Drei Jahre Diskussion ohne Ergebnis: Neustrelitzer Marktbäume sterben weiter
Das Drama um die Bäume auf dem Neustrelitzer Marktrondell setzt sich unvermindert fort. Trotz einer dreijährigen intensiven Diskussion in den städtischen Gremien konnte die Stadtvertretung keine tragfähige Lösung für das Baumsterben finden. Mehr als ein Viertel der Eschen musste bereits gefällt werden oder steht kurz davor, entfernt zu werden.
Finanzierungsfrage blockiert alle Lösungsansätze
Im Herbst des vergangenen Jahres schien zunächst ein vorläufiger Schlussakt erreicht: Die Stadtvertretung beschloss, alles beim Alten zu belassen. Diese Entscheidung mag für die städtischen Finanzen sinnvoll erscheinen, für die bereits seit zwei Jahrzehnten kümmernden Bäume bedeutet sie jedoch eine Fortsetzung des schleichenden Sterbeprozesses.
Ein Berliner Planungsbüro hatte nach Auftragserteilung im November 2024 insgesamt vier Varianten zur Rettung der Marktbäume entwickelt, die im April 2025 dem Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt wurden:
- Variante eins: Komplette Sanierung des Marktes nach dem Schwammstadtprinzip mit Kosten von 1,04 Millionen Euro
- Variante zwei: Erweiterung der Baumscheiben und Bepflanzung mit klimaangepassten Bäumen für 450.000 Euro
- Variante drei: Bepflanzung von nur 22 Baumscheiben bei geschätzten Kosten von 541.000 Euro
- Variante vier: Erweiterung vorhandener Baumscheiben auf 2,30 Meter mit Kosten von 262.000 Euro
Fördermittel als entscheidender Faktor
Die entscheidende Frage, die alle Fraktionen in der Stadtvertretung umtrieb, war die Finanzierung. Ohne klare Antwort auf die Herkunft der benötigten Mittel konnte sich keine Mehrheit für eine der Varianten finden. Die Verwaltung wurde beauftragt zu prüfen, inwieweit Fördermittel infrage kommen.
Im September legte die Stadtverwaltung die Ergebnisse vor, die drei zusätzliche Varianten enthielten. Besonders relevant war dabei die Erkenntnis, dass das Förderprogramm „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“ nur bei Maßnahmen zur Verbesserung der Standortbedingungen für bestehende Bäume greift. Die Kosten der neu bewerteten Varianten bewegten sich zwischen 170.000 und mehr als einer Million Euro.
Stadtverwaltung favorisiert Erhalt der Bäume
Die Stadtverwaltung sprach sich für Variante zwei a aus, die durch vergrößerte Baumscheiben den Erhalt der vorhandenen Bäume vorsah und Eigenmittel von 169.000 Euro erforderte. Als Notlösung für den Fall nicht bewilligter Fördermittel wurde Variante fünf vorgeschlagen, die lediglich Ersatzpflanzungen für abgängige Bäume vorsieht.
„Für den Fall, dass Fördermittel nicht bewilligt werden sollten, sollte die Variante fünf umgesetzt werden“, lautete der offizielle Vorschlag aus dem Rathaus. Doch auch dafür fand sich keine Mehrheit in der Stadtvertretung.
Skepsis und Stillstand nach drei Jahren
Letztlich setzten sich jene Stimmen durch, die bezweifeln, dass Baumscheibenerweiterungen tatsächlich einen spürbaren Effekt erzielen würden. Nach drei Jahren intensiver Beratungen steht Neustrelitz damit wieder am Ausgangspunkt: Das Baumsterben auf dem Markt geht unvermindert weiter.
Praktisch bedeutet dies die Umsetzung von Variante fünf – eine Lösung, die Kritiker als „Ohne Spesen nichts gewesen“ bezeichnen. Immerhin sind für die aufwändige Variantenplanung bereits Kosten von rund 21.600 Euro angefallen, zuzüglich etwa 2000 Euro für Gutachten, die nach sichtbar gewordenen Baumschäden im Jahr 2010 erstellt wurden.
Konkrete Maßnahmen für den Herbst
Laut Auskunft aus dem Rathaus werden die acht bereits gefällten Eschen in diesem Herbst durch neue Bäume ersetzt. Eventuell müssen zwei weitere kranke Exemplare gefällt und ersetzt werden. Zur Sicherstellung der Wasserversorgung kommen erneut Wassersäcke zum Einsatz – eine temporäre Maßnahme, die das grundlegende Problem nicht löst.
Die Eschen auf dem Neustrelitzer Markt bilden seit mehr als zwanzig Jahren nur spärliche Kronen aus, ein deutliches Zeichen ihrer prekären Gesundheitssituation. Während die Diskussionen weitergehen, setzt sich der schleichende Verlust dieses städtischen Grünelements fort.



