Wohnungsmarkt in Güstrow erwacht aus langer Flaute
Nach einer anhaltenden Phase der Stagnation zeigt der Güstrower Wohnungsmarkt nun deutliche Anzeichen der Belebung. Die Nachfrage nach neuen Wohnungen und Eigenheimen ist spürbar gestiegen, und zahlreiche Bauprojekte befinden sich bereits in der Umsetzung oder konkreten Planung. Diese Entwicklung markiert einen wichtigen Wendepunkt für die Stadt und ihre Bewohner.
Bauland in Baugebieten wird zunehmend nachgefragt
Noch vor etwa einem Jahr präsentierte sich die Situation in vielen Baugebieten deutlich ruhiger. Im Baugebiet Fischerweg, das bereits seit Mai 2023 erschlossen war, herrschte lange Zeit Stillstand. Unkraut überwucherte die Flächen, und potenzielle Interessenten hielten sich zurück. Erst im Herbst 2024 brachte der Güstrower Eike Engel mit dem Bau seines Eigenheims Bewegung in das Gebiet. Inzwischen wohnt er dort mit seiner Familie, und weitere Eigenheimbauer sind seinem Beispiel gefolgt.
Laut Stadtsprecherin Ina Gittner sind von den 29 Grundstücken am Fischerweg mittlerweile 14 verkauft, sechs reserviert und lediglich neun noch verfügbar. Diese positive Entwicklung setzt sich in anderen Gebieten fort: In den Suckower Tannen sind von 42 Bauplätzen nur noch sechs frei, vier sind bereits reserviert. Die Straßenerschließung soll hier im Mai abgeschlossen werden. Auch im Petershof zeigt sich ein ähnliches Bild: Von 27 Parzellen sind sieben frei, elf reserviert und neun bereits verkauft. Die schrittweise Erschließung mit Straßen und Wegen wird dort bis 2028 fortgesetzt.
Größere Wohnbauprojekte rücken in den Fokus
Parallel zur steigenden Nachfrage nach Bauland gewinnen größere Wohnbauprojekte an Bedeutung. Auf dem Gelände Stahlhof laufen derzeit Gespräche mit verschiedenen Investoren, obwohl noch keine konkrete Bebauung erfolgt ist. Aus dem Rathaus heißt es: „Aktuell laufen Verhandlungen mit verschiedenen Interessenten. Der Bebauungsplan steht im Internet. Der Schwerpunkt ist eine Wohnnutzung bzw. urbane Gebiete.“ Sowohl die Wohnungsgesellschaft Güstrow als auch die Allgemeine Wohnungsbaugenossenschaft Güstrow-Parchim prüfen eine mögliche Beteiligung an diesem Projekt.
Christian Gierke, Geschäftsführer der WGG, erklärt: „Wir wollen dort Mietwohnungen errichten und befinden uns in engem Austausch mit der Stadt.“ Der Kauf der Flächen wird vorbereitet. Marco Mischinger, Vorstandsvorsitzender der AWG, betont: „Grundsätzlich hat die AWG weiter Interesse an einer möglichen Beteiligung am geplanten Wohngebiet ‚Stahlhof‘, denn sie verfolgt das Ziel, modernes, vielfältiges und zugleich bezahlbares Wohnen für ihre Mitglieder auch zukünftig weiterzuentwickeln.“ Allerdings stellen hohe Bau- und Finanzierungskosten weiterhin eine zentrale Herausforderung dar.
Aktuelle Bauvorhaben und zukünftige Pläne
In der Prahmstraße entsteht derzeit ein Wohnpark mit fünf Mehrfamilienhäusern, die insgesamt 37 Miet- und elf Eigentumswohnungen umfassen. Zwei Häuser sind bereits fertiggestellt, die restlichen sollen im Frühjahr 2027 folgen. Lutz Geltmeier, der als Erschließungsträger für den Wohnungsbau in der Region aktiv ist, erklärt: „Es gibt eine enorme Nachfrage nach Wohnungen, weil sie fehlen.“ Seine Firma hat in Güstrow in den vergangenen 15 Jahren bereits mehr als 100 Wohnungen in der Wallensteinstraße und im Inselseeblick errichtet.
Auch in der Alten Gärtnerei, wo bereits 72 Eigenheime entstanden sind oder sich in der Fertigstellung befinden, bleibt Geltmeier aktiv. Ein dritter Bauabschnitt mit Miet- und Eigenheimen ist bereits in Planung. Geltmeier gibt an: „2028 könnte der Hochbau beginnen.“ Ein weiteres Projekt des privaten Investors in der Bützower Straße schreitet gut voran: Dort entstehen in zweiter Reihe 25 Eigentumswohnungen, von denen in einem Haus bereits 14 verkauft sind.
Gründe für die steigende Nachfrage und optimistische Bilanz
Ein wesentlicher Grund für die zunehmende Nachfrage ist die Verknappung von Wohnraum. Gleichzeitig gehen ältere Bestandsimmobilien zunehmend vom Markt. Investoren reagieren auf diese Entwicklung, und auch die Stadt Güstrow entwickelt weitere Wohngebiete, beispielsweise an der Hamburger Straße. Die Bilanz aus dem Rathaus fällt entsprechend positiv aus: Von ursprünglich 98 städtischen Baugrundstücken sind inzwischen 55 verkauft, 23 reserviert und nur noch 22 frei. Dies ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass sich der Wohnungsmarkt in Güstrow wieder in Bewegung gesetzt hat und eine nachhaltige Belebung erfährt.



