Geisterjäger aus Torgelow: Ein Mann und seine Mission im Reich des Übersinnlichen
Wenn Thomas Lingner von seiner Tätigkeit erzählt, erntet er oft ungläubiges Staunen, Skepsis oder sogar offene Ablehnung. Doch der 57-jährige Torgelower lässt sich nicht beirren und bezeichnet sich selbst mit fester Überzeugung als Geisterjäger. Seine Arbeit hat wenig mit Hollywood-Filmen zu tun, sondern basiert auf eigenen Erfahrungen und einer speziellen technischen Ausrüstung.
Erste übersinnliche Erfahrungen bereits in der Kindheit
Nach eigenen Angaben nimmt Lingner Kontakt zu übersinnlichen Energien auf, die für die meisten Menschen unsichtbar bleiben. „Als Kind haben sie nachts immer an meinen Beinen gezogen. Ich konnte nie schlafen“, erinnert sich der pensionierte Steinmetz. Bereits im Alter von sieben Jahren sei er empfänglich für paranormale Phänomene gewesen. Er ist überzeugt, dass nahezu jedem Menschen schon einmal ein Geist begegnet oder etwas Unerklärliches widerfahren sei – etwa wenn plötzlich eine Schranktür aufspringt.
Technische Ausstattung für die Geistersuche
Die Faszination für die Kommunikation mit Wesen aus anderen Dimensionen hat Lingner knapp 2000 Euro in spezielles Equipment investieren lassen. Zu seiner Grundausstattung gehören:
- Ein sogenannter Rem-Pod
- Eine Taschenlampe und ein Rauchmelder
- Ein Diktiergerät und zwei Wünschelruten
- Einen Strahlendetektor namens Ghostbox
- Einen Lautsprecher und eine Sofortbildkamera
„Mindestens einer der Apparate zeigt mir an, wenn sich weitere Wesen im Raum befinden“, erklärt Lingner. „Wir sind nicht allein, nie“, bekräftigt er seine Überzeugung.
Professionelle Dienstleistungen mit ungewöhnlicher Bedingung
Lingner bietet seine Dienste als „technischer Dienstleister für solche Maßnahmen“ gegen eine Aufwandsentschädigung an, unter anderem über die Internetplattform Facebook. Wenn er um Unterstützung gebeten wird – etwa bei vermuteten Spukphänomenen in Wohnungen – führt er zunächst ein telefonisches Vorgespräch. Kommt es zu einer Vereinbarung, stellt er eine ungewöhnliche Bedingung: Die betroffenen Hausbewohner müssen das Gebäude für 48 Stunden verlassen und in ein Hotel oder zu Verwandten ziehen.
Systematische Verfolgung einer ungewöhnlichen Leidenschaft
Vor etwa einem Jahr begann Lingner, seine Leidenschaft systematisch zu verfolgen. Er installierte fünf Kameras im Wohnbereich und Hof seines Eigenheims, richtete einen speziellen Raum im Keller ein und lässt seine Aufzeichnungsgeräte rund um die Uhr laufen. Bisher hat er Lichtpunkte dokumentiert, die sich durch Räume bewegen – „elektromagnetische Felder“ – sowie Geräusche, die bei verlangsamter Abspielung Wortgruppen ergeben sollen.
Einsatz an historischen und tragischen Orten geplant
Der nächste Einsatz des Geisterjägers soll einen Unfallort bei Ueckermünde betreffen, an dem im Jahr 2024 zwei Teenager bei einem Frontalzusammenstoß tödlich verletzt wurden. Lingner plant, mitten in der Nacht mit seiner Technik dorthin zu fahren. „Wer so plötzlich aus dem Leben gerissen wird, ist noch an dem Ort. Manche wissen gar nicht, dass sie tot sind“, erklärt er seine Motivation.
Einzelgänger in einer überschaubaren Szene
Die Gemeinschaft Gleichgesinnter sei in Deutschland überschaubar, weiß Lingner. In Vorpommern sei ihm noch kein Mitglied der Geisterszene begegnet, die nächsten aktiven Geisterjäger gebe es in Berlin. Seine Ehefrau akzeptiere seine Leidenschaft, zeigt sich der 57-Jährige glücklich. Trotz gelegentlicher Belächelung bleibt er seiner Mission treu: den Kontakt zu übersinnlichen Energien herzustellen und zu dokumentieren.



