Rostock setzt Priorität auf neue Schwimmhalle statt zweiter Eishalle
Die Hansestadt Rostock treibt die Planungen für einen neuen Schwimmhallenkomplex im Stadtteil Nordwesten entschieden voran und legt gleichzeitig die Überlegungen für eine zweite Eishalle endgültig auf Eis. Die Stadtverwaltung hat der Bürgerschaft eine Vorzugsvariante für den zukünftigen Schwimmhallenneubau am Hamburger Tor vorgelegt und empfiehlt deutlich, vom Bau einer zusätzlichen Eishalle auf der Freifläche zwischen der Hanse Messe und der S-Bahn-Station Lütten Klein abzusehen.
Stadtverwaltung sieht keinen Bedarf für zweite Eishalle
Im Auftrag der Fraktionen von SPD, CDU, Rostocker Bund und Freien Wählern hatte die Stadt seit Ende 2024 eine Variante mit Fläche für eine Eishalle geprüft. Das Ergebnis fällt nun eindeutig aus: Perspektivisch könnte zwar die heutige Stellplatzfläche gegenüber dem Busbahnhof Lütten Klein südlich der B105 für eine Eishalle in Frage kommen. Doch nach fachlicher Einschätzung des Sportamtes besteht kein Bedarf für einen zusätzlichen Standort, zumal die Sanierung der bestehenden Eishalle an der Schillingallee politisch bereits beschlossen ist. Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Linke) betont in der Beschlussvorlage zur Bebauung der Fläche Hamburger Tor deutlich: „Die Stadt lehnt den Neubau einer zweiten Eishalle neben der Schillingallee ab.“
Ortsbeirat und Stadtsportbund unterstützen Schwimmhallenpriorität
Uwe Michaelis (SPD), Ortsbeiratsvorsitzender von Groß Klein, dessen Gremium am 21. April als erstes über die städtische Vorlage abstimmen muss, bedauert zwar, dass die Eishalle in der Vorzugsvariante nicht berücksichtigt ist. „Ich würde die Möglichkeit gerne erhalten, am Hamburger Tor auch eine Eishalle zu bauen. Der Bedarf ist durchaus da“, sagt er. Doch er ergänzt entschieden: „Aber daran sollte die Beschlussvorlage nicht scheitern, denn die Schwimmhalle hat eindeutig Priorität.“ Gerade für das Schulschwimmen bestehe im Nordwesten ein großer Bedarf für eine zusätzliche Schwimmhalle.
Auch der Stadtsportbund Rostock meldet einen klaren Bedarf für eine dritte Schwimmhalle in der Hansestadt an. Geschäftsführer Andreas Röhl erklärt: „Die Vereine brauchen mehr Wasserfläche. Die Neptun-Schwimmhalle ist komplett ausgelastet.“ Röhl hat dabei nicht nur den Schwimmsport und Schwimmunterricht, sondern auch Reha-Angebote im Blick. Vom Bau einer zweiten Eishalle nimmt der Stadtsportbund allerdings deutlich Abstand: „Stattdessen sollte die bestehende Eishalle grundlegend saniert werden. Das muss aus Sicht des Stadtsportbundes konsequent verfolgt werden.“
Integrierte Quartiersentwicklung mit Wohnungsbau
Die Vorzugsvariante der Stadt integriert die neue Schwimmhalle in eine umfassende Quartiersentwicklung. Ziel ist es, die ehemaligen IGA-Flächen sowie angrenzende Entwicklungsräume – einschließlich des Hamburger Tors – im gesamtstädtischen Zusammenhang zu betrachten und langfristige Perspektiven für eine integrierte Stadt- und Quartiersentwicklung mit einem zukunftsfähigen IGA-Park im Zentrum zu formulieren. Ein wesentlicher Vorteil besteht darin, dass die städtebauliche Entwicklung des Quartiers weitgehend unabhängig von der Umsetzung der Schwimmhalle erfolgen kann, während die Option einer späteren Realisierung offengehalten wird.
Durch den Verzicht auf ein Baufeld für eine Eishalle entstehen zusätzliche Entwicklungsspielräume. So sind weitere Baufelder für Wohnen, Handel, Hotel- und Dienstleistungsnutzungen sowie für Erweiterungsbedarfe der Messe angedacht. Oberbürgermeisterin Kröger erläutert: „Insgesamt ermöglicht dies die Entwicklung eines dichten und urbanen Quartiers mit einer vielfältigen Nutzungsstruktur. Überschlägig könnten hier etwa 400 bis 450 Wohnungen in gut integrierter städtischer Lage entstehen.“
Technische Details und Kostenentwicklung
Geplant ist am Hamburger Tor ein Schwimmhallenkomplex mit einem 25-Meter-Schwimmbecken, acht Bahnen à 25 Meter, sowie einem separaten Lehrschwimmbecken. Die Stadt ging ursprünglich von etwa 1,4 Millionen Euro Planungskosten für dieses Großvorhaben aus. Die Gesamtkosten für den Schwimmhallenneubau wurden Ende 2024 auf etwa 20 Millionen Euro geschätzt. Experten gehen davon aus, dass die Kosten mittlerweile deutlich höher liegen, auch wenn sie in der aktuellen Beschlussvorlage nicht konkret beziffert werden. Ein genauer Baubeginn bleibt ebenfalls noch offen und wird in den kommenden politischen Beratungen weiter konkretisiert werden müssen.



