Grippewelle in Vorpommern: Ungewöhnliche Symptome und hohe Infektionszahlen beunruhigen Ärzte
Grippewelle in Vorpommern: Ärzte beobachten ungewöhnliche Symptome

Grippewelle erfasst Vorpommern-Greifswald mit ungewöhnlichen Verläufen

Die aktuelle Grippesaison zeigt in der Region Vorpommern-Greifswald besondere Charakteristika, die Ärzte und medizinisches Personal aufmerksam beobachten. Während die typischen Atemwegssymptome dominieren, treten vermehrt auch ungewöhnliche Begleiterscheinungen auf, die diese Welle von früheren unterscheiden.

Krankenhäuser melden deutlich erhöhte Patientenzahlen

Nachdem die Asklepios-Klinik in Pasewalk bereits zu Wochenbeginn eine steigende Zahl von Influenza-Patienten verzeichnete, berichten nun auch die Ameos-Häuser in Anklam und Ueckermünde von deutlich erhöhten Fallzahlen. „Im Vergleich zur Grippewelle im vergangenen Winter werden aktuell deutlich mehr Patienten versorgt“, bestätigt Ameos-Sprecher Felix Naundorf für beide Einrichtungen. Chefarzt Dirk Werner von der Klinik für Innere Medizin in Anklam ergänzt: „Wir bewegen uns derzeit auf einem saisonal erwartbaren, aber insgesamt hohen Infektionsniveau.“

Besonders betroffen sind ältere Menschen sowie Personen mit chronischen Vorerkrankungen, insbesondere der Lunge oder des Herz-Kreislauf-Systems. Die meisten Patienten zeigen das klassische Bild einer Influenza Typ A mit Atembeschwerden, Fieber, Abgeschlagenheit und Husten. Schwere Verläufe entstehen laut Werner typischerweise im Zusammenhang mit bestehenden Grunderkrankungen.

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Ungewöhnliche Magen-Darm-Symptome treten gehäuft auf

Auffällig bei dieser Grippewelle ist das vermehrte Auftreten von Übelkeit und Erbrechen neben den typischen Atemwegssymptomen. Dominic Stuth, Hygienefachkraft am Hanse-Klinikum Anklam, erklärt: „Dabei handelt es sich um ein weniger typisches, aber in dieser Saison gehäuft auftretendes Begleitsymptom.“ Auch im Pasewalker Krankenhaus berichten Ärzte von Patienten, die zusätzlich zu den üblichen Symptomen über Bauchschmerzen klagen.

Dr. Bernd Müllejans, Ärztlicher Direktor der Asklepios-Klinik in Pasewalk, behandelt in diesem Jahr „eine höhere zweistellige Zahl an Influenza-Patienten“. Die Betroffenen bleiben je nach Schweregrad, Nebenerkrankungen oder Komplikationen drei bis fünf Tage in der Klinik. Momentan dominiert vor allem Influenza A des Subtyps H2N3, eine weltweit sehr infektiöse Virus-Variante, die besonders Kinder, Jugendliche und ältere Menschen ab 65 Jahren betrifft.

Behandlungsstrategien und positive Entwicklung

Die Patienten erhalten fiebersenkende Infusionen und je nach Infektionszeitpunkt und Schwere der Erkrankung antivirale Medikamente. Antibiotika werden nur bei bakteriellen Komplikationen wie Lungenentzündungen verordnet. Erfreulicherweise beobachtet Dr. Müllejans aktuell eine leichte Abschwächung des Infektionsgeschehens, betont aber weiterhin die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen.

In der Pasewalker Asklepios-Klinik besteht weiterhin die dringende Bitte, Masken zu tragen. Besucher erhalten an der Rezeption kostenlosen Mund-Nasen-Schutz und werden angehalten, sich die Hände zu desinfizieren. Informationsschilder im Eingangsbereich klären über die aktuelle Infektionslage und Verhaltensregeln auf.

Altersheime bisher weitgehend verschont

Vor den Altersheimen in Vorpommern-Greifswald scheint die Grippewelle bislang Halt gemacht zu haben. In keiner der stichprobenartig befragten Seniorenresidenzen in Anklam, Ueckermünde, Torgelow und Pasewalk war Influenza ein akutes Problem. „Wir haben keine Grippe“, meldet die Gesellschaft für betreutes Wohnen in Anklam. Das Kursana-Domizil Haus am Tanger in Torgelow berichtet: „Bei uns werden alle Besucher gebeten, sich die Hände zu desinfizieren und Abstand zu halten. Bisher haben wir keine Fälle.“

Im Cura-Seniorenzentrum in Pasewalk sind nach Auskunft der Geschäftsleitung fast alle Bewohner und Mitarbeiter geimpft. „Trotzdem lässt sich Ansteckung nicht ganz vermeiden. Bei uns hält sich die Grippewelle aber im Rahmen“, heißt es von dort. Besucher werden ermuntert, vorübergehend auf Umarmungen zu verzichten und zu überlegen, ob Besuche mit kleinen Kindern unbedingt notwendig sind.

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Impfstoffknappheit und niedrige Impfquoten

Dem Gesundheitsamt des Landkreises Vorpommern-Greifswald sind seit Jahresbeginn bis Mittwochnachmittag 1296 Grippe-Fälle gemeldet worden. Wer noch nicht geimpft ist, könnte Schwierigkeiten bekommen, dies nachzuholen, da nur noch wenige Arztpraxen über Impfstoffdosen verfügen. Größere Impfaktionen fanden bereits im Herbst in Greifswald, Anklam und Pasewalk statt.

Laut Robert Koch-Institut sind in Vorpommern-Greifswald gerade einmal fünf Prozent aller Einwohner gegen Grippe geimpft – deutlich weniger als der bundesweite Durchschnitt von 13 Prozent. In der benachbarten Mecklenburgischen Seenplatte und der Uckermark liegen die Quoten sogar bei nur vier Prozent.

Empfehlungen des Gesundheitsamtes

Das Gesundheitsamt empfiehlt mehrere Vorsichtsmaßnahmen zur Eindämmung der Grippewelle:

  • Anhusten und Anniesen vermeiden
  • Taschentücher sicher entsorgen
  • Räume intensiv lüften
  • Gründliches Händewaschen nach Kontakten und vor dem Essen
  • Bei Erkrankung zu Hause bleiben und Kontakte vermeiden

Ein Ende der Grippesaison ist noch nicht in Sicht – erfahrungsgemäß dauert diese bis Mitte Mai. Für Menschen ab 60 Jahren, chronisch Erkrankte und medizinisches Personal empfiehlt Internist Dirk Werner weiterhin die saisonale Influenza-Impfung, die nachweislich das Risiko schwerer Verläufe, Krankenhausaufenthalte und Folgekomplikationen reduziert.