Augenarzt-Praxis in Friedland wird durch Klinik-MVZ gerettet – Modell für die Region?
Wenn ein Augenarzt seine Praxis aufgibt, bedeutet das in der Regel eine weitere Lücke in der oft angespannten medizinischen Versorgung. In Friedland jedoch tritt der seltene Fall ein, dass auf den Abschied eine positive Lösung folgt. Nach 31 Jahren Tätigkeit geht Augenarzt Jens Uwe Kuttler in den wohlverdienten Ruhestand, doch seine Praxis wird nahtlos weitergeführt.
Nachfolge durch Klinik-Spezialisten gesichert
Ab dem 1. April übernimmt das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) des Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums Neubrandenburg die Praxis nahe dem Friedländer Stadtzentrum. Chefarzt Dr. Christian Karl Brinkmann, den Kuttler bereits frühzeitig kontaktiert hatte, wird persönlich die Sprechstunden am Freitag halten. An den übrigen Tagen ist Oberarzt Ruslan Schmurin vor Ort. „Wir finden hier eine sehr gut aufgestellte Praxis vor“, betont Brinkmann, der Kuttler als „Vollblut-Ophthalmologen mit sehr menschlicher Ader“ bezeichnet.
Kontinuität für Patienten und Personal
Für die Patienten bedeutet die Übernahme viel Vertrautes: Die erfahrene Orthoptistin Katharina Sauer bleibt dem Team erhalten, und auch spezielle Untersuchungen werden weiterhin am Klinikum durchgeführt. Selbst die von Jens Uwe Kuttler gemalten Bilder an den Praxiswänden bleiben als Dauerleihgabe erhalten. Diese Kontinuität ist in Zeiten von Fachkräftemangel und Versorgungslücken besonders wertvoll.
MVZ-Modell entlastet Ärzte von Verwaltungsaufgaben
Das MVZ des Klinikums vereint bereits mehrere Augenarzt-Praxen in der Region unter einem organisatorischen Dach. Solche Zentren entlasten die Ärzte von administrativen Aufgaben und ermöglichen eine effizientere Patientenversorgung. Brinkmann erklärt: „Die gute Arbeit von Jens Uwe Kuttler kann fortgesetzt werden.“ Außerhalb der regulären Sprechstunden wird es weiterhin Angebote wie Sehschuluntersuchungen durch geschultes Personal geben.
Nicht alle Lücken sind zu schließen
Doch der Chefarzt mahnt zur Vorsicht: „Nicht überall, wo eine Augenarzt-Praxis schließt, werden wir in dieser Weise einsteigen können. Dazu haben wir nicht genug Ärzte.“ Die Gewinnung von Nachwuchs bleibt eine zentrale Herausforderung. In Stavenhagen etwa steht die augenärztliche Versorgung nach dem Ruhestand einer Fachärztin derzeit in der Schwebe, obwohl Interesse von einem in Waren praktizierenden Kollegen besteht.
Die Lösung in Friedland zeigt somit ein mögliches Modell für ländliche Regionen auf, kann aber nicht alle Versorgungsprobleme lösen. Die Suche nach engagierten Assistenzärzten und Weiterbildungsassistenten, die sich auf die Region einlassen, bleibt entscheidend für die Zukunft der medizinischen Grundversorgung in Mecklenburg-Vorpommern.



