Wittenburg: Baustelle Neue Mitte führt zu massiven Verkehrsproblemen in der Altstadt
Mit dem Baustart für das ambitionierte Großprojekt "Neue Mitte" ist die zentrale Große Straße in Wittenburgs historischer Altstadt vollständig gesperrt. Diese Hauptverkehrsader wird voraussichtlich für etwa zwei Jahre nicht befahrbar sein, was bereits in der jüngsten Stadtvertretungssitzung zu ersten deutlichen Beschwerden geführt hat.
Anwohner beklagen Verkehrschaos in schmalen Gassen
In der Einwohnerfragestunde schilderte ein betroffener Anwohner eindringlich die aktuelle Situation: "Wohnmobile und Lastkraftwagen versuchen verzweifelt, irgendwie durch die Innenstadt zu gelangen, und fahren dann in die engen Nebenstraßen ein, wo sie fast stecken bleiben." Die Fahrzeuge mit fremden Kennzeichen würden die schmalen Gassen regelrecht verstopfen und die Lebensqualität der direkten Anwohner erheblich beeinträchtigen.
Bürgermeister Christian Greger (CDU) verwies darauf, dass sowohl an der Umgehungsstraße als auch innerhalb der Stadt mit zahlreichen Hinweisschildern auf die Vollsperrung aufmerksam gemacht werde. "Wir müssen die Entwicklung genau beobachten, ob diese Maßnahmen ausreichen oder ob zusätzliche Verkehrslenkungen notwendig werden", erklärte der Bürgermeister während der Sitzung.
800-Jahr-Feier im Sommer 2026 als zusätzliche Herausforderung
Besonders kompliziert wird die Situation durch die anstehende 800-Jahr-Feier der Stadt, die im Sommer 2026 mit zahlreichen Veranstaltungen begangen werden soll. Geplant ist unter anderem ein großer historischer Festumzug, der aufgrund der umfangreichen Bauarbeiten kreativ umgeleitet werden muss.
Bürgermeister Greger erläuterte das grundsätzliche Problem: "Die historischen Straßen in unserer denkmalgeschützten Altstadt sind architektonisch nicht für derartige Verkehrsbelastungen ausgelegt." Aus diesem Grund dürften sie eigentlich nur von direkten Anwohnern genutzt werden. Die aktuelle Sperrung erfordere zwar gegenseitige Rücksichtnahme aller Beteiligten, sei aber unvermeidbar, da der Platz für den notwendigen Bauverkehr dringend benötigt werde.
Das Großprojekt Neue Mitte: Vision mit kontroverser Finanzierung
Das 17,5-Millionen-Euro-Projekt Neue Mitte soll bis zum Jahr 2028 moderne Räumlichkeiten für die Stadtverwaltung, das kommunale Archiv und weitere öffentliche Institutionen wie die städtische Wohnungsgesellschaft schaffen. Zusätzlich sind offene Begegnungsstätten für Vereine und ehrenamtliche Initiativen vorgesehen.
Insgesamt sind sieben miteinander verbundene Gebäude geplant, die die bisher unbebaute Lücke zwischen dem historischen Demmler-Rathaus und dem Spiegelberg schließen sollen. Das Projekt wurde bereits im Jahr 2014 von der Stadtvertretung beschlossen und stand in der Zwischenzeit mehrfach vor dem Aus.
Während die Befürworter eine deutliche Belebung der Innenstadt und verbesserte Möglichkeiten für ehrenamtlich organisierte Freizeitaktivitäten erwarten, äußern Kritiker ernste Bedenken. Sie fürchten, dass sich die Stadt mit dem kreditfinanzierten Eigenanteil an den Baukosten finanziell übernehmen könnte. Die kontroverse Diskussion um Nutzen und Kosten des Großprojekts begleitet somit die bereits spürbaren verkehrstechnischen Auswirkungen der Baumaßnahmen.



