Bahnbrückenbau in Louisenfeld verzögert sich: Gemeinde Grabowhöfe im Ungewissen
In der Gemeinde Grabowhöfe herrscht Verwirrung über den Zeitplan für den dringend benötigten Neubau einer Bahnbrücke im Ortsteil Louisenfeld. Nach ursprünglich ambitionierten Plänen hat die Deutsche Bahn nun offenbar die Weichen neu gestellt und den Baubeginn verschoben. Was einst nicht schnell genug gehen konnte, wird sich nun voraussichtlich bis ins nächste Jahr verzögern.
Unklare Gründe für die Verschiebung
Hannes Fischer, Leiter des Bau- und Ordnungsamtes im Amt Seenlandschaft Waren, bestätigte auf Anfrage, dass die Deutsche Bahn den Brückenbau später als geplant durchführen will. „Gründe wurden unserer Amtsverwaltung nicht genannt“, so Fischer. Bei einem Treffen vor einigen Wochen sei es lediglich um den groben Ablaufplan gegangen, nicht um die Ursachen für die Veränderungen.
Nun liegen neue Bauzeiten und ein aktualisierter Finanzplan vor. Besonders auffällig: Die für die Gemeinde fälligen Abschlagszahlungen wurden kurzfristig korrigiert. Statt zwischen 2025 und 2027 sollen sie nun von 2027 bis 2029 geleistet werden. „Das bedeutet nichts anderes, als dass sich das Ganze verzögert, denn gezahlt wird jeweils nach Baufortschritt in Etappen“, erklärt Fischer die bedenkliche Entwicklung.
Deutsche Bahn dementiert Verzögerung
Die Deutsche Bahn sieht die Sache anders. Ein Unternehmenssprecher dementierte eine Verzögerung des Brückenbaus in Louisenfeld: „Wir planen nach wie vor, mit den bauvorbereitenden Arbeiten - ohne betriebliche Beeinflussung - im November 2026 zu beginnen. Voraussichtlich ab Februar 2027 bauen wir mit betrieblichen Auswirkungen auf den Zugverkehr.“ Warum es dann zu den Abschlagsänderungen kam, blieb jedoch ungeklärt.
Neunjähriger Streit um Finanzierung
Die Verwirrung ist nur der jüngste Akt in einem fast neunjährigen Konflikt zwischen der Gemeinde Grabowhöfe und dem Staatskonzern. Die Kommune hatte die Deutsche Bahn sogar verklagt, weil sie sich an den Kosten für den Brückenneubau in Höhe von rund 3,6 Millionen Euro beteiligen sollte. Bei Gesamtkosten von etwa 5,2 Millionen Euro hätte diese Summe die Gemeinde mit ihren 1300 Einwohnern finanziell ruiniert.
Die wichtigsten Streitpunkte:
- Die Gemeinde sah keine Notwendigkeit für ihren hohen finanziellen Beitrag
- Die Modernisierung war ein expliziter Wunsch der Deutschen Bahn
- Das Bahnkreuzungsgesetz von 1963 verpflichtet Kommunen zur Kostenbeteiligung
Im November vergangenen Jahres zog die Gemeinde ihre Klage jedoch zurück – die Erfolgsaussichten wurden als zu gering eingeschätzt und weitere Prozesskosten wären unerschwinglich gewesen.
Finanzielle Entlastung in Sicht
Immerhin gibt es positive Nachrichten auf finanzieller Ebene. Vom Land Mecklenburg-Vorpommern wurden bereits 2,78 Millionen Euro genehmigt. Zudem wartet die Gemeinde auf eine Sonderbedarfszuweisung in Höhe von rund 800.000 Euro aus Schwerin. „Wir sind zufrieden, dass sich etwas bewegt, die Fronten nicht mehr so verhärtet sind und wir die größte finanzielle Last für diese Aktion los sind“, resümiert Hannes Fischer.
Hintergrund des Brückenprojekts
Die „Aktion“, wie Fischer das Projekt nennt, soll Louisenfeld eine neue Brücke über die Bahnstrecke Berlin-Rostock bescheren. Täglich sind auf dieser Strecke etwa 100 Züge im Personen- und Güterverkehr unterwegs. Die Deutsche Bahn begründet den Neubau mit der Möglichkeit, die Strecke künftig mit 160 km/h statt bisher 120 km/h befahren zu können und den erforderlichen Anprallschutz zu gewährleisten.
Doch Fischer sieht grundsätzlichen Reformbedarf: „Ein juristisches Relikt wie das Bahnkreuzungsgesetz anno 1963, das Kommunen dazu verpflichtet, sich an den Kosten bei solchen Projekten zu beteiligen, das müsste man sich in der Politik noch mal genau anschauen und neu anpacken.“ Ironischerweise hält in Grabowhöfe übrigens längst kein Zug mehr – die Gemeinde ist seit Jahren ohne Bahnanschluss.



