Rostocker Protest gegen Straßenbahn-Streichung: Tausende Unterschriften für Friedhofs-Anbindung
Rostock: Protest gegen Ende der Straßenbahn zum Friedhof

Massiver Protest in Rostock: Straßenbahn zum Friedhof soll verschwinden

Die Hansestadt Rostock plant eine umstrittene Verkehrswende: Die Straßenbahnverbindung zwischen dem Zoo und dem Neuen Friedhof soll nach dem Abriss der Rennbahnalleebrücke im Oktober dauerhaft eingestellt werden. Statt der bewährten Tram-Linien sollen künftig ausschließlich Busse verkehren – eine Entscheidung, die bei Bürgern und Politikern auf erheblichen Widerstand stößt.

Über 3.000 Unterschriften für den Erhalt der Linie

Der Kritzmower Steffen Rex hat mit einer Online-Petition eine beeindruckende Protestwelle initiiert. Am Freitag, dem 17. April 2026, übergab er Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Linke) im Rostocker Rathaus exakt 3.258 Unterschriften. Begleitet wurde er von knapp 20 Unterstützern, die gemeinsam für den Erhalt der wichtigen Verkehrsverbindung kämpfen.

„Es kann nicht angehen, dass es mit dem Neubau der Brücke Rennbahnallee keine Straßenbahnüberführung mehr geben soll“, kritisiert Rex die Pläne der Stadt und der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG). Die Petition macht deutlich: Viele Rostocker wollen nicht auf ihre gewohnte Tram-Anbindung verzichten.

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Barrierefreiheit und Komfort im Fokus

Rex betont insbesondere die Bedeutung der Straßenbahn für ältere und mobilitätseingeschränkte Personen. „Die Tram-Linie bietet eine barrierefreie, direkte Anbindung von der Innenstadt zum größten Friedhof der Stadt“, argumentiert der Petition-Initiator. Zudem verweist er auf mehrere wichtige Einrichtungen entlang der Strecke:

  • Das Seniorenzentrum Stadtweide in unmittelbarer Nähe der Endhaltestelle
  • Das neue Wohngebiet Kiefernweg Richtung Kritzmow
  • Das erweiterungsfähige Friedhofsgelände mit wachsender Bedeutung

Aus verkehrstechnischer Sicht sei die Straßenbahn gegenüber Bussen deutlich vorteilhafter – sowohl im Komfort für die Fahrgäste als auch in der Effizienz für das städtische Verkehrssystem.

Politische Unterstützung von der SPD

Auch die Rostocker SPD positioniert sich klar gegen die Streichung der Linie. Fraktionsvorsitzender Thoralf Sens hat für die Bürgerschaftssitzung am 22. April einen Antrag eingereicht, der „die Anbindung der Straßenbahn an den Neuen Friedhof sicherzustellen“ fordert. Sens möchte erreichen, dass im Zuge der geplanten Straßenbahnerweiterung nach Reutershagen auch eine neue Lösung für den Friedhof gefunden wird.

Damit stellt sich die SPD-Fraktion gegen den Bürgerschaftsbeschluss vom November 2023, der die Einstellung des Straßenbahnbetriebs auf dieser Strecke vorsah. Oberbürgermeisterin Kröger betonte zwar ihr Verständnis für die Proteste, verwies aber auf ihre Bindung an diesen Beschluss: „Ich selbst werde eine solche Änderung nicht initiieren“.

Wirtschaftliche Argumente der RSAG

Die Rostocker Straßenbahn AG hält an ihren Plänen fest und lehnt einen Neubau der Straßenbahnbrücke nach dem Abriss der bestehenden Konstruktion aus den 1930er-Jahren entschieden ab. RSAG-Sprecherin Beate Langner nennt zwei Hauptgründe:

  1. Der Neubau einer Straßenbahnbrücke sei wirtschaftlich nicht vertretbar
  2. Die Nachfrage an der Haltestelle Neuer Friedhof sei mit nur 705 Fahrgästen pro Tag zu gering

Zum Vergleich: Die Linie 1 nach Toitenwinkel wird täglich von etwa 3.200 Fahrgästen genutzt – fast das Fünffache der Friedhofs-Verbindung. „Bezogen auf die einzelnen Fahrten sind das weniger als zehn Fahrgäste je Straßenbahn“, so Langner zu den aktuellen Nutzerzahlen.

Zeitplan der Bauarbeiten

Der Abriss der maroden Rennbahnalleebrücke beginnt planmäßig im Oktober 2026. Die Bauarbeiten inklusive Neubau sollen bis Dezember 2027 andauern. Bereits mit Baubeginn kommt es zu einer Vollsperrung und der sofortigen Abkopplung des Neuen Friedhofs vom Straßenbahnnetz.

Bisher verkehren auf der betroffenen Strecke die Straßenbahnlinien 3 und 6. Die Brücke, die auf Höhe des Tannenwegs über die Bahnstrecke führt, wird täglich von bis zu 16.000 Fahrzeugen passiert – ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für die gesamte Südstadt Rostocks.

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Die Protestierenden befürchten, dass mit dem Wegfall der Straßenbahn der Südwesten Rostocks von der weiteren Stadtentwicklung abgeschnitten werden könnte. Während die RSAG auf wirtschaftliche Effizienz setzt, kämpfen Bürger und Teile der Politik für den Erhalt eines barrierefreien, komfortablen und nachhaltigen Verkehrsmittels.