Wohnbau Prenzlau: Eine Erfolgsgeschichte über 35 Jahre
Die Wohnbau Prenzlau GmbH hat ihr 35-jähriges Bestehen gefeiert – eine Geschichte voller Herausforderungen, die das städtische Unternehmen heute als stabilen Vermieter und Stadtentwickler dastehen lässt. Geschäftsführer René Stüpmann blickte in der Prenzlauer „Blumenhalle“ vor aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern, Stadtverordneten und Partnern auf einen bewegten Werdegang zurück.
Von DDR-Altlasten zu neuer Stabilität
Am 4. März 1991 wurde der ehemalige VEB Gebäudewirtschaft in die Wohnbau GmbH umgewandelt. Unter dem ersten Geschäftsführer Norbert Lautke startete das Unternehmen unter widrigen Bedingungen: unwirtschaftlich niedrige Mieten und ein Berg an Altschulden aus DDR-Zeiten. Die Mitarbeiterzahl musste von 150 auf 103 reduziert werden, bis 2023 wurden 525 Wohnungen abgerissen.
„Die Überzeugung, unverwundbar zu sein, wich der Angst, nicht überleben zu können“, erinnerte sich Stüpmann, der seit 2010 das größte Prenzlauer Wohnungsunternehmen leitet. Banken waren zeitweise nicht mehr bereit, Kredite zu gewähren, und spontane Entscheidungen statt strategischer Schritte brachten die Wohnbau ins Wanken.
Strategische Investitionen und Rückbau als Erfolgsrezept
Doch aus Fehlern wurden Lehren gezogen. Das Unternehmen investierte zwischen 1991 und 2025 insgesamt 215 Millionen Euro in seinen Bestand. Dem Abriss alter Wohnungen stehen Neubauten gegenüber, darunter die Stadtvillen in der Rosa-Luxemburg-Straße und die Schwanen-Villa in der Friedhofstraße. Besonders bemerkenswert: Der Wohnungsbestand umfasst heute wieder fast so viele Einheiten wie in den Anfangsjahren – trotz sinkender Einwohnerzahlen in Prenzlau.
Die Leerstandsquote lag zum Stichtag 31. Dezember 2025 bei nur 2,65 Prozent. „Ohne Rückbau hätten wir heute einen theoretischen Leerstand von 31 Prozent“, rechnete Stüpmann vor. Das Unternehmen verwaltet aktuell 3881 Wohnungen, 80 Gewerbeeinheiten und 1749 weitere Einheiten.
Moderne Ausrichtung und digitale Transformation
Die Wohnbau hat sich nicht nur baulich weiterentwickelt. Seit der Einführung des „digitalen Mitarbeiters“ Friedrich vor sechs Jahren liegt die Nutzerquote der digitalen Angebote bei 60 Prozent. Dennoch betont das Unternehmen: Der digitale Kontakt ersetzt nicht den persönlichen. Jährlich führen die Mitarbeiter etwa 30.000 Kontakte und bearbeiten rund 8000 Schadensmeldungen.
Klaus-Martin Bastert (AfD), seit September 2024 Vorsitzender des Aufsichtsrates, dankte den „hoch motivierten Mitarbeitern“, die zusammen mit ihrem Geschäftsführer die Wohnbau zu einem „modern aufgestellten und kerngesunden Unternehmen“ entwickelt hätten.
Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Obwohl die Wohnbau GmbH noch etwa 63 Millionen Euro an „alten“ Verbindlichkeiten abbauen muss, hält Stüpmann es für realistisch, dass das Unternehmen in zehn bis 13 Jahren – ohne Neukreditaufnahmen – entschuldet sein könnte. Diese optimistische Einschätzung teilte Matthias Brauner vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBW) mit einer gewissen Zurückhaltung. Er verwies auf verdoppelte Baukosten und vervielfachte Zinsen am Kapitalmarkt.
Bürgermeister Marek Wöller-Beetz (CDU) betonte das große Engagement aller Mitarbeiter und bezeichnete die Wohnbau als attraktiven Arbeitgeber für junge Menschen – das Durchschnittsalter der Beschäftigten liegt bei 35 Jahren. „Sie haben schon ganz andere Krisen überstanden“, sagte er und stieß auf die nächsten 35 erfolgreichen Jahre an.
Das konstruktive Miteinander zwischen Wohnbau, Stadtwerken und Wohnungsgenossenschaft wird als entscheidender Erfolgsfaktor für Prenzlaus Stadtentwicklung gewertet – eine Zusammenarbeit, die in Brandenburg und Berlin keineswegs selbstverständlich ist.



