35 Jahre Kulturverein 'Die Brücke': Eine Heimstatt für Schwedter Ruheständler
Aus einer schwierigen Zeit des Umbruchs entstand in Schwedt etwas Bleibendes: Der Kulturverein "Die Brücke" feiert in diesem Jahr sein 35-jähriges Bestehen. Was 1991 als Initiative von Vorruheständlern begann, hat sich zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens der Stadt entwickelt.
Gründung in unsicheren Zeiten
Die Wurzeln des Vereins reichen in die turbulenten Jahre nach der Wende zurück. Nach der Auflösung des Petrolchemischen Kombinats (PCK) im Juni 1990 und der Privatisierung durch die Treuhandanstalt bangten mehr als 8.000 Beschäftigte um ihre Arbeitsplätze. Viele Arbeiter und Ingenieure mussten mit Mitte 50 in den Vorruhestand gehen - darunter auch Lore Höpfner, ehemalige Leiterin der Gewerkschaftsbibliothek im PCK.
"Dieser Ruhestand kam für Körper und Geist viel zu früh", erinnert sich Höpfner. Gemeinsam mit Gleichgesinnten gründete sie den "Klub der Mittfünfziger" mit einem klaren Anspruch: Jeden Mittwoch sollte eine kulturelle Veranstaltung stattfinden. Dieser Ehrenkodex wird bis heute strikt eingehalten.
Von der Initiative zum festen Verein
Aus dem anfänglichen Klub entwickelte sich bald der Kulturverein "Die Brücke". Der Name war Programm: Die Ruheständler wollten Brücken zueinander und zur Kultur bauen. Das Programm ist vielfältig und umfasst Schriftstellerlesungen, Museums- und Konzertbesuche, Vorträge, Kino- und Theaterbesuche.
"Was wäre gewesen, wenn wir diesen Verein nicht gegründet hätten?", fragt Lore Höpfner, die heute als Ehrenmitglied weiter im Vorstand aktiv ist. "Er ist eine Heimstatt für viele, und unser Mittwoch ist immer ein ganz wichtiger Tag."
Verwoben mit der Stadtgeschichte
Die Geschichte des Vereins spiegelt die Entwicklung Schwedts wider. Im vergangenen Jahr beschäftigten sich die Mitglieder mit Kunst und Kultur der 1970er-Jahre - einer Zeit, die viele als junge Eltern miterlebt hatten. 1970 war aus dem Erdölverarbeitungswerk das Petrolchemische Kombinat entstanden, und Schwedt bekam seine erste Ampel.
Damals hatte die Stadt ein Durchschnittsalter von 29 Jahren und zählte 54.000 Einwohner. Die meisten arbeiteten im PCK, einige von ihnen gehörten später zu den Gründern des Kulturvereins. Heute sind viele Mitglieder über 80 Jahre alt und mit ihrem Verein gealtert.
Brücken in die Region
Der Verein schlägt nicht nur interne Brücken, sondern auch Verbindungen zu Künstlern der Uckermark. Im Juni ist Autorin Doreen Mechsner aus Seelübbe erneut zu Gast und stellt ihr neues Buch vor. 2026 steht ganz im Zeichen des "Kulturland Sachsen", dem sich die Veranstaltungen widmen.
Mit aktuell 98 Mitgliedern hat sich der Verein zu einer beständigen Größe im kulturellen Angebot Schwedts entwickelt. "Diese Entwicklung war nicht abzusehen", sagt Vorsitzende Gudrun Eger. "Der Verein ist eine beständige Größe im kulturellen Angebot von Schwedt. Unsere Programme stehen allen Bürgern offen."
Das Motto der Vereinsmitglieder ist klar: "Einmal Brücke, immer Brücke." Auch nach 35 Jahren bleibt der Verein seiner ursprünglichen Idee treu - Gemeinschaft durch Kultur zu stiften und Brücken zwischen Menschen zu bauen, die gemeinsam eine bewegte Zeit durchlebt haben.



