Absurde Bordstein-Blockade: Ehepaar darf eigene Wallbox nicht nutzen
Es klingt wie eine absurde bürokratische Farce: Ein Ehepaar aus dem Hannoveraner Stadtteil Badenstedt kann sein nagelneues Elektroauto nicht an der selbst installierten Wallbox vor dem eigenen Reihenhaus laden. Der Grund ist ebenso simpel wie irrsinnig: Ein paar Zentimeter Bordstein und ein Fußweg, die der Stadt Hannover gehören.
Alles vorbereitet, aber nicht nutzbar
Die Situation ist frustrierend: Die Ladestation ist installiert, der Parkplatz frisch gepflastert und das E-Auto geliefert. Doch Klaus Rüdiger Wallat und seine Frau Katrin dürfen ihr Fahrzeug nicht legal auf ihr Grundstück fahren. „Im Moment ist es nicht möglich, hier legal auf das Grundstück zu fahren, weil der Bordstein und der Fußweg der Stadt Hannover gehören“, erklärt Wallat. „Und wenn wir da rüberfahren, würden wir eine Ordnungswidrigkeit begehen, und die wäre dann mit einem Bußgeld verbunden.“
Noch bis vor wenigen Wochen stand das Auto des Ehepaars ihres Wissens nach völlig legal auf ihrem Grundstück. „Ich hatte Anfang Dezember noch mal nachgefragt beim Bauamt, da wir die Wallbox am Haus angebracht haben, ob wir noch irgendetwas tun müssen. Und da war die Antwort: Nein, alles in Ordnung“, berichtet Wallat.
Plötzliche Kehrtwende der Stadt
Doch plötzlich machte die Stadt Hannover dem Ehepaar einen Strich durch die Rechnung. Die Stadt fordert 5.000 Euro von den Wallats, weil der Bordstein abgesenkt werden müsse, um den Gehweg offiziell überhaupt befahren zu dürfen. Das Ehepaar erklärte sich bereit, die Kosten zu übernehmen – doch die Stadt lehnte ab.
„Das Ortsbild darf nicht beeinträchtigt werden“, heißt es in dem Schreiben der Stadt Hannover. „Ob das Hannover oder Badenstedt, unser Stadtteil hier, oder vielleicht nur die Kolpingstraße ist, das wissen wir nicht. Es klingt ein bisschen grotesk, aber da wissen wir wirklich nicht weiter“, sagt Wallat verwundert.
Doppelmoral bei den Nachbarn
Einige Straßen weiter zeigt sich ein völlig anderes Bild. Hier haben Bewohner ihren Bordstein ganz offiziell und auf eigene Kosten abgesenkt. Der Unterschied beträgt lediglich etwa zehn Zentimeter – genau jene Lösung, die dem Ehepaar Wallat mit Verweis auf das Ortsbild untersagt wurde.
„Moment mal, wurde nicht genau diese Lösung dem Ehepaar Wallat untersagt, weil sie das Ortsbild beeinträchtige?“, fragt man sich angesichts dieser Ungleichbehandlung.
Stadt prüft noch einmal
Die Stadt Hannover wollte zu dem Fall kein Interview geben, teilte aber schriftlich mit: „Nach dem schriftlichen Einwand des Ehepaars Wallat wird sich die Stadtverwaltung die Situation noch einmal genau ansehen und den Sachverhalt noch einmal eingehend prüfen.“ Dies wurde den beiden auch schriftlich mitgeteilt.
Währenddessen empfiehlt die Stadt das Laden am Garagenhof am Ende der Häuserreihe, etwa 50 Meter die Straße runter. Doch auch das ist keine Lösung: „Bei unserem Garagenhof, der 1967 gebaut wurde mit Fertiggaragen, ist das nicht möglich. Hier gibt es keinen Strom“, erklärt Wallat.
Keine praktikable Alternative
Die Idee, einfach ein längeres Kabel zu verwenden, scheitert ebenfalls: „Ein längeres Kabel würde leider über den Bürgersteig liegen und dafür bräuchte man dann eine Kabelbrücke. Und dafür wiederum bräuchte das Ehepaar Wallat eine Genehmigung“, so Wallat. „Es ist eine Farce.“
Öffentliche Ladestationen bieten ebenfalls keine zuverlässige Alternative: „Ich könnte zu jeder öffentlichen Wallbox, zu jeder öffentlichen Ladestation fahren. In Badenstedt gibt es hier eine im Dorf, aber das sind nur zwei Plätze. Und wenn die ganzen Autos da sind, dann stapeln die sich. Das dauert ein Weilchen, bis man da rankommt. Und beim Rewe ist noch eine, aber die ist auch immer voll. Und der eigene Ladeplatz ist immer leer.“
Bürgermeistersprechstunde als letzte Hoffnung
Ende des Monats wollen die beiden ihr Dilemma bei der Bürgermeistersprechstunde vortragen. „Denn sie wollen für diese Verwaltungsvorgänge Alternativen finden – für sich und alle anderen, die das Klima schützen wollen, auch wenn ihnen Steine in den Weg gelegt werden“, betont Wallat.
Der Fall zeigt exemplarisch, wie bürokratische Hürden und uneinheitliche Regelungen die dringend notwendige Verkehrswende ausbremsen können. Während die Politik den Ausbau der Elektromobilität fordert, scheitern Bürger an scheinbar trivialen Hindernissen wie einem nicht abgesenkten Bordstein.



