Dreifache Vollsperrung in der Uckermark: Anwohner und Pendler verzweifeln über lange Umwege
Seit Mitte März erleben Anwohner und Berufspendler westlich der Kreisstadt Prenzlau eine verkehrstechnische Herausforderung, die ihresgleichen sucht. Drei Vollsperrungen zur gleichen Zeit, kilometerweite Umleitungen und explodierende Spritpreise sorgen für großen Unmut bei allen, die auf die Güstower Straße (L25) angewiesen sind.
Eine Firma, drei Baustellen: Die Situation im Detail
Seit dem 9. März sind die Ortsdurchfahrten in Güstow in Richtung Horst und in Basedow am Weinberg in Richtung B198 vollständig gesperrt. Nur eine Woche später trat auf der Güstower Straße zwischen „Draußenmühle“ und Abzweig Erika-Kliemann-Weg die dritte Vollsperrung in Kraft. Für alle drei Baustellen erhielt die Firma Eurovia die Aufträge, was die Abstimmung zwar erleichtern soll, aber keine Garantie dafür bietet, dass die Arbeiten wie geplant bis Dezember 2026 abgeschlossen sein werden.
Die gleichzeitigen Sperrungen führen zu erheblichen Umwegen. Ein Beispiel: Um von Güstow über Klinkow in Richtung B198 nach Prenzlau zu gelangen, bleibt der Weg durch die Vollsperrung in Basedow versperrt. Dadurch kommen pro Fahrt etwa 15 Kilometer zusätzliche Fahrstrecke zusammen, hin und zurück sind es 30 Kilometer. Bei den aktuellen Spritpreisen eine finanzielle Belastung, die viele Anwohner kaum tragen können.
Persönliche Betroffenheit: Die Geschichte von Margot Eickmann
Margot Eickmann (77) aus Güstow kann nicht verstehen, warum man drei monatelange Vollsperrungen zur gleichen Zeit einrichtet. „Bei den aktuellen Spritpreisen kommt uns das besonders teuer zu stehen“, schimpft sie. Ihr Mann muss für einen Werkstattermin über Dedelow und die B198 fahren, was die genannten 30 Kilometer Umweg bedeutet. Margot Eickmann selbst versucht, bei gutem Wetter mit dem Fahrrad nach Prenzlau zu fahren, um Arzttermine wahrzunehmen oder einzukaufen.
Doch auch das ist beschwerlich: Der Weg zum Gottesdienst in der Katholischen Kirche in der Neubrandenburger Straße sei für sie sehr anstrengend, und mit dem Fahrrad den Anstieg in Richtung Basedow zu bewältigen, um von dort aus mitgenommen zu werden, sei mit 77 Jahren nicht mehr möglich. „Das habe ich bereits ausgetestet“, berichtet sie resigniert.
Baustellenmanagement und Sicherheitsmaßnahmen
Derweil sind die Mitarbeiter der Firma Eurovia damit beschäftigt, erste Gräben auszuschachten, in denen künftig Leitungen verlegt werden sollen. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite wurde mit Bauzäunen eine Fußgänger-Pforte abgesichert, durch die man zu Fuß oder mit dem geschobenen Rad die Baustelle passieren kann. Unmittelbare Anwohner in der Güstower Straße können den Baustellenbereich mit Einschränkungen befahren, wobei die Absprachen je nach Baufortschritt direkt vor Ort mit der Bauleitung getroffen werden.
Die Linienbusse der UVG fahren während der Bauzeit andere Haltestellen an, was die Mobilität für viele Bewohner zusätzlich einschränkt.
Polizeikontrollen und rechtliche Konsequenzen
Trotz eindeutiger Durchfahrtsverbot-Schilder versuchen immer wieder Fahrzeugführer, die gesperrten Abschnitte zu durchfahren. Polizeihauptkommissar Sebastian Ehlert von der Polizeiinspektion Uckermark warnt dringend davor: „Dabei nimmt man billigend in Kauf, die eigene Sicherheit und die der Bauarbeiter zu gefährden, und riskiert ein empfindliches Verwarngeld.“
Besonders an den Wochenenden, wenn die Bauarbeiten ruhen, häufen sich die Verstöße. Am Sonnabend, dem 21. März, sanktionierten Beamte der Polizeiinspektion 19 Kraftfahrer, die das Durchfahrtsverbot missachtet hatten, mit einem Verwarngeld. Weitere Verkehrsteilnehmer wurden mündlich verwarnt. „Da es sich um eine Verkehrsordnungswidrigkeit handelt, entscheiden die Beamten eigenständig vor Ort nach pflichtgemäßem Ermessen, ob Verkehrsteilnehmer mündlich belehrt oder mit einem Verwarngeld sanktioniert werden“, erklärt Ehlert.
Laut Bußgeldkatalog wird das Durchfahren einer gesperrten Baustelle mit einem Verwarnungsgeld zwischen 20 und 55 Euro geahndet. Wird die Sperrung ignoriert und es kommt dadurch zu Gefährdungen, können Bußgelder von deutlich über 60 Euro anfallen.
Fazit: Eine belastende Situation für die Region
Die dreifache Vollsperrung in der Uckermark stellt für Anwohner, Pendler und alle Verkehrsteilnehmer eine erhebliche Belastung dar. Lange Umwege, hohe Spritkosten und eingeschränkte Mobilität prägen den Alltag. Während die Baumaßnahmen notwendig sein mögen, bleibt die Frage, ob die gleichzeitige Sperrung dreier zusammenhängender Abschnitte die beste Lösung war. Bis Dezember 2026 werden die Bewohner von Prenzlau, Basedow und Güstow Geduld und zusätzliche finanzielle Mittel aufbringen müssen.



