Kulturverein 'Die Brücke' in Schwedt feiert 35-jähriges Bestehen nach DDR-Ende
Schwedter Kulturverein 'Die Brücke' wird 35 Jahre alt (27.03.2026)

Ein Verein als Brücke in eine neue Zeit: 'Die Brücke' wird 35

Aus einer schwierigen Situation kann etwas Wunderbares entstehen. Dies beweist eindrucksvoll der Schwedter Kulturverein 'Die Brücke', der in diesen Tagen sein 35-jähriges Bestehen feiert. Gegründet in den turbulenten Zeiten nach der Wende, hat sich der Verein zu einer festen Institution im kulturellen Gefüge der Stadt entwickelt.

Die Gründung in einer Zeit des Umbruchs

Die Wurzeln des Vereins reichen zurück in das Jahr 1991, eine Phase tiefgreifender Veränderungen. Nach der Auflösung des Petrolchemischen Kombinats (PCK) im Juni 1990 und der anschließenden Privatisierung durch die Treuhandanstalt bangten mehr als 8000 Beschäftigte um ihre Arbeitsplätze. Viele von ihnen, darunter Arbeiter und Ingenieure, wurden in den Vorruhestand geschickt – oft bereits mit Mitte 50.

Für Lore Höpfner, ehemalige Leiterin der Gewerkschaftsbibliothek im PCK, kam dieser Ruhestand viel zu früh. „Ich empfand das als viel zu früh für Körper und Geist“, erinnert sie sich. Gemeinsam mit Gleichgesinnten gründete sie den Klub der Mittfünfziger, aus dem später der Kulturverein 'Die Brücke' hervorging. Das erklärte Ziel: Jeden Mittwoch sollte eine kulturelle Veranstaltung stattfinden.

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Ein Ehrenkodex, der bis heute Bestand hat

Diesem Versprechen sind die Mitglieder bis heute treu geblieben. Jeden Mittwoch organisiert der Vorstand ein vielfältiges Programm:

  • Schriftstellerlesungen mit regionalen Autoren
  • Besuche in Museen und Konzerten
  • Fachvorträge zu verschiedenen Themen
  • Kino- und Theaterbesuche
  • Kulturelle Exkursionen

Der Name 'Die Brücke' wurde bewusst gewählt, denn die Gründungsmitglieder wollten Brücken zueinander bauen – in einer Zeit, die von Unsicherheit und Neuanfang geprägt war.

Verwoben mit der Stadtgeschichte Schwedts

Die Geschichte des Vereins ist untrennbar mit der Entwicklung Schwedts verbunden. Im vergangenen Jahr beschäftigten sich die Mitglieder intensiv mit Kunst und Kultur der 1970er-Jahre – eine Zeit, die viele von ihnen als junge Eltern miterlebt hatten.

In diesen Jahren entstand aus dem Erdölverarbeitungswerk das Petrolchemische Kombinat, die Stadt erhielt ihre erste Ampelanlage, das Centrum-Warenhaus wurde eröffnet und der Grundstein für das heutige Kreiskulturhaus gelegt. Schwedt zählte damals 54.000 Einwohner bei einem Durchschnittsalter von nur 29 Jahren.

Eine beständige Größe im kulturellen Leben

Heute zählt 'Die Brücke' 98 Mitglieder, von denen viele das Vereinsleben mit eigenen Angeboten bereichern. Vorsitzende Gudrun Eger betont: „Der Verein ist eine beständige Größe im kulturellen Angebot von Schwedt. Unsere Programme stehen allen Bürgern offen.“

Für das Jahr 2026 hat sich der Verein ein besonderes Thema vorgenommen: Alle Veranstaltungen widmen sich dem 'Kulturland Sachsen'. Bereits im Juni wird Autorin Doreen Mechsner aus Seelübbe erneut zu Gast sein und ihr neues Buch präsentieren.

Lore Höpfner, die als Ehrenmitglied weiterhin im Vorstand aktiv ist, fasst die Bedeutung des Vereins zusammen: „Was wäre gewesen, wenn wir diesen Verein nicht gegründet hätten? Er ist eine Heimstatt für viele, und unser Mittwoch ist immer ein ganz wichtiger Tag.“ Diese sentimentale Verbundenheit teilt Mitgründerin Rita Fischer, ehemals Ingenieurin in der Wasserwirtschaft des PCK.

Viele der Gründungsmitglieder sind mit ihrem Verein älter geworden und heute über 80 Jahre alt. Doch wie Vorsitzende Gudrun Eger betont: „Einmal Brücke, immer Brücke.“ Der Verein bleibt damit nicht nur ein Zeugnis der Vergangenheit, sondern auch eine lebendige Brücke in die Zukunft Schwedts.

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