Berliner Nord-Süd-Tunnel überlastet: Odeg verkürzt RE85 nach Schwerin bis Gesundbrunnen
Berliner Nord-Süd-Tunnel überlastet: Odeg verkürzt RE85

Berliner Nord-Süd-Tunnel überlastet: Odeg verkürzt RE85 nach Schwerin bis Gesundbrunnen

Die Odeg hat eine drastische Maßnahme ergriffen, um die ständigen Verspätungen auf der Linie RE85 zwischen Schwerin und Berlin zu bekämpfen. Ab sofort enden die Züge dieser Regionalexpress-Verbindung bis auf Weiteres bereits am Bahnhof Gesundbrunnen und fahren nicht mehr durch den chronisch überlasteten Nord-Süd-Tunnel bis zum Südkreuz. Diese Entscheidung wurde als Sofortmaßnahme notwendig, nachdem sich der Abschnitt zwischen Gesundbrunnen und Südkreuz seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2025 als besonders verspätungsanfällig erwiesen hat.

Fahrgäste müssen umsteigen

Für die Reisenden bedeutet diese Änderung erhebliche Unannehmlichkeiten. Die meisten Fahrgäste des RE85 wollen in die Berliner Innenstadt und müssen nun in Gesundbrunnen in andere Verkehrsmittel umsteigen, was zusätzliche Zeit kostet und den Reisekomfort deutlich reduziert. Die Odeg betont, dass diese Fahrplananpassung mit der Deutschen Bahn und dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg abgestimmt wurde, um die Gesamtstabilität des Betriebs zu verbessern.

Seit dieser Woche gibt es eine minimale Entlastung: Drei Züge in den Nachtstunden zwischen 22 und 6 Uhr dürfen wieder den Fernbahntunnel passieren. Konkret handelt es sich um einen Zug, der um 5 Uhr ab Südkreuz startet, sowie um zwei Züge, die um 0.53 Uhr und 22.53 Uhr in Südkreuz ankommen. Diese Ausnahmen ändern jedoch nichts an der grundsätzlichen Problematik.

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Chronische Überlastung des Berliner Schienennetzes

Das Berliner Eisenbahnnetz leidet seit Jahren unter massiven Kapazitätsproblemen. Bereits im November 2019 hatte die Deutsche Bahn die Berliner Abschnitte von Spandau beziehungsweise Gesundbrunnen über den Hauptbahnhof bis zum Südkreuz offiziell als überlastet erklärt. Seitdem überwachen das Eisenbahnbundesamt und die Bundesnetzagentur diese Strecken intensiv. Die Stadtbahn zwischen Ostbahnhof und Charlottenburg gilt sogar schon seit Dezember 2013 als überlastet, was dazu führt, dass in den Tagesrandzeiten nur wenige ICE-Züge am Bahnhof Zoo halten.

Die Deutsche Bahn hat für beide neuralgischen Strecken mittlerweile einen sogenannten Plan zur Erhöhung der Schienenwegkapazität vorgelegt. In diesem Dokument werden konkrete Maßnahmen zur Kapazitätssteigerung angekündigt, darunter der Bau neuer Gleisverbindungen, die den Betrieb flexibler machen sollen. Im vergangenen Jahr wurden am Hauptbahnhof bereits drei neue Weichen eingebaut, die ursprünglich 2006 aus Kostengründen beim Bau des Zentralbahnhofs weggelassen worden waren.

Langfristige Lösungen in Planung

Auf der Stadtbahn sollen ähnliche Gleisverbindungen im zweiten Halbjahr während einer sechsmonatigen Totalsperrung installiert werden. Fahrgastverbände kritisieren seit zwei Jahrzehnten, dass es am Hauptbahnhof vor und hinter den Bahnsteigen auf der Stadtbahn keine Weichen gibt, die den Betrieb insbesondere bei Störungen erheblich erleichtern würden. Der RE85 verkehrt im Zweistundentakt zwischen Berlin und Schwerin über Güstrow und Bad Kleinen und dient bis zum 30. April als Ersatzverbindung Richtung Norden, während die Strecke Berlin–Hamburg generalsaniert wird.

Die aktuelle Situation verdeutlicht einmal mehr die dringende Notwendigkeit, in die Infrastruktur des Berliner Schienennetzes zu investieren. Solange grundlegende Kapazitätserweiterungen ausbleiben, werden solche Notmaßnahmen wie die Verkürzung des RE85 wohl weiterhin notwendig bleiben, um den Betrieb aufrechtzuerhalten – auf Kosten der Fahrgäste.

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