sachlich und mit fundierten Argumenten die tatsächlichen Kosten darzulegen. Die Reaktion der Kassen sei jedoch ernüchternd: „Sie zeigen null, wirklich null Intention, darauf einzugehen“, kritisiert der Arzt. Stattdessen werde gedroht und auf Billiganbieter verwiesen.

Die Krankenkassen betonen hingegen wiederholt, dass die Versorgung der Patienten ab dem 1. April gesichert sei. Dr. Heinrich Prophet und die Teams in den Kliniken bereiten sich dennoch auf das Schlimmste vor. Er stellt klar: „Es gibt keine Alternativen, jedenfalls nicht im Großraum Rostock, die diese Patientenzahl in der angemessenen Qualität und Pünktlichkeit in unsere Praxen fahren werden. Das ist eine absolute Lüge.“ Die Dialysezentren stellen sich bereits darauf ein, am 1. und 2. April viele Patienten nicht behandeln zu können.

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