Deutsche Mehrheit für Tempolimit, Gesundheitsreform und Fall Fernandes: Die Abendlage
Tempolimit-Debatte, Gesundheitsreform und Fall Fernandes im Fokus

Deutsche Mehrheit befürwortet befristetes Tempolimit

Eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag von »Stern« und RTL ergibt ein klares Bild: 51 Prozent der Deutschen sprechen sich für ein befristetes Tempolimit von 120 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen und 80 Kilometern pro Stunde auf Landstraßen aus. Dieser Vorschlag soll speziell für die Dauer des Irankriegs gelten und findet besonders bei Frauen (rund zwei Drittel) und über Sechzigjährigen (62 Prozent) Zustimmung.

Die Debatte um Geschwindigkeitsbegrenzungen ist in Deutschland besonders relevant, da hierzulande »nicht angepasste Geschwindigkeit« die meisten Verkehrstoten im Straßenverkehr verursacht. Täglich sterben im Durchschnitt mehr als sieben Menschen bei Verkehrsunfällen, wobei nicht immer überhöhtes Tempo die Ursache ist.

Interessanterweise zeigt sich, dass die Bereitschaft zum langsameren Fahren steigt, sobald die Spritpreise die Zwei-Euro-Marke überschreiten. Dabei könnte jeder Autofahrer freiwillig langsamer fahren, ohne auf staatliche Verordnungen zu warten. Laut Greenpeace-Berechnungen ließen sich durch ein Tempolimit von 120 km/h jährlich etwa 239 Euro Spritkosten pro Fahrzeug einsparen. Deutschlandweit würde dies eine Einsparung von 3,2 Milliarden Litern Kraftstoff bedeuten.

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Historischer Hintergrund des Tempolimits

Deutschland ist das einzige europäische Land ohne generelles Tempolimit auf Autobahnen – eine Regelung, die auf die Nationalsozialisten zurückgeht. 1934 hoben sie nach der Machtergreifung Tempolimits auf Landstraßen und in Städten vollständig auf. Auf Autobahnen wurde nie ein Limit eingeführt. Erst mit Kriegsbeginn 1939 führten die Nazis aus Benzinspargründen wieder Tempolimits ein.

Politisch betrachtet zeigt die Umfrage deutliche Unterschiede: Nur 19 Prozent der AfD-Wähler befürworten ein Tempolimit.

Gesundheitsministerin Warken plant milliardenschweres Sparpaket

Gesundheitsministerin Nina Warken kündigt ein umfangreiches Sparpaket an, das allein im nächsten Jahr rund 20 Milliarden Euro im Gesundheitswesen einsparen soll. Über drei Viertel der von der Gesundheitskommission vorgeschlagenen Maßnahmen sollen umgesetzt werden. Der Gesetzesvorschlag soll Ende April im Kabinett beschlossen werden.

Alle Beteiligten sollen zur Kostensenkung beitragen: Ärzte, Krankenhäuser, Krankenkassen, Apotheker und insbesondere die Pharmabranche. Ein Beispiel für überhöhte Preise in der Pharmaindustrie ist das Krebsmedikament Keytruda. Gesetzliche Krankenkassen zahlen derzeit 2039,27 Euro für 100 Milligramm, während der internationale Krankenkassenverband einen fairen Preis von lediglich 40 Euro berechnet hat – inklusive Forschungs- und Entwicklungskosten sowie einer Rendite von acht Prozent.

Keytruda: Gamechanger mit umstrittenem Preis

Keytruda, ein Präparat des US-Herstellers Merck Sharp & Dohme (MSD), gilt als bahnbrechend in der Krebstherapie und ist das weltweit umsatzstärkste Medikament. In Deutschland zahlten gesetzliche Krankenkassen 2025 mehr als zwei Milliarden Euro allein für dieses Medikament.

MSD begründet den hohen Preis mit Forschungs- und Entwicklungskosten von 44 Milliarden US-Dollar. Die Schweizer NGO Public Eye bezweifelt diese Angaben und kommt in eigenen Berechnungen auf lediglich 4,8 Milliarden Dollar – bei einem kumulierten Umsatz von 163 Milliarden US-Dollar.

Für Ministerin Warken bedeutet dies einen Spagat: Einerseits muss sie die Preispolitik der Pharmabranche kontrollieren, andererseits müssen Patienten möglicherweise höhere Zuzahlungen leisten. Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse, kritisiert das fehlende »Gegengewicht« zur Pharmaindustrie und mangelnden politischen Mut bei Preisverhandlungen.

Fall Fernandes: Verfahren wird nach Deutschland verlegt

Die Ermittlungen im Fall der Strafanzeige von Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen werden von Spanien nach Deutschland verlegt. Eine Richterin auf Mallorca ordnete an, die Akten an die Staatsanwaltschaft Itzehoe zu übergeben, da sich die mutmaßlichen Taten überwiegend auf deutschem Staatsgebiet ereignet hätten.

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Als Gründe nannte das Gericht, dass die Zeugen in Deutschland wohnhaft seien und die Auswirkungen auf Fernandes’ Ruf dort am größten wären. Bereits Ende März hatte sich die Staatsanwaltschaft auf Mallorca für eine Zuständigkeitsübertragung an Deutschland ausgesprochen.

Rechtliche Komplexität und Berufungsankündigung

Die Entscheidung ist rechtlich delikat, da die Gesetze im Sexualstrafrecht in Spanien bisher schärfer sind als in Deutschland. Fernandes’ Anwalt kündigte daher Berufung gegen die Verlegung an. In Spanien existieren zudem spezialisierte Behörden für Fälle von Gewalt gegen Frauen, die in Deutschland nicht in gleicher Form vorhanden sind.

Ob das Verfahren tatsächlich in Itzehoe bleibt, ist ungewiss: Die Staatsanwaltschaft plant eine Abgabe nach Potsdam, wohin die Akten bereits übermittelt wurden.

Fernandes wirft Ulmen vor, täuschend echte Fakeprofile von ihr im Netz erstellt und über diese Männer kontaktiert zu haben. Zudem beschuldigt sie ihn körperlicher Übergriffe auf Mallorca. Für Christian Ulmen gilt die Unschuldsvermutung, seine Anwälte sprechen von »unwahren Tatsachen«. Der Fall hat eine bundesweite Debatte über digitale sexualisierte Gewalt und Frauenschutz ausgelöst.

Weitere aktuelle Entwicklungen

Firmenpleiten: Im Januar 2026 gingen 1919 Unternehmen in die Insolvenz, besonders betroffen ist das Gastgewerbe. Die Prognosen lassen wenig Hoffnung auf Besserung erkennen.

Ukraine-Hilfe: Nach der Abwahl von Viktor Orbán in Ungarn besucht Wolodymyr Selenskyj Berlin. Die bisher von Ungarn blockierten EU-Millionen für die Ukraine sollen schnell freigegeben werden.

Zahngesundheit: Deutsche Kinder haben gute Zähne dank jahrelanger Vorsorge. Handlungsbedarf besteht jedoch weiterhin bei der Volkskrankheit Parodontitis.

Straße von Hormus: Saudi-Arabien drängt offenbar auf ein Ende der US-Blockade der Straße von Hormus, aus Sorge um die freie Passage durch andere Meerengen.