Vom Blaubeeren-Kauf zum ungeplanten Einkaufsrausch
Es begann mit einer simplen Absicht: Nordkurier-Reporter Matthias Lanin wollte lediglich eine Schale Blaubeeren im Supermarkt besorgen. Was als schneller Besuch geplant war, endete jedoch in einem regelrechten Einkaufsmarathon, der ihn mit vier prall gefüllten Tüten, drei verschiedenen Käsesorten, Sonderangebots-Backpulver und einem schlechten Gewissen nach Hause brachte.
Der Plan, der schnell scheiterte
„Ich kaufe nur schnell Blaubeeren“, verkündete Lanin noch selbstbewusst seiner Frau, bevor er das Haus verließ. Der Supermarkt lag nur fünf Minuten entfernt, und er kannte den genauen Standort der gewünschten Früchte: zweites Regal von links in der Obstabteilung. Sein Vorsatz war klar und deutlich – rein, greifen, raus. Doch bereits an den Erdbeeren, die verlockend in der Nachbarschaft lagen, begann der sorgfältig ausgearbeitete Plan zu bröckeln.
Die Erdbeeren sahen einfach zu verlockend aus, und schnell kam der Gedanke auf, dass zu Erdbeeren auch Quark passen würde. Und wenn man schon Quark kauft, benötigt man natürlich Vanillezucker. Auf der Suche danach stieß Lanin unvermittelt auf Backpulver im Sonderangebot. Eine innere Stimme, die verdächtig nach seiner Mutter klang, flüsterte ihm zu: „Backpulver braucht man immer.“
Die Abwärtsspirale der Impulskäufe
Vor dem Kühlregal kam der nächste Stolperstein: Gouda mit satten 30 Prozent Preisnachlass. „Käse geht immer“, dachte sich der Reporter, und schon landeten nicht nur der reduzierte Käse, sondern auch Butter und Brot im Einkaufswagen. Das Brot wiederum erinnerte ihn an die Aufbackbrötchen, und diese weckten die Erinnerung an anstehenden Besuch am Wochenende – also musste noch Orangensaft mitgenommen werden.
Da der Kaffee zu Hause sowieso fast alle war, wurde auch dieser in den Wagen gelegt. An der Kasse staunte Lanin nicht schlecht, als sich sein anfänglich geplanter Mini-Einkauf in vier gut gefüllte Tüten verwandelt hatte. Im Grunde bin ich nicht einkaufen gegangen, resümierte er später. Der Supermarkt hat mit mir eingekauft.
Die vergessenen Blaubeeren und die Lehre daraus
Zurück zu Hause stellte er die Tüten auf den Küchentisch, wo seine Frau erst in die Beute und dann ihn musterte. Ihre Frage traf ihn unvorbereitet: „Und die Blaubeeren?“ Erst im Flur stehend wurde Lanin schmerzhaft bewusst, dass er den eigentlichen Grund seines Einkaufs völlig vergessen hatte. Die Blaubeeren, der Auslöser für diesen ganzen Kaufrausch, waren nirgends zu finden.
Dieses Erlebnis zeigt eindrucksvoll, wie leicht aus einem geplanten, kleinen Einkauf ein unkontrollierter Kaufrausch werden kann. Verlockende Sonderangebote, geschickt platzierte Produkte und unsere eigenen Assoziationen führen dazu, dass wir oft mehr kaufen, als wir eigentlich wollten. Ein Phänomen, das vielen Verbrauchern nur allzu bekannt vorkommen dürfte.



